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Zähes Ringen um gewaschene Reemtsma-Millionen

Der Geldwäsche-Prozess gegen Lutz Drach, Bruder des Reemtsma-Entführers Thomas Drach, hat am Montag mit einem zähen Ringen um Ermittlungsakten begonnen. Die Verteidigung hatte die Vorlage weiterer Akten gefordert.

dpa AACHEN. Der Geldwäsche-Prozess gegen Lutz Drach, Bruder des Reemtsma-Entführers Thomas Drach, hat am Montag mit einem zähen Ringen um Ermittlungsakten begonnen. Die Verteidigung hatte die Vorlage weiterer Akten gefordert.

Die Anklage weigerte sich. Das würde laufende Ermittlungen gegen "eine Vielzahl von Beschuldigten" im Entführungsfall Reemtsma gefährden. Lutz Drach soll sechs Mill. Schweizer Franken (3,9 Mill. ?) Lösegeld gewaschen haben. Vom Großteil der umgerechnet 15 Mill. ? Lösegeld fehlt jede Spur. Der Entführer Thomas Drach verbüßt eine Haftstrafe von über 14 Jahren.

Im Entführungsfall des Hamburger Millionärs Jan Philipp Reemtsma wurde 1996 mit umgerechnet 15 Mill. ? das bislang höchste Lösegeld in Deutschland gezahlt. Der 43-jährige Lutz Drach soll laut Anklage im Auftrag seines Bruders sechs Mill. Schweizer Franken nach Madrid und später wieder zurück nach Deutschland gebracht haben. Der Prozess gegen ihn wird wie geplant nächsten Donnerstag fortgesetzt.

Laut Anklage zog Kidnapper Thomas Drach kurz nach der Entführung seinen jüngeren Bruder Lutz und einen weiteren Komplizen ins Vertrauen. Sie sollten ihm bei der Geldwäsche helfen, sagte Staatsanwältin Jutta Breuer. "Als Gegenleistung sollten beide Teile aus dem Lösegeld erhalten, um sich eine neue Existenz aufzubauen und ihren Lebensunterhalt zu bestreiten", sagte Breuer.

Lutz Drach und sein Komplize hatten sich 1998 nach Brasilien abgesetzt, um von dort die Fäden für die Geldwäsche zu ziehen. In Deutschland war ihnen der Boden zu heiß geworden. Im März hatten die Ermittler Thomas Drach in Argentinien festgenommen.

Laut Anklage lagen mindestens sechs Mill. Franken aus dem Lösegeld bei einem Freund der Drach-Brüder im rheinischen Erftstadt. Für Lutz Drach und seinen Komplizen sei es zu riskant gewesen, das Geld zu holen. Sie heuerten einen Kurier an, der angeblich in ihrem Auftrag im Mai 2000 jeweils drei Mill. Franken nach Madrid brachte. Lutz Drach hatte dem Kurier nach Überzeugung der Anklage das Geld in Erfstadt gegeben und später in Madrid wieder in Empfang genommen.

Kurze Zeit später habe dieser Kurier die sechs Mill. Schweizer Franken wieder nach Deutschland gebracht und später einem Mann in Belgien übergeben. "Der weitere Verbleib der sechs Mill. Schweizer Franken konnte bislang nicht aufgeklärt werden", sagte die Staatsanwältin. Der 2002 zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilte Geld-Kurier ist Hauptzeuge im laufenden Prozess.

Drachs Anwalt Detlef Hartmann forderte zu Prozessbeginn die Aussetzung der Hauptverhandlung und uneingeschränkte Akteneinsicht. Die Staatsanwaltschaft habe ihm nur einen Bruchteil der Akten zur Verfügung gestellt. "Das ist ein Affront gegen die Rechte der Verteidigung", sagte Hartmann. Die Staatsanwaltschaft begründete ihr Vorgehen mit der Gefährdung laufender Ermittlungen gegen weitere Komplizen.

Lutz Drach ist wegen versuchter Geldwäsche vorbestraft. Kurz nach der Freilassung Reemtsmas hatte er in einer Kölner Pension 27 000 $ von seinem Bruder bekommen und zu waschen versucht. Die Haftstrafe von 18 Monaten hatte er verbüßt.

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