Zahl börsengehandelter Fonds nimmt weiter zu
Die Kosten der Fonds im Griff

W as der Bauer nicht kennt, isst er nicht, sagt ein Sprichwort. Übertragen auf die Börse gilt: Was der Anleger nicht kennt, kauft er nicht. Während Indexzertifikate beispielsweise in Deutschland bereits ein Markenartikel sind, können sich viele Private unter börsengehandelten Fonds nichts vorstellen. Schuld daran tragen auch die Banken, die an der Börse noch nicht mit von der Partie sind, weil sie lieber ihre eigenen Produkte propagieren. Dabei sind gerade die börsengehandelten Indexaktien wegen der geringen Kosten eine interessante Alternative zu den nicht notierten Indexfonds. Das scheint sich jedoch auch unter den Privaten herumzusprechen.

Der Start des neuen Börsensegments für börsengehandelte Fonds, XTF (Exchange Traded Funds) im April 2000 war nicht gerade viel versprechend. Die Umsätze dümpelten lange Zeit vor sich hin (siehe Grafik links oben). Merrill Lynch kam damals mit zwei Produkten auf den Euro Stoxx 50 (WKN: 935927) und auf den Stoxx 50 (WKN: 935926) heraus. Mit diesen Indexaktien hielt eine Investmentidee aus den USA in Deutschland Einzug: Erstmals konnten Investoren eine Mischung aus Aktie und Investmentfonds kaufen. Dabei handelt es sich um Anteilsscheine an einem Investmentfonds, der einen Index abbildet. Diese Anteile am jeweiligen Sondervermögen werden an der Börse gehandelt. Die Indexaktien bilden etwa ein Hundertstel der Indizes ab, ihr Preis wird dabei von Angebot und Nachfrage an der Börse mit bestimmt. Anders als bei klassischen Fonds müssen die Investoren beim Erwerb der Scheine keine Ausgabeaufschläge zahlen.

Das müssen sie auch bei den elf aktiv gemanagten Fonds nicht, die die Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen (DWS) im November 2000 an der Börse einführte. Auch wenn hier die Umsätze in jüngster Zeit steigen - hohe Handelsvolumina zog das Börsensegment XTF erst an, als die Hypo-Vereinsbank-Tochter Indexchange Investment AG mit Indexaktien auf den Dax (WKN: 593393), den Euro Stoxx 50 (WKN: 593395) und den Stoxx 50 (WKN: 593394) kam. Gestern ergänzte die Gesellschaft ihre Produktpalette noch um den Schweizer Bluechip-Index SMI (WKN: 593396). So zeigte sich denn auch die Deutsche Börse optimistisch und erwartet ein weiteres Wachstums bei börsengehandelten Fonds, insbesondere bei den Indexaktien.

Kostengünstig sind Indexaktien, deren Laufzeit im Gegensatz zu den oft ebenfalls billig gepreisten Indexzertifiken nicht begrenzt ist, auch in Bezug auf Verwaltungsgebühren. Mit 0,5 Prozent per annum vom Nettoinventarwert sowohl bei Merrill Lynch als auch bei Indexchange sind diese Gebühren deutlich niedriger als bei anderen Fonds.

Unterdessen sind die elf gelisteten aktiv gemanagten Fonds der DWS nicht ganz so günstig zu haben: Die Anleger zahlen für den Fonds mit deutschen Aktien (siehe Tabelle) eine Verwaltungsgebühr von 1,25 Prozent, für die übrigen Fonds eine Gebühr von 1,5 Prozent. Dazu kommt eine Performancefee. Sie beträgt ein Viertel der erzielten Wertentwicklung des Fonds über dem Referenzindex. Die ersten Fonds des Typs 0 - ohne Ausgabeaufschlag - wurden bereits 1994 aufgelegt. Mit der Börsennotierung der Fonds im vergangenen Jahr wollte sich die Gesellschaft lediglich einen weiteren Vertriebsweg erschließen.

Die börsennotierten aktiv gemanagten Fonds bieten jedoch ebenso wie die Indexaktien Zeitvorteile gegenüber den traditionellen Produkten: Denn mit dem fortlaufenden Handel an der Börse bis 20 Uhr können Anleger kurzfristig reagieren - etwa auf einen Kurssturz an der Wall Street. Und die Börse weist minütlich den so genannten indikativen Net Asset Value aus, den fairen Nettoinventarwert des Fonds, der sich aus der Portfoliozusammensetzung ergibt. Er bietet Anlegern eine nützliche Orientierungshilfe, weil sie die Preise im Xetra-System damit vergleichen können; 97 Prozent des Handels wird gegenwärtig auf diesem elektronischen System der Börse abgewickelt. Die Preise können im Tagesablauf beträchtlich schwanken.

Auf Seiten der Banken gibt es mittlerweile Reaktionen in puncto Handelszeit: Seit dieser Woche hat etwa die DG Bank die Handelszeit für ihre handelbaren Fonds von 17.30 Uhr bis 20 Uhr ausgeweitet. Das Haus bietet schon seit längerer Zeit Fonds ohne Ausgabeaufschläge an - ebenso wie zum Beispiel die Dresdner-Bank-Tochter DIT, die allerdings einräumt, sie kassiere dafür höhere Verwaltungsgebühren. DIT-Pressesprecher Heinrich Durstewitz betont, die Gesellschaft plane nicht, Fonds an der Börse zu notieren. Denn mit den Produkten spreche man nicht den typischen Fondsanleger an. Dieser wolle "nicht in den Stress kommen, stündlich darüber nachzudenken, ob er verkaufen will oder nicht". Und die beim Handel der börsennotierten Fonds anfallenden Bankgebühren minderten den Kostenvorteil hinsichtlich des Ausgabeaufschlags erheblich.

Ausgabeaufschläge von null bis fünf Prozent

Dennoch - an die komprimierten Gebühren- und Zeitvorteile der börsennotierten Indexaktien kommen die anderen Emittenten kaum heran. Ausgabeaufschläge bei Aktienfonds in Deutschland reichen bis zu fünf Prozent. Übrigens sind die Preise und Umsätze aller börsengehandelten Fonds im Internet unter "www.exchangetradedfunds.de" zu finden.

Andreas Fehrenbach, dem Vorstand der Indexchange Investment AG , zufolge haben die Münchener als einzige hier zu Lande einen weiteren Pluspunkt zu bieten: Gemäß § 8c KAGG (Gesetz über Kapitalanlagegesellschaften) dürfen diese Fonds den sonst maximal zulässigen Fondsanteil eines Wertes von zehn Prozent überschreiten. Das Handelsvolumen des Dax-Fonds liegt nach Angaben von Fehrenbach bei durchschnittlich 60 Millionen Euro am Tag. Ermuntert von diesem Erfolg wollen die Münchener in Kürze ihr Angebot ausweiten und Indexaktien auf Euro-Stoxx- und Stoxx-Branchenindizes begeben. Ferner seien börsengehandelte MDax- und Nemax-50-Fonds geplant. Merrill Lynch kündigte Emissionen auf FTSE-Global-Sektors-Indizes an.

Anleger, die die börsengehandelten Fonds nicht bei den Emittenten, sondern ihrer Hausbank handeln wollen, sollten jedoch aufpassen. So warnte Rainer Riess, Head of Primary Markets bei der Deutschen Börse AG, es habe schon einige Fälle gegeben, in denen Finanzinstitute für diese Fonds entgegen dem Börsengesetz doch einen Ausgabeaufschlag erhoben hätten. Als Grund dafür hätten die Banken dann nachträglich angegeben, ihre Erfasssungssysteme hätten das Segment Exchange Traded Funds noch nicht enthalten. Es habe sich nur um einen Irrtum gehandelt.

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