Zahl der Ausfälle soll in diesem Jahr um die Hälfte steigen
Kreditrisiken der US-Banken haben sich deutlich verschärft

NEW YORK. Im schwierigen letzten Quartal des Jahres 2000 haben sich die großen US-Banken unterschiedlich geschlagen. Doch ein roter Faden zieht sich durch sämtliche vergangene Woche veröffentlichten Ergebnisse: Die Kreditrisiken haben sich deutlich erhöht. Die großen Institute mussten Milliarden fauler Krediten abschreiben und neue Reserven für weitere Ausfälle bilden. So meldete Bank of America Corp. aus Charlotte/North Carolina, dass die Summe der Kreditausfälle sich auf 2,4 Mrd.$ belaufe, 20 % mehr als im Vorjahr. Die Bank rechnet bis zum Jahresende gar mit Ausfällen bis zu 3 Mrd. $.

Zahlungsprobleme von Unternehmen steigen

Bei der First Union Corp., ebenfalls einer in Charlotte beheimateten Geschäftsbank, gehen auf eine Kreditsumme von 1,6 Mill. $ keine Zinszahlungen mehr ein, der faul gewordene Bestand hat sich verdreifacht. Die in Schwierigkeiten geratene Bank One Corp. meldete einen Verlust von 512 Mill. $, nachdem sie ihre Reserven für Kreditausfälle um 1 Mrd. $ erhöht hatte.

Die Investmentbank Salomon Smith Barney schätzt, dass sich die Kreditausfälle der gesamten Branche in diesem Jahr auf 33 Mrd.$ belaufen werden, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um fast 50%.

"Nonperforming assets", nennt sich der Posten, der Analysten und die Investorengemeinde jetzt in den Bankbilanzen am meisten interessiert. Er steht für notleidende Kredite, das sind Kredite, bei denen seit mindestens 90 Tagen die Zinszahlungen eingestellt worden sind. "Auch das Management konzentriert sich jetzt hauptsächlich auf diese Position", berichtet Unternehmensberater Jim Liddy, Partner bei der Wirtschafts-Prüfungs und Unternehmensberatungsgruppe KPMG. "Diese nonperforming assets sind aber nur ein einzelner Indikator für die gesamte Kreditsituation der Banken", sagt Liddy. Das Umfeld der Branche sei schwierig geworden, die Banken müssten jetzt die Bonität des gesamten Kreditbestands neu überprüfen.

Mit der sich abkühlenden Wirtschaft sind immer weniger Unternehmen in der Lage, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Schwache Umsätze machen etwa der Warenhaus-Kette J.C. Penney aus Plano, Texas zu schaffen. Der in Schieflage geratene Einzelhändler steht bei den Banken mit 6 Mrd. $ in der Kreide. Der in die Verlustzone geratene Kopierer-Hersteller Xerox schuldet Banken 7 Mrd. $.

In Schwierigkeiten geraten sind außerdem die Asbesthersteller, Finanzierungsinstitute für Konsumentenkredite, Textilhersteller, der Produzent von Haushaltsgeräten Sunbeam oder der Mischkonzern Loews, der Versicherungen ebenso wie Zigaretten, Hotels und Uhren in seinem Sortiment hat. Hinzu kommen die Kreditausfälle der beiden großen kalifornischen Stromversorger PG&E und Edison International.

Faul gewordene Kredite treffen die Banken gleich zwei mal. Sie müssen höhere Rückstellungen für mögliche Ausfälle machen, das schmälert die Gewinne. Außerdem fallen Zins-Zahlungen als Einkünfte aus.

"Ein einziger großer Kunde kann bereits die gesamte Situation der Bank beeinträchtigen", beobachtet Liddy. Banken, die ihre Geschäftsbereiche ausreichend diversifiziert haben, hätten in so einer verschlechterten Situation die besten Chancen.

Nach den jüngsten Zahlen haben die Wertpapier-Analysten ihre Gewinn-Erwartungen für das laufende Quartal bereits zurückgestuft, berichtet Chuck Hill vom Finanzmarkt-Forschungsinstitut First Call. Sie erwarten einen durchschnittlichen Ergebnis-Rückgang von um 1%. Danach dürften die Zahlen sich wieder um 8 oder 9 % verbessern. Doch Chuck Hill folgt solchen Hoffnungen nur unter Vorbehalt: "Das klappt nur, wenn die Kredite nicht noch schlechter werden."



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