Zahl der Blüten nimmt zu
Euro-Fälscher starten Großangriff

Im zweiten Jahr seit der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung Euro sieht sich die Polizei in den Ländern der Eurozone massiv dem Angriff professioneller Geldfälscher aus aller Welt ausgesetzt.

HB/dpa DEN HAAG. Die Zahl der Blüten nimmt zu, und die Fälschungen sind inzwischen "von relativ hochwertiger Qualität", sagt Jürgen Storbeck, Chef der Strafverfolgungsbehörde Europol in Den Haag. Die Euro-Scheine und-Münzen seien zwar mit den Erfahrungen vieler Währungshüter exzellent geschützt, aber die weltweite Bedeutung der Währung lasse einen perfekten Schutz kaum zu.

"Man kann alles noch verbessern", meint Storbeck zu Plänen, neben den verschiedenen Schutzmerkmalen die Währung auch noch durch einen Chip abzusichern. Doch für den Mann auf der Straße und kleinere Unternehmen erhöhe sich der Schutz wenig - teure Kontrollapparate an Ladenkassen sind nicht für alle erschwinglich und auf vielen Märkten im In- und Ausland nicht vorstellbar.

Inzwischen hat sich der Euro neben dem Dollar in vielen Ländern einen Platz erobert, den die früheren Einzelwährungen, auch die D-Mark, nicht hatten. "In dieser Zeit ist die Polizei gefordert, schnell Fälschergruppen zu identifizieren und die Produktionsstätten des Falschgelds auszuheben", sagt der oberste Falschgeldjäger der Eurozone.

Dabei funktioniere die Zusammenarbeit zwischen den nationalen Polizeibehörden und der Europol-Zentrale in Den Haag sehr gut, betont er. Seine Beamten tauschen Informationen und Erkenntnisse aus, initiieren Aktionen auf nationaler Ebene und sind im Euroland inzwischen häufiger unterwegs, um vor Ort in gemeinschaftlichen Teams die Jagd auf Fälschergruppen zu organisieren und zu koordinieren. Festnehmen und Durchsuchen sind nicht ihre Aufgaben, denn Europol- Experten sollen keine Beamten nach FBI-Muster in der EU sein und werden. "Aber ich gehe davon aus, dass wir noch wesentlich stärker involviert werden müssen", meint er.

Vor allem außerhalb der Eurozone ist nach Europol-Meinung der Einsatz in der derzeitigen Form auf Dauer nicht ausreichend. Wenn jenseits der EU-Grenzen, etwa in Südamerika oder in Asien und auch in einigen europäischen Ländern in großem Maße Fälschungen auf die Märkte geschüttet werden, sieht Storbeck eine andere Notwendigkeit: "Unsere künftige Rolle sehe ich wie die des US Secret Service", skizziert er. Diese Behörde ist kein Geheimdienst, sondern speziell für den Schutz des US-Dollars und des US-Präsidenten zuständig.

Nach dem Muster dieser Ermittlungsbehörde für die US-Regierung solle die Euro-Parallele etwa für die EU-Kommission feststellen, wo Euro oder Dollar hergestellt und verteilt werden. "Da brauchen wir eine stärkere Rolle, wir werden unsere Ermittlungsaktivitäten ausdehnen müssen, personell und möglicherweise auch rechtlich", erläutert er. An exekutive Befugnisse wie Verhaftungen denkt Storbeck dabei nicht, fügt er sofort hinzu. Es müsse jedoch mehr möglich sein als nur Informationen empfangen und Informationen geben. "Da muss von uns mehr verlangt werden". Eine schnelle Verwirklichung seiner Ideen erwartet der Europol-Chef jedoch nicht. "Bis es soweit kommt - das dauert seine Zeit."

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