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Zahl der Flut-Toten in Asien steigt auf 24 000

Die gewaltige Flutkatastrophe in Südasien hat die Küstenzonen mehrerer Staaten in einem beispiellosen Ausmaß verwüstet und fast 24 000 Menschen getötet. Experten der Vereinten Nationen befürchteten am Montag, dass die Zahl der Opfer noch erheblich steigen wird.

dpa NEU DELHI. Die gewaltige Flutkatastrophe in Südasien hat die Küstenzonen mehrerer Staaten in einem beispiellosen Ausmaß verwüstet und fast 24 000 Menschen getötet. Experten der Vereinten Nationen befürchteten am Montag, dass die Zahl der Opfer noch erheblich steigen wird.

Inzwischen begannen groß angelegte, internationale Hilfsaktionen. In den von den Wassermassen zerstörten Gebieten drohen vielerorts Seuchen. Während die Aufräumarbeiten in vollem Gang waren, standen hunderttausende Menschen in Asien vor den Trümmern ihrer Existenz. Unter den Toten waren auch viele hundert Touristen. In Sri Lanka kamen mindestens vier Deutsche ums Leben. Meteorologen warnten vor Nachbeben und weiteren gefährlichen Flutwellen.

"Wir müssen davon ausgehen, dass viele der tausenden Vermissten tot sind", sagte der UN-Untergeneralsekretär für humanitäre Hilfe, Jan Egeland, am Montag bei einer Pressekonferenz in New York. Zudem seien von den Folgeschäden des Seebebens im Indischen Ozean Mill. von Menschen betroffen. Das ganze Ausmaß des Leids und der Zerstörungen sei noch gar nicht absehbar, sagte Egeland. Mill. sind ohne Obdach.

Am schlimmsten betroffen sind arme Fischerdörfer an den Küsten Südindiens und Sri Lankas. Mindestens ein Drittel der Toten sind Kinder. Die Vereinten Nationen sprachen von einer "Katastrophe ohne Beispiel". "Dies ist eine große menschliche Katastrophe", sagte auch Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) am Montag in Berlin.

Das Seebeben der Stärke 9,0 vor Sumatra hatte am Sonntag die Flutwellen ausgelöst. Die Wassermassen rissen in Sri Lanka 11 000 Menschen in den Tod. Nach Angaben des indischen Fernsehens stieg die Zahl der Toten in Indien auf 6 900. Allein auf den Inseln Andaman und Nicobar in der Bucht von Bengalen wurden 3 000 Todesopfer beklagt. Zu vielen Menschen fehlte jeder Kontakt. Mindestens 4 700 Opfer wurden aus Indonesien gemeldet. In Thailand starben mehr als 800 Menschen, mindestens 51 in Malaysia und 46 auf den Malediven. Aus dem ebenfalls betroffenen Birma (Myanmar) lagen keine Angaben vor. Tote und Verletzte gab es auch auf den Seychellen und in Ostafrika. In Somalia wurden mehr als 100 Fischer vermisst. Ganze Küstenzonen sollen verwüstet sein.

Auf Sri Lanka waren nach unbestätigten Berichten 600 Urlauber unter den Toten. Deutsche Reiseveranstalter meldeten den Tod von vier Deutschen auf der Insel. Das Auswärtige Amt in Berlin, das einen Krisenstab eingerichtet hat (Hotline: 030 5 000 1 000), machte noch keine offiziellen Angaben über Tote und Verletzte aus Deutschland. Mindestens 6 400 deutsche Urlauber hielten sich in der Region auf.

Außer den Deutschen starben in den Krisenregionen Dutzende anderer Europäer, darunter Briten, Franzosen und Italiener. Auch acht US- Bürger kamen ums Leben, hunderte wurden noch vermisst.

Aus der schwer betroffenen indonesischen Provinz Aceh berichteten Reporter von Dutzenden von Leichen entlang der Straßen. Rettungskräfte in Aceh bargen Opfer unter Trümmern. Augenzeugen sahen Leichen auf Bäumen und zwischen Felsen hängen. Strom- und Kommunikationsverbindungen waren weiter unterbrochen. Auch auf den Stränden im Südosten Indiens türmten sich Leichen und Tierkadaver. Anwohner bereiteten Massenbestattungen vor. "Wir haben Leichen aus dem Sand gezogen, die Zerstörung ist unvorstellbar", sagte Pater Arputham der dpa, der im Auftrag der Malteser in Indien Soforthilfe leistet.

Während die internationale Hilfsaktion für Obdachlose und Verletzte anlief, warnten die UN vor einem Ausbruch von Seuchen in den Katastrophengebieten. "Eine solches Ausmaß hat es zuvor noch nie gegeben", sagte eine Sprecherin in Genf. Hunderte von Helfern sowie dringend benötigte Geräte und Medikamente wurden am Montag mit Flugzeugen aus aller Welt auf den Weg gebracht. Die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Föderation (Ifrc) bat um Spenden zunächst in Höhe von umgerechnet fast fünf Mill. Euro. Die Bundesregierung sagte eine Million Euro zu, die Europäische Union versprach drei Mill. Euro Soforthilfe, aus den USA kommen elf Mill. Euro.

Die großen Reiseveranstalter Tui, Thomas Cook und Rewe Pauschaltouristik waren am Montag bemüht, die Touristen aus den betroffenen Regionen so schnell wie möglich wieder nach Hause zu bringen. Mehrere Maschinen mit Urlaubern aus dem Krisengebiet landeten in Deutschland. Nachts wurden weitere Flüge erwartet.

Das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Hilfe (Ocha) in Genf teilte mit, dass Nothelfer-Teams zu weiten Gebieten noch gar keinen Zugang hätten. Die Trinkwasser-Ressourcen von mehreren Millionen Menschen seien zerstört worden. Es müsse daher mit einem enormen Anstieg von lebensgefährlichen Magen- und Darmerkrankungen gerechnet werden.

Das Pacific Tsunami Warning Center in der Nähe von Honolulu auf Hawaii hatte zahlreiche Staaten 15 Minuten nach dem Seebeben vor Sumatra über die Gefahr informiert. Allerdings gab es vielerorts Zeitverzögerungen, wie auch indische Medien berichteten. Grund für die Probleme sei das Fehlen eines offiziellen Alarmsystems in der Region, hieß es. Die indische Regierung kündigte an, ein Tsunami-Warnsystem zu errichten.

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