Zahl der Fonds bleibt insgesamt stabil
Angelsächsische Fondsanbieter drängen nach Deutschland

Immer mehr in Deutschland aufgelegte Fonds werden geschlossen - doch die Gesamtzahl der Produkte bleibt stabil. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Fondsresearchunternehmens Feri Trust.

FRANKFURT/M. Demnach haben die in Deutschland aktiven Fondsgesellschaften seit Beginn dieses Jahres bis Mitte November 330 Fonds liquidiert. "Der Schließungstrend hat sich beschleunigt", sagt Achim Backhaus von Feri Trust. Insgesamt sind aber nach wie vor rund 5 200 Fonds im Angebot - in etwa genauso viele wie zu Jahresbeginn.

"Im Gegenzug zu den Schließungen lassen angelsächsische Anbieter mehr und mehr Produkte zum Vertrieb registrieren", sagt Backhaus. Als Beispiele nennt er die Gesellschaften M & G, Standard Asset Management, Jupiter Funds, T. Rowe Price und die Anglo- Irish Bank. Auch Fondsanbieter aus anderen Ländern sehen den deutschen Markt als attraktiv an, wie beispielsweise Axa Rosenberg, Skandia oder Veritas, die Fondsgesellschaft der französischen Bank Société Générale. Sie vertreibt in Deutschland seit November auch die Sogelux-Fonds ihrer Muttergesellschaft SG Asset Management und kommt damit auf 47 Produkte.

Die meisten der Fonds kommen aber definitiv über Großbritannien auf den deutschen Markt", sagt Rüdiger Sälzle, Vorstand des Münchener Researchunternehmens Fondsconsult. Dabei handle es sich nicht um neue Produkte. Meist hätten die Fonds bereits eine Geschichte in anderen Ländern hinter sich, und die Gesellschaften weiteten ihr Vertriebsnetz auf den deutschen Markt aus. "Deutschland ist für uns der momentan attraktivste Markt in Europa", sagt Rainer Fritzsche, Managing Director in der deutschen Niederlassung des britischen Fondsanbieters M & G. Dies liege zunächst an der demographischen Entwicklung. "Die Altersvorsorge auf Kapitalmarktbasis gewinnt an Bedeutung, dieser Prozess wird weitergehen."

Hinzu komme, dass der deutsche Markt in Bezug auf seine Vertriebsstrukturen sehr vielfältig und fortschrittlich sei. "In den vergangenen Jahren sind viele neue Kanäle dazu gekommen. Da fällt es leichter, hierzulande Fuß zu fassen", sagt Fritzsche. Mit seinem Multikanal-Vertriebsansatz habe es M & G unter anderem auf Dachfonds, institutionelle Investoren und Finanzberater abgesehen. "Sehr positiv ist für uns auch, dass die Banken sich im Rahmen der so genannten ,Offenen Architektur? immer stärker für Fremdprodukte öffnen", sagt er. M & G hat im Februar dieses Jahres 15 Fonds zum Vertrieb in Deutschland registrieren lassen, im Januar 2003 sollen vier weitere Rentenfonds und ein Aktienfonds hinzu kommen.

Und so rechnet Sälzle damit, dass die Zahl der in Deutschland vertriebenen Fonds auch in Zukunft stabil bleibt. "Die ausländischen Gesellschaften gleichen die Rückgänge weiter aus", sagt er. Allerdings steige die Anzahl der liquidierten Produkte wohl weiter an. Beispielsweise gebe es noch viele Themenfonds, die in den späten 90-er Jahren aufgelegt wurden. Mit diesen hätten die Gesellschaften versucht, auf Trends an den Aktienmärkten aufzuspringen. Doch nun kämpften sie mit einer schlechten Wertentwicklung und deutlich gesunkenen Volumina. Experten gehen davon aus, dass ein Fonds zumindest ein Volumen von 15 Mill. Euro braucht, damit er profitabel betrieben werden kann.

Dass der Trend bei den Neuauflagen nach unten weist, während die Zahl bei den Schließungen nach oben geht, zeigen auch die Zahlen des Fondsverbands BVI. Der BVI hat bis Ende September 115 Fondsschließungen gezählt, das ist mehr als das Doppelte des Vorjahres. "Die Gesellschaften durchleuchten momentan jedes Produkt und schauen, ob es sich rechnet", sagt Sälzle. Mit den neuen ausländischen Fonds verschärft sich nun der Wettbewerb um die Kundengelder weiter.

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