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Zahl der gesperrten Landwirtschaftsbetriebe steigt

Nach Lieferungen von mutmaßlich hormonbelastetem Tierfutter ist die Zahl der in Deutschland gesperrten Landwirtschaftsbetriebe am Dienstag auf über 330 angestiegen.

rtr BERLIN. Die nordrhein-westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) sagte, das Ausmaß des Skandals sei noch nicht absehbar. Im den Niederlanden sind derzeit 7000 Betriebe gesperrt.

Nach Angaben der Europäischen Union wurden elf der 15 EU-Mitgliedsländer mit verdächtigem Futter beliefert. Bundesagrarministerin Renate Künast (Grüne) drängte erneut auf eine EU-weite Positivliste für Futtermittel. Der Deutsche Bauernverband (DBV) und der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVL) forderten wie Künast schärfere Kontrollen.

Die nordrhein-westfälischen Behörden teilten am Dienstag mit, derzeit seien 177 Betriebe gesperrt, darunter 163 Bauernhöfe. In Niedersachsen wurden 160, im Saarland ein Betrieb gesperrt. Die betroffenen Bauern dürfen nun keine Tiere mehr verkaufen, bis die Futterproben ausgewertet sind und eine Hormonbelastung ausgeschlossen werden kann. Niederländische Bauern hatten am Montag angekündigt, gegen die irische Tochtergesellschaft des US-Pharmakonzerns Wyeth und gegen die irische Cara Environmental Technology Ltd zu klagen. Nach Angaben der irischen Umweltbehörde wurde der Hormon-Abfall von Wyeth Pharamceuticals hergestellt und von Cara Environmentals nach Belgien gesandt. Auch Nordrhein-Westfalen prüft derzeit, ob eine Sammelklage der Landwirte Erfolg haben könnte.

Auslöser der Affäre ist das inzwischen Pleite gegangene Unternehmen Bioland aus Belgien, das nicht mit dem deutschen Ökoverband gleichen Namens in Verbindung steht. Die belgische Bioland wird von den Behörden verdächtigt, das Geschlechtshormon in Futtermelasse und Sirup gemischt und dann in diverse EU-Länder exportiert zu haben. Der Hormonabfall wurde aus Irland zur Entsorgung an Bioland geliefert. Bioland war sowohl in der Futtermittel- als auch in der Entsorgungswirtschaft tätig. Die deutschen Behörden hatten am Montag mitgeteilt, bis Juli seien rund 8500 Tonnen verdächtiges Futter in 1300 Chargen in zahlreiche Bundesländer geliefert worden. Am stärksten betroffen sind Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Künast forderte am Dienstag erneut eine EU-weite Positivliste für Futtermittel, in der festgeschrieben wird, welche Stoffe in Futter verarbeitet werden dürfen. Bislang müssen nur die Stoffe negativ ausgegrenzt werden, die nicht im Futter verarbeitet werden dürfen. Der BVL und der Naturschutzbund Deutschland schlossen sich der Forderung an. Künast fordert zudem, die bislang abgestufte Zulassung von Futterbetrieben in der EU zu verschärfen.

Die Sitzung des EU-Lebensmittelausschusses in Brüssel brachte indes keine neuen Ergebnisse. Die Mitgliedstaaten hätten bekräftigt, betroffenes Futtermittel zurückzurufen und zu vernichten, teilte die EU-Kommission mit. Vertreter Deutschlands, der Niederlande, Belgiens, Luxemburgs und Irlands hätten über die Situation in ihren Ländern berichtet.

DBV-Präsident Gerd Sonnleitner erklärte, der Bauernverband unterstütze ein allgemeines Verbot von Hormonen und Antibiotika in der Tiermast. Dies müsse aber auch für Importe gelten. Wenn die Futtermittelindustrie in den eigenen Reihen nicht durchgreife, sei das traditionell gute Verhältnis der Bauern zu der Branche gefährdet.

Auch in den Niederlanden weitete sich der Hormon-Skandal aus. Nach Angaben dortiger Behörden wurden 7000 Schweinemastbetriebe mit dem verdächtigen Futter beliefert und sind nun gesperrt. Das sind die Hälfte aller Schweinefarmen des Landes. Rund zehn Mill. Schweine sind betroffen. Die Niederlande sind der weltweit drittgrößte Schweinexporteur. Der niederländische Bauernverband will in den nächsten Tagen eine Schadensersatzklage gegen die beiden beteiligten irischen Unternehmen einreichen. Die belgische Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen die Verantwortlichen von Bioland. Das Geschlechtshormon MPA ist nach Angaben der EU-Kommission in geringer Konzentration und bei kurzfristiger Einnahme ungefährlich, steht aber bei Einnahme höherer Dosen oder über einen längeren Zeitraum in Verdacht, unfruchtbar zu machen.

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