Zahl der Gewinnwarnungen verdoppelt sich
Technologie-Sektor bereitet Analysten am meisten Sorgen

Die Börse hat es wieder einmal vorweggenommen: Vor rund einem Jahr fand der Höhenflug der Kurse an der elektronischen Börse Nasdaq sein Ende. Seither ging es deutlich abwärts mit den Kursen der Technologiewerte, von denen viele an der Nasdaq gehandelt werden. Ein halbes Jahr später brachen dann auch die Gewinne der Technologiewerte ein - eine Gewinnwarnung jagte die nächste. Und Analysten kamen kaum damit nach, ihre hoch gesteckten Prognosen zu reduzieren.

nks NEW YORK. "Der Technologiesektor war der Hauptschuldige für das insgesamt schwache Schlussquartal der US-Unternehmen", sagt Chuck Hill, Research-Chef beim Finanzinformationsdienst First Call/Thomson Financial. Das Gewinnwachstum der Technologietitel sei von 42 % im dritten Quartal auf nur noch 3 % im Schlussquartal gefallen. Und die Erwartungen der Analysten für Technologiefirmen sind auch für die Zukunft nicht besser.



Für das erste Quartal diesen Jahres rechnet die Wall Street nach Berechnungen von First Call mit einem Gewinnrückgang um insgesamt 26 % - gefolgt von einem Rückgang um 23 % im zweiten und von 10 % im dritten Vierteljahr. Danach dürfte eine Erholung folgen, die den Gewinnrückgang für das Gesamtjahr auf 10 % begrenzten könnte. Für das kommende Jahr rechnen Experten dann wieder mit einem Gewinnanstieg um rund 32 % - aber das kann sich natürlich auch noch verschlechtern. So haben in der vergangenenen Woche erst wieder der Chiphersteller Intel und der Netzwerkausrüster Cisco Systems vor schwächeren Aussichten gewarnt.



Die beiden großen Unternehmen sind kein Einzelfall. Die Zahl der Gewinnwarnungen im Technologiesektor hat sich im Vergleich zum vergangenen Quartal mehr als verdoppelt. "Der Technologiesektor macht mir am meisten Sorgen", gesteht Hill ein. Die Geschwindigkeit der Vorwarnungen habe sich zu einem "vollen Galopp" ausgewachsen - und das in einer Phase, in der die Zahl der Gewinnwarnungen eigentlich zurückgehen sollte. Dieses Tempo und die Breite des Absturzes deute darauf hin, dass der Technologiesektor mit mehr Problemen zu kämpfen habe, als lediglich mit der Abschwächung der Konjunktur in den Vereinigten Staaten, schätzt Chuck Hill.



Hohe Bedeutung für die gesamte Konjunktur



Als mögliche hausgemachte Probleme sieht der Analyst die Sättigung des Marktes für Personal Computer, zu hohe Ausgaben für Telekommunikationsausrüstung und den Wechsel zu einer neuen Software-Generation.



Einig sind sich die Experten über die hohe Bedeutung des Sektors für die gesamte Konjunktur. Denn nicht zuletzt die Technologiewerte waren die Triebfeder des Aufschwungs. Deshalb könnte eine anhaltende Schwäche dieses Sektors die US-Konjunktur weiter belasten. Hill: "Es ist eine echte Gefahr, dass der Abschwung im Technologiesektor andere konjunktursensible Branchen zusätzlich belastet."



Die Anlagestrategen von der Investmentbank Lehman Brothers haben Technologiewerten in ihrer Anlageaufteilung trotzdem ein größeres Gewicht gegeben. "Genau wie die Börse die schwachen Gewinne der Technologieaktien vorweggenommen hat, wird sie auch deren Erholung Ende des Jahres vorwegnehmen", meint Lehman-Anlagestratege Charles Reinhard.

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