Zahl der Infektionen nach oben korrigiert: China sieht „Katastrophe“ durch SARS

Zahl der Infektionen nach oben korrigiert
China sieht „Katastrophe“ durch SARS

Die Zahl der SARS-Fälle steigt in China und Kanada weiter stark an. Innerhalb eines Tages kletterte die Anzahl der Erkrankten in China um 157 auf 2158. Die Todesfälle nahmen um fünf auf 97 zu, wie das Gesundheitsministerium am Dienstag in Peking berichtete. Insbesondere für Peking gehen Experten von einer weiteren Ausbreitung der gefährlichen Lungenkrankheit aus.

HB/dpa PEKING/GENF. In Kanada sind mehrere tausend Bürger unter Quarantäne gestellt. Mit 316 bekannten SARS-Fällen und 14 Todesopfern ist Kanada das am härtesten betroffene Land außerhalb Asiens.

US-Popdiva Mariah Carey verschob aus Angst vor dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom (SARS) ein für Juni geplantes Konzert in Singapur. Zuvor hatte sie Auftritte in China und Hongkong abgesagt. Der Schwimm-Weltverband FINA hat zwei in China geplante Langstrecken- Weltcups gestrichen. Die WHO registrierte bis Dienstagabend weltweit 3947 SARS-Fälle mit 229 Todesopfern. 1935 Patienten wurden den WHO - Daten zufolge inzwischen als geheilt oder wegen einer irrtümlichen SARS-Diagnose entlassen.

Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Liu Jianchao, sagte, die Krankheit sei eine "Katastrophe". Er räumte Fehler im Umgang mit SARS ein. Wie ernst die Lage eingeschätzt wird, zeigte ein Bericht der Pekinger Abendzeitung "Beijing Wanbao", dass die Hauptstadt 1000 Krankenhausbetten für SARS-Patienten vorbereite. Neue Gebäude und auch Einrichtungen außerhalb der Stadt würden in Betracht gezogen. Fast 1000 Beatmungsmaschinen, 30 neue Krankenwagen und eine halbe Million Schutzanzüge seien bestellt worden, berichtete das Blatt.

Die WHO schickte angesichts der Ausbreitung der Lungenkrankheit ein weiteres Team nach China. Die sechs Experten wollten in Schanghai Kliniken besuchen und auch in ländliche Gebiete gelangen. Der WHO - Vertreter in Peking, Henk Bekedam, sagte: "Wir fürchten, dass sich SARS langfristig vor allem in den ärmeren Provinzen ausbreitet, weil dort das Gesundheitssystem zusammengebrochen ist."

China hatte am Sonntag ein deutlich größeres Ausmaß der Krankheit eingeräumt. In der 14 Mill. Menschen zählenden Hauptstadt, wo Hunderte von Fälle bis Sonntag verheimlicht worden waren, wurde am Dienstag ein neuer Anstieg um 106 Patienten auf 488 gemeldet. Die Zahl der Todesopfer nahm um drei auf 28 zu.

Das belgische Gesundheitsministerium riet wegen SARS von Reisen nach ganz China ab. Auch die kanadische Stadt Toronto wurde in die Liste aufgenommen. Die Warnung gilt für vermeidbare Reisen und erstreckt sich auch auf Hongkong, Singapur und die vietnamesische Hauptstadt Hanoi. In Belgien ist bisher noch kein SARS-Fall bekannt.

In Kanada taucht das Virus trotz Quarantäne und striktester Maßnahmen täglich an neuen Orten auf. So brachte eine mit dem Coronavirus infizierte Krankenschwester nach einem Bericht der Zeitung "Globe and Mail" Fahrgäste eines Nahverkehrszuges in Toronto in Gefahr, mit denen sie zusammen in einem Abteil gesessen hatte. Als die Stadt in Aufrufen nach diesen Fahrgästen zu suchen begann, ging die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel schlagartig zurück.

Erst am Dienstag wurden in Kanada 29 neue Infektionen in einer Gruppe von 500 Mitgliedern einer philippinischen Glaubensgruppe bekannt. Außerdem erkrankte der Bewohner eines 19-stöckigen Mietshauses an SARS, in dem drei Mitglieder dieser Gruppe wohnen. Experten vermuten, dass sich der Bewohner, der mit den Philippinos keinen direkten Kontakt hatte, über ein Treppengeländer oder einen Fahrstuhlknopf angesteckt haben könnte.

Die Krankheit hat auch schwere wirtschaftliche Konsequenzen für die jährliche Kantoner Messe in der Hauptstadt der Provinz Guangdong. Nachdem im Vorjahr 120 000 Besucher und Abschlüsse über 16,8 Mrd. $ (derzeit 15,5 Mrd. ?) gezählt worden waren, wurden nach Angaben der "South China Morning Post" in der ersten Hälfte der größten Messe Chinas nur 16 000 Besucher und Abschlüsse über 2,2 Mrd. $ berichtet.

Singapurs Armee verzichtet wegen der Lungenkrankheit vorübergehend auf Manöver im Ausland. Damit solle Befürchtungen befreundeter Regierungen begegnet werden, dass durch eine Übung der Singapurer Streitkräfte SARS-Erreger in ihr Land eingeschleppt werden könnten, sagte Verteidigungsminister Tony Tan. In dem tropischen Stadtstaat wurden bislang 184 Erkrankungen und 14 SARS-Tote gemeldet.

Japans größte Fluggesellschaft Japan Airlines wird im Mai die Zahl der Flüge zwischen Tokio und Hongkong abermals um die Hälfte auf sieben pro Woche reduzieren.

Der SARS-Verdacht bei einem 45-jährigen Patienten im Klinikum Augsburg bestätigte sich unterdessen nicht. Der von einer Reise aus China zurückgekehrte Mann aus dem Ostallgäu war am Ostersamstag mit verdächtigen Symptomen in die Klinik gebracht worden.

Die WHO plant am 17. und 18. Juni eine internationale Expertenkonferenz in Genf. Dort sollen Forschungsergebnisse und Strategien zur Eindämmung der Krankheit diskutiert werden.

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