Zahl der Kunden steigt aber
MLP gibt Gewinnwarnung

Der Finanzdienstleister MLP hat seine bereits drastisch gesenkte Ergebnisprognose für 2002 angesichts des schwachen Börsen- und Konjunkturumfelds in Frage gestellt.

Reuters HEIDELBERG. Allein aus dem operativen Geschäft seien die angestrebten 100 Millionen Euro vor Steuern nur schwer erreichbar, teilte der Versicherungs- und Finanzmakler am Freitag in Heidelberg mit. Nun soll der Erlös aus dem Verkauf der Österreich-Tochter doch zumindest zum Teil in das Ergebnis einfließen. Einschließlich dieses Effekts werde der Konzerngewinn vor Steuern deutlich über 100 Millionen Euro liegen. Im dritten Quartal konnte MLP trotz der anhaltenden öffentlichen Diskussion um die Geschäfts- und Bilanzierungspraktiken seine Gesamterlöse um 14 Prozent ausbauen. Der Gewinn vor Steuern halbierte sich aber auf 7,7 (Vorjahr: 15,3) Millionen Euro.

Beim Gewinn blieb MLP damit am unteren Ende der Erwartungen von Analysten, die in einer Reuters-Umfrage zwischen 6,6 und 20,3 Millionen Euro gelegen hatten. In den ersten neun Monaten ging das Ergebnis vor Steuern auf 60,8 (69,0) Millionen Euro zurück. Die Verunsicherung an den Kapitalmärkten sowie über die Entwicklung bei Steuern und den Sozialversicherungen nach der Bundestagswahl hätten die Voraussetzungen für das gewöhnlich starke Jahresschlussgeschäft eingetrübt, sagte ein Sprecher.

Analyst: Das wird die Aktie unter Druck setzen

"Das ist eine klare Gewinnwarnung", kommentierte ein Analyst einer deutschen Bank das Zahlenwerk, der namentlich nicht genannt werden wollte. "Außerdem war das dritte Quartal unter den Erwartungen. Das wird die Aktie unter Druck setzen."

Die Gesamterlöse wuchsen in den Monaten Juli bis September zum Vorjahr auf 246,5 Millionen Euro von 215,6 Millionen Euro und lagen damit über den Schätzungen der meisten Analysten. "Dies zeigt die enorme Robustheit unseres Geschäftsmodells", urteilte MLP-Vorstandschef Bernhard Termühlen. Auch die Zahl der Kunden und Berater sei trotz der massiven Kritik an MLP gestiegen. Bis zum Jahresende will MLP wie geplant mehr als 500 000 Kunden zählen. Bis September waren es 495.000, rund 9000 mehr als drei Monate zuvor. Vom nächsten Jahr an rechne MLP wieder mit deutlich zweistelligen Wachstumsraten, hieß es. Termühlen hatte zuletzt von 20 Prozent mehr pro Jahr gesprochen.

MLP hatte bereits im August Erwartungen korrigiert

MLP hatte Anfang August seine Erwartungen für das Jahr 2002 drastisch nach unten korrigiert. Statt eines Gewinns von 195 (Vorjahr: 150,7) Millionen Euro vor Steuern rechnete der Konzern seither mit 100 Millionen Euro - allerdings ohne Zusatzerträge. Der Gewinn aus dem Verkauf der 50-Prozent-Beteiligung an der Österreich-Tochter MLP Leben für bis zu 90 Millionen Euro an den Partner Uniqa sollte nach Angaben von Termühlen nur zur Rückführung der umstrittenen Rückversicherungs-Quote verwendet werden und nicht ins Ergebnis einfließen. Nun kommt zumindest eine erste Tranche von 45 Millionen Euro der Gewinn- und Verlustrechnung doch zu Gute.

Der Anteil des rückversicherten Neugeschäfts sei dennoch auf 32 von 45 Prozent abgesenkt worden. Ohne diese Maßnahmen wäre das Ergebnis in den ersten neun Monaten allein zwölf Millionen Euro höher ausgefallen, sagte der Sprecher. 1,6 Millionen Euro hätten Anwälte, Berater und Werbemaßnahmen gekostet, um sich gegen die Vorwürfe von "Börse Online" und von Kleinaktionären zur Wehr zu setzen. Sie hatten MLP über Monate beschuldigt, künftige Gewinne durch Bilanztricks vorzeitig verbucht und so das Ergebnis geschönt zu haben. MLP beendete daraufhin einige der umstrittenen Praktiken.

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