Zahl der Opfer noch immer unbekannt - vermutlich 200 Tote
Mosambik erlebte sein schwerstes Zugunglück

Nach dem schweren Zugunglück in Mosambik ist ein genauer Überblick, wie viele der rund 600 Zuggäste das Unglück unverletzt überlebten, noch nicht möglich. Die Rede ist von 200 Toten. Am Samstag waren sechs Passagierwaggons auf einen Güterzug geprallt.

dpa MAPUTO/JOHANNESBURG. Die Opfer hatten kaum eine Chance: Das Unglück geschah auf dem Weg zur Grenze mit Südafrika. Innerhalb kurzer Zeit schnellte die Opferbilanz auf rund 200 Tote und ebenso viele Verletzte. Verzweifelt versuchten Rettungskräfte am Unglücksort nahe der Hauptstadt Maputo mit Traktoren, Schweißbrennern, Baugerät und bloßen Händen, die unter zerborstenem Metall eingeschlossenen Opfer zu bergen.

Viele wurden entsetzlich verstümmelt, andere erlitten Knochenbrüche und Schnittwunden. Einige der Opfer verbluteten qualvoll am Unglücksort; andere auf der Fahrt zum Hospital oder in einem der hoffnungslos überfüllten Krankenhäuser. "Das Szenario ist dramatisch. Überall liegen Leichen, auch unter den Trümmern. Die Zahl der Toten wird stark steigen", hatte Verkehrsminister Tomas Salomao nach seinem Eintreffen am Unfallort 40 Kilometer außerhalb von Maputo bereits ahnungsvoll im Radio erklärt. Er ging von menschlichem Versagen als Unfallursache aus.

Ersten Erkenntnissen zufolge hatte sich das Unglück am Samstag gegen 5.00 Uhr bei dem Ort Tenga ereignet. Der Passagierzug war durch einen angekoppelten Güterzug zu schwer, um einen steilen Hügel zu überqueren. Deshalb koppelte der Lokführer nach Berichten von Überlebenden den Güterzug ab, um zunächst einmal den Passagierteil über den Hügel zu fahren. Aus bisher noch ungeklärter Ursache rollte der Passagierzug jedoch zurück und prallte mit hoher Geschwindigkeit auf den stehenden Güterzug. Drei Passagerwaggons kippten auf die Seite, die anderen verkeilten sich ineinander.

"Es ist der schlimmste Unfall, der sich jemals auf unserem Boden ereignet hat und wir halten eine Untersuchungskommission für das geeignete Mittel, um herauszufinden, was sich wirklich ereignet hat", erklärte Polizeioffizier Natanien Macamo. Ärzte, Medizinstudenten und Krankenschwestern wurden zum Dienst beordert, die Bevölkerung wurde zum Blutspenden aufgerufen. Blut ist besonders knapp nach einer Malaria-Epidemie, die in der gerade zu Ende gegangenen Regenzeit die Region heimgesucht hat. Der Präsident des südostafrikanischen Landes, Joaquim Chissano, eilte zum Unglücksort und ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Südafrikas Regierung drückte den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus.

Der Gleiskörper der Bahnverbindung zwischen Maputo und Südafrikas Hauptstadt Pretoria gilt als überholungsbedürftig. Im Januar hatten sich Südafrika und Mosambik daher auf eine komplette Renovierung der Verbindung für 10 Millionen Dollar (10,89 Millionen Euro) geeinigt. Über die Trasse soll in 15 Jahren mehr als das Doppelte der heute jährlich 2,9 Millionen Tonnen Güter von Johannesburg in Maputos Hafen transportiert werden. Auch der legendäre "Blue Train" - ein nostalgischer Luxuszug - soll sie demnächst nutzen.

Mosambik gilt zehn Jahre nach dem Ende eines mörderischen Bürgerkriegs zwar als aufstrebendes Land im Südlichen Afrika, zählt aber trotz erster wirtschaftlicher Erfolge weiter zu den ärmsten Staaten der Welt. Nach zwei verheerenden Fluten ist Mosambik zur Zeit wie die gesamte Region von einer Dürre geplagt, die bereits zu akuten Nahrungsmittel-Engpässen führte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%