Zahl der Pleiten nimmt laut Meinung von Experten weiter zu
Terroranschläge verschlechtern Zahlungsmoral in Deutschland

Die Zahlungsmoral wird sich verschlechtern, die Pleitewelle weiter ansteigen. Das fürchten Wirtschaftsauskunfteien nach den Terroranschlägen in Amerika, wie eine Umfrage des Handelsblatts ergab. Zwei Wochen nach den Anschlägen lasse sich zwar noch kein direktes "Ausschlagen" der Insolvenzkurve für deutsche Unternehmen nach oben feststellen.

lü DÜSSELDORF. Doch dürften Branchen, die bereits jetzt besonders insolvenzanfällig sind, mittelfristig die Folgen zu spüren bekommen, erklärte Creditreform-Chef Helmut Rödl. Hierbei handele es sich vor allem um die dem Tourismus verbundenen Dienstleister wie Reisebüros, Reiseveranstalter oder Transportdienstleister. Laut Creditreform ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland im ersten Halbjahr 2001 um 10,7 % auf 14 500 Fälle gestiegen.

Nach Auffassung von Dun & Bradstreet werden die Terroranschläge nur bedingt Auswirkungen auf die Zahl der Insolvenzen und das Zahlungsverhalten von US-Unternehmen haben. Den Ereignissen komme aber vor dem Hintergrund der nach wie vor trüben Wirtschaftslage in den USA, so Geschäftsführer David Cooke, psychologisches Gewicht zu. Von den direkt betroffenen Firmen hätten etliche kurzfristig ihren Sitz verlagert oder Funktionen der Konzernzentrale auf andere Standorte verschoben. "Sie halten den operativen Betrieb überwiegend aufrecht, Zahlungsverzögerungen - auch im Hinblick auf Geschäfte mit europäischen Gesellschaften - bewegen sich dadurch in absehbarem Rahmen", erklärte Cooke. Einschnitte würden neben der Luftfahrt vor allem die gastronomischen Betriebe in Süd-Manhattan verzeichnen. In Deutschland dürften nach Auffassung der Creditreform vor allem dem Flugsektor verbundene unternehmensnahe Dienstleister die Rückgänge zu spüren bekommen, darunter vor allem Speditionen.

Nach Einschätzung der Hamburger Wirtschaftsauskunftei Bürgel werden insbesondere im Geschäft mit dem Konsumenten "noch mehr deutsche Unternehmen auf ihren Forderungen sitzen bleiben", so Geschäftsführer Tilman Bettendorf, denn die Zahlungsmoral der Verbraucher sei derzeit auf einem Tiefstand. Sie können zunehmend ihre Schulden nicht bezahlen und bekommen deshalb Ärger mit ihren Gläubigern und der Justiz. So stieg laut Bürgel die Zahl der Zwangsmaßnahmen gegen säumige Schuldner im ersten Halbjahr 2001 um fast 20 % auf mehr als 671 000 Fälle. In diesem Zeitraum nahm, wie Creditreform ermittelte, die Summe der Verbraucherinsolvenzen um 33 % auf 6 000 zu.

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