Zahl der Rückrufaktionen steigt stetig: Autokäufer werden zu Testfahrern

Zahl der Rückrufaktionen steigt stetig
Autokäufer werden zu Testfahrern

Eingefrorene Motoren, fehlerhaft verlegte Benzinleitungen, brennbare Dämmstoffe - die Zahl der Rückrufaktionen wegen Mängeln an Autos hat sich in den vergangenen fünf Jahren fast verdoppelt. Beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg wurden im vergangenen Jahr 127 Rückrufe gemeldet - ein neuer Rekord. Aber auch für die ADAC-Pannenhilfe war 2002 ein Rekordjahr: 3,55 Mill. Einsätze meldete der Automobilclub, über 16 000 mehr als im Vorjahr.

HB/dpa MAGDEBURG. Auch das neue Jahr begann für Autofahrer wenig verheißungsvoll. So riefen BMW und Volkswagen innerhalb weniger Tage mehr als eine Million Fahrzeuge in die Werkstätten. Dabei müssen die Hersteller nicht nur den Ärger ihrer Kunden, sondern auch enorme Kosten in Kauf nehmen, den Imageschaden noch gar nicht mitgerechnet.

Für den Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen sind verkürzte Entwicklungszeiten und zunehmender Kostendruck maßgebliche Faktoren. "Das kann dazu führen, dass der Käufer der Testfahrer wird", warnt der Professor. Einige Hersteller wählten zudem Zulieferer vorrangig nach dem Preis aus. Die Qualität sei beim billigsten Anbieter aber nicht immer die beste. "Dabei muss man bedenken, dass inzwischen 75 % des Produktionsvolumens bei den Zulieferern liegt", betont Dudenhöffer.

Probleme bei der Zusammenarbeit von Herstellern und Zulieferern sieht der Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Celerant Consulting (München), Markus Diederich. Seit Jahren verlagerten die Hersteller Entwicklung und Produktion nach außen. "Die Qualität der Zusammenarbeit zwischen den Partnern hält aber nicht Schritt mit dem Umfang der Verlagerung", sagt Diederich. Der hohe Kosten- und Zeitdruck und die wachsende Komplexität der ausgelagerten Prozesse führten dazu, dass klassische Modelle der Qualitätssicherung nicht mehr greifen. Diederich schätzt, dass Rückrufaktionen und Garantieleistungen die Hersteller jährlich bis zu zehn Prozent des Umsatzes kosten.

"Ein Rückruf ist immer unangenehm", räumt Alexander Skibbe, Mitarbeiter bei VW-Kommunikation, ein. Man müsse aber bedenken, dass sich die ständige Überwachung der Fahrzeuge verbessert habe und zudem die Schwelle für eine Rückrufaktion inzwischen viel niedriger liege als noch vor einigen Jahren. "Wenn nur der geringste Zweifel besteht, dass irgendwas für den Kunden zur Gefahr werden kann, rufen wir in die Werkstätten", betont der VW-Mann. Die Qualität sei nicht gesunken. Die eigenen hohen Qualitätsanforderungen würden auch an die Zulieferer gestellt.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) in Frankfurt sieht deshalb keine grundlegenden Qualitätsprobleme. "Die Fahrzeuge sind nicht schlechter geworden", betont Sprecher Eckehart Rotter. Er verweist darauf, dass Wartungsintervalle und Kilometerleistung in den vergangenen Jahren deutlich größer geworden sind. Zugenommen hätten außerdem die Modellvielfalt, die Ausstattungskomponenten und der Einsatz elektronischer Bauteile.

Auch für den Autoexperten Dudenhöffer liegt in der zunehmenden Komplexität der Fahrzeuge ein Problem. "Autos sind heute fahrende Softwareplattformen", sagt er. Mit jedem neuen Teilsystem und mit dem Aufblähen der Modellpalette erhöhe sich das Risiko eines Fehlers. Die Entwickler müssten eine Art Ausfallvorsorge treffen. "Ein Airbus fällt auch nicht vom Himmel, wenn ein Teil ausfällt.

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