Zahl der spezialisierten Anwälte hat sich knapp verzehnfacht
Traumjob Insolvenzverwalter

Des einen Leid ist des anderen Freud - die Unternehmenspleiten bescheren der Zunft der Insolvenzverwalter Zulauf. Die Gerichte können Juristen, Wirtschaftsprüfer und Buchprüfer zum Insolvenzverwalter bestellen. In den meisten Fällen, das zeigt die Praxis, werden allerdings Rechtsanwälte eingesetzt.

mv DÜSSELDORF. Immer mehr Anwälte haben sich in den vergangenen Jahren auf das Gebiet des Insolvenzrechts spezialisiert. Nach Auskunft der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) gab es im Jahr 2000 noch 30 Fachanwälte für Insolvenzrecht, 2001 waren es 141 und im März dieses Jahres zählten die Statistiker der BRAK bereits 268 Insolvenzrechts-Spezialisten, die die Ausbildung zum Fachanwalt absolviert haben - Tendenz weiter steigend. Die Bezeichnung "Fachanwalt für Insolvenzrecht" allein reicht für die Qualifikation zum Insolvenzverwalter jedoch nicht aus - praktische Erfahrungen, zum Beispiel als Gutachter oder Mitarbeiter eines Verwalters, sind erforderlich.

Für Anwälte ist die Tätigkeit als Insolvenzverwalter doppelt lukrativ: Sie können - neben der üblichen Vergütung - auch Gebühren für rechtliche Beratung verlangen. Und Beratungsbedarf gibt es zur Genüge.

Den "vorläufigen Insolvenzverwalter" - bei Holzmann ist es der Frankfurter Rechtsanwalt Ottmar Hermann - setzt das Gericht ein, wenn ein Insolvenzantrag gestellt ist. In fast allen Fällen ist dies ein so genannter "schwacher" Verwalter: Die Entscheidungsträger des Unternehmens haben auch weiterhin das Sagen, der Verwalter muss allerdings zustimmen. Ein "starker" Insolvenzverwalter, der allein verantwortlich Entscheidungen treffen kann, lebt dagegen riskant, sagt die Insolvenzrechtsexpertin Ursula Schlegel von der Frankfurter Anwaltskanzlei Osborne Clarke. Denn wenn er beispielsweise Verträge mit Lieferanten abschließt, begründet er automatisch so genannte Masseverbindlichkeiten, die vorrangig erfüllt werden müssen. Und dafür haftet er im Zweifel auch. Der schwache Verwalter begründet dagegen nur einfache Insolvenzforderungen, die erst später und auch nur nach einer Quote bezahlt werden.

Dennoch: Jeder Insolvenzverwalter, ob stark oder schwach, ist nach der Insolvenzordnung verpflichtet, das Unternehmen zunächst fortzuführen. Anders als die frühere Konkursordnung setzt die seit 1999 geltende Insolvenzordnung auf das Motto "Sanieren oder Liquidieren".

Doch diese Pflicht kann der schwache Insolvenzverwalter im Vorverfahren oft nur schwer erfüllen, sagt Ursula Schlegel. Denn Lieferanten liefern natürlich nur gegen sofortige Bezahlung weiter und sichern so den weiteren Betrieb. Dafür muss, wie im Falle Holzmann, ein so genannter Massekredit bei den Banken aufgenommen werden. Auch die Bezahlung der Arbeitskräfte ist keineswegs gesichert. Der Anspruch auf Insolvenzgeld für maximal drei Monate besteht erst bei Eröffnung des Verfahrens - also rückwirkend. Um die Arbeitskräfte sofort weiterzubezahlen, muss der Insolvenzverwalter ebenfalls Geld bei den Banken beschaffen, die sich den späteren Anspruch auf Insolvenzgeld zur Sicherheit abtreten lassen. Und dies geht nur, wenn das zuständige Arbeitsamt zustimmt. Im Falle Holzmann hat Ottmar Hermann das Landesarbeitsamt Hessen offenbar davon überzeugt, dass ein Großteil der Arbeitsplätze vorerst erhalten bleibt - die Behörde hat Anfang der Woche der Vorfinanzierung des Insolvenzgelds zugestimmt.

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