Zahl der Todesopfer steigt auf 143
Israel startet Großoffensive gegen militante Palästinenser

Die Armee werde selbst die Initiative ergreifen, statt auf palästinensische Angriffe zu reagieren, so der stellvertretende Verteidigungsminister.

ap JERUSALEM. Israel will eine Großoffensive gegen militante Palästinenser starten. Der stellvertretende Verteidigungsminister Ephraim Sneh erklärte am Montag, die Armee werde nicht länger nur auf palästinensische Angriffe reagieren, sondern nun selbst die Initiative ergreifen. Die Zahl der Toten bei den anhaltenden Unruhen stieg am Montag auf 143. In Jerusalem trat unterdessen erstmals nach dreimonatiger Sommerpause das israelische Parlament wieder zusammen. Seit dem Austritt mehrerer Parteien aus der Regierungskoalition steht dort das politische Überleben von Ministerpräsident Ehud Barak auf dem Spiel.

Sneh erklärte im Militärrundfunk, Israel werde seine militärische Strategie gegenüber den militanten Palästinensern ändern und künftig im Guerillakrieg ausgebildete Sonderheiten der Armee einsetzen. Später machte er den syrischen Präsidenten Baschar el Assad direkt für die jüngsten Angriffe der schiitischen Hisbollah-Miliz auf Israel verantwortlich. Falls es zu weiteren Terrorangriffen komme, werde Israel zu schärferen Maßnahmen gegen Syrien greifen, sagte er.

Neue Zwischenfälle

In einem Olivenhain nahe der Ortschaft Jabed im Norden des Westjordanlands wurde am Montag ein 20-jähriger Palästinenser tot aufgefunden. Nach Angaben palästinensischer Ärzte wurde der Mann in der Nacht in einem Gefecht mit israelischen Soldaten durch einen Kopfschuss getötet. Dabei sei auch sein Bruder ums Leben gekommen. In einem Außenbezirk von Jerusalem wurde die Leiche eines erstochenen Israelis entdeckt. Nach Angaben der israelischen Polizei wurde er vermutlich von Palästinensern getötet.

Im arabischen Teil Jerusalems griff ein bewaffneter Mann zwei israelische Wachleute an und verletzte sie schwer. Eines der Opfer starb wenig später im Krankenhaus. Nach Angaben der Polizei schoss der Angreifer den vor einer israelischen Versicherungsgesellschaft postierten Wachleuten aus nächster Nähe in den Kopf. Sollte es einen politischen Hintergrund geben, wäre es das erste Mal seit einem Monat israelisch-palästinensischer Zusammenstöße, dass in Jerusalem ein israelisches Ziel angegriffen wurde.

Jericho in Belagerungszustand

Im Gazastreifen wurde bei einer Bombenexplosion nahe der Grenze zu Ägypten ein israelischer Offizier leicht verletzt, wie die Armee mitteilte. Über Jericho wurde nach der Beschießung einer jüdischen Siedlung nahe der Stadt zum zweiten Mal in diesem Monat ein Belagerungszustand verhängt.

Barak hat keine Mehrheit mehr im Parlament, nachdem mehrere Parteien aus seiner Koalition ausgetreten sind. Seine Bemühungen um die Bildung einer Krisenregierung mit dem rechtsgerichteten Likud-Block führten auch am Montag zunächst nicht zu einem Ergebnis. Ein Besuch von Likud-Chef Ariel Scharon auf dem Tempelberg in Jerusalem hatte Ende September die Unruhen in den palästinensischen Gebieten ausgelöst.

Arafat trifft Mubarak

Der palästinensische Präsident Jassir Arafat sprach unterdessen in Scharm el Scheich mit dem ägyptischen Staatschef Husni Mubarak über die Unruhen und den Stillstand im Friedensprozess, wie die ägyptische Nachrichtenagentur MENA meldete. Arafat bestätigte später, dass der PLO-Zentralrat am 15. November zusammentreten wird. Er machte jedoch keine Angaben darüber, ob das Gremium an diesem Tag einen palästinensischen Staat ausrufen wird.



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