Zahl ist nichts Neues
Arbeitslosenzahl im August bei 4,04 Millionen

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland liegt nach Einschätzung von Volkswirten im August nach wie vor über der Vier-Millionen-Marke.

Reuters BERLIN. Entsprechende Medienberichte seien nichts Neues, sondern unter Arbeitsmarktanalysten weitgehend Konsens, urteilten die Experten übereinstimmend. Die "Welt" hatte unter Berufung auf interne Prognosen der Bundesanstalt für Arbeit (BA) berichtet, die Arbeitslosigkeit sei im August unbereinigt nur leicht auf 4,04 (Vormonat: 4,047) Millionen zurückgegangen. Dies bedeute einen Anstieg um rund 250 000 im Vergleich zum August 2001. Auch die "Bild"-Zeitung berichtete, die Zahl liege weiter über vier Millionen. Der Sprecher des Arbeitsministeriums, Klaus Vater, nannte die Berichte "reine Spekulation". Die Bundesanstalt wird die Zahlen am Donnerstag bekannt geben.

Die Bundesregierung war in den vergangenen Monaten verstärkt unter Druck geraten, nachdem die erhoffte Entspannung am Arbeitsmarkt ausgeblieben war. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte zu Beginn seiner Amtszeit versprochen, die Zahl der Arbeitslosen binnen vier Jahren auf 3,5 Millionen zu senken, dabei aber nicht den weltweiten Konjunkturabschwung kalkuliert.

Volkswirte: Über vier Millionen werden erwartet

"Dass die Zahl über vier Millionen liegen wird, ist unstrittig. Es ist ja keine große Überraschung, dass der Arbeitsmarkt weiter schwach ist", sagte Bernd Weidensteiner, Volkswirt der DZ Bank in Frankfurt. Diesmal seien die Zahlen aber besonders wichtig, weil es der letzte harte Konjunkturindikator vor der Wahl am 22. September sei.

Auch Manuela Preuschl, Volkswirtin bei der Deutschen Bank in Frankfurt, schätzt, dass die Zahl der Arbeitslosen im August mit unbereinigt 4,048 Millionen in etwa auf dem Stand des Vormonats verharren wird. "Der August ist normalerweise ein Monat in dem die unbereinigte Zahl eher sinkt. Ein unveränderter Wert wäre schon ein Hinweis darauf, dass es nicht gut gelaufen ist", fügte sie hinzu.

Um saisonale Einflüsse bereinigt sei ein kräftiger Anstieg um 20 000 Arbeitslose gegenüber Juli zu erwarten. Im Juli war die Zahl der Arbeitslosen etwas schwächer als erwartet um 8000 auf 4,105 Millionen gestiegen.

BMA: Auswirkungen der Flutkatastrophe bedenken

Arbeitsministeriums-Sprecher Vater bezeichnete die in der "Welt" genannten Zahlen als Spekulation. "Die Bundesanstalt für Arbeit hat überhaupt noch keine Zahlen für August." Es gebe noch keine interne Prognose der BA oder des angegliederten Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). "Es wäre auch angemessen gewesen, darauf hinzuweisen, dass ein Teil der Arbeitslosigkeit im August auf die Flutkatastrophe zurückzuführen ist." Zwar seien die Auswirkungen der Flut noch nicht abzuschätzen. Nach Angaben der sächsischen Landesregierung seien in Sachsen jedoch rund 10 000 Betriebe mit 40 000 Arbeitsplätzen unmittelbar von der Katastrophe betroffen.

Weidensteiner sagte dagegen, er erwarte für August noch keine größeren Effekte der Flutschäden für den Arbeitsmarkt. Nach Einschätzung von Preuschl sind die Fluteffekte insgesamt schwierig zu beurteilen. "Im August sind aber wohl noch keine Auswirkungen zu sehen, die Leute haben wohl nicht so schnell entschieden", fügte sie hinzu. "Es kann sogar sein, dass sich die Flut unterm Strich bei der Beschäftigung kurzfristig positiv bemerkbar macht, weil Aufbauarbeit zu leisten ist." Die Arbeitsmarktstatistik könnte in den kommenden Monaten jedoch Schwankungen unterliegen.

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