Zahlen für September
US-Automarkt bricht nicht so stark ein wie erwartet

Die Autohersteller haben offenbar Glück im Unglück. Analysten hatten nach den Anschlägen auf die USA einen deutlich stärkeren Rückgang der Absatzzahlen erwartet. Die Kurse gaben trotzdem nach.

rtr DETROIT. Der Autoabsatz auf dem weltweit wichtigsten Markt in den USA ist im September nicht so stark gefallen wie von Experten nach den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pantagon vorhergesagt. Der Absatz sank im Vergleich zum Vorjahr um 9,1 % auf 1,29 Mill. Fahrzeuge. Analysten hatten einen Rückgang von bis zu 15 % erwartet und gewarnt, damit werde ein durch die steigende Arbeitslosigkeit und nachlassendes Verbrauchervertrauen angefachter Abschwung eingeläutet. Der geringer als erwartete Rückgang wird mit neuen Kaufanreizen der Firmen in Verbindung gebracht. Die Aktien der deutschen Autobauer gaben am Mittwoch in Frankfurt in einem sehr schwachen Börsenumfeld kräftig nach. Ford als weltweit zweitgrößter Autobauer kündigte zudem an, die Gewinnerwartungen für das abgelaufene Quartal zu verfehlen. Darüber hinaus will der Konzern seine Produktion weiter kürzen, falls der US-Markt im vierten Quartal erneut nachgibt.

Unter den deutschen Herstellern konnte allein BMW den Absatz im September steigern. DaimlerChrysler, VW und Porsche mussten indes Rückgänge hinnehmen. Auch die beiden Weltmarktführer, General Motors (GM) und Ford, setzten weniger Fahrzeuge ab. Allerdings waren die Zahlen teils nicht so schwach wie vorhergesagt. GM hatte nach den Anschlägen vom 11. September deutlich mehr Kaufanreize als zuvor gewährt. Ford und Chrysler hatten später nachgezogen. Beim weltweit drittgrößten Autohersteller DaimlerChrysler fiel der Absatz der US-Tochter Chrysler im September im Vergleich zum Vorjahr um 28 % auf 152 165 Fahrzeuge. Die Marke Mercedes wies einen Rückgang von 4,8 % auf 15 486 Wagen aus. General Motors (GM) als größtes Unternehmen der Branche wies einen Rückgang von 2,8 % auf 384 293 und Ford als Nummer Zwei von 9,9 % auf 281 951 Autos aus. Bei VW fiel der Absatz um 15,4 % auf 25 023 und bei Porsche um 12,9 % auf 949 Fahrzeuge. BMW setzte indes mit 15 127 Stück 8,7 % mehr Autos ab.

Nach den September-Zahlen ergibt sich nun für den US-Markt ein erwarteter Absatz für das Gesamtjahr von 15,9 Mill. Fahrzeugen. Dies ist der niedrigste Stand seit Jahresbeginn.

Bei GM hieß es, insgesamt habe sich der Markt nach den Anschlägen besser entwickelt als erwartet. Der US-Absatz des weltweit größten Autoherstellers sank um 2,8 %, während Analysten einen Rückgang von bis zu 18 % vorausgesagt hatten. Die Absatzzahl enthielt auch die Verkäufe von schweren Nutzfahrzeugen und der ausländischen Marken von GM. In der letzten September-Woche hätten die eigenen Absatzzahlen im Vergleich zur Vorjahresperiode jedenfalls wieder um 22 % zugenommen, teilte GM weiter mit. Gleichwohl kündigte der Konzern für das vierte Quartal eine Verringerung der Produktion im Vergleich zu den bisherigen Planungen um etwa 40 000 auf nun 1,27 bis 1,29 Mill. Fahrzeuge an. Chrysler kündigte an, die Fertigung im Oktober um 26 000 Fahrzeuge zu verringern. Die Produktion im Großraumlimousinen-Werk im kanadischen Windsor solle im Oktober für drei Wochen ruhen, und auch in vier weiteren Werken seien Produktionspausen von jeweils einer Woche geplant. Der Absatz-Rückgang bei Ford um knapp zehn Prozent fiel deutlich geringer aus als von Analysten erwartet, deren Prognosen bis zu einem Minus von 20 % reichten. Ford kündigte an, als Folge der schwächeren Absätze nach den Anschlägen seine Ergebnisziele für das Gesamtjahr zu verfehlen. Das Ergebnis je Aktie vor Einmaleffekten werde unter der bisherigen Prognose von 0,70 Dollar liegen, teilte der Konzern mit. Außerdem werde der für das dritte Quartal erwartete Verlust höher ausfallen als von Analysten vorhergesagt.

Ford begründete die Prognosen mit den ertragsbelastenden Kaufanreizprogrammen und dem schwächeren Geschäft der Autovermietungstochter Hertz. Durch die Finanzierungsangebote an Kunden zu sehr geringen oder gar keinen Zinsen zur Ankurbelung des Geschäfts hätten die Marketingaufwendungen im September bei 16 % statt erwarteter 14,5 % des Umsatzes gelegen. Bei der Autovermietung Hertz sei das Geschäft ebenso wie bei anderen Anbietern nach den Anschlägen um 30 bis 35 % zurückgegangen. Ford hatte bereits seinen Produktionsplan für das dritte Quartal um 119 000 Fahrzeuge gekürzt. Volkswagen of America nannte ebenfalls Auswirkungen der Anschläge in den USA als Grund für die gesunkenen Verkäufe. Die VW-Tocher Audi verzeichnete in den USA mit 4926 verkauften Fahrzeugen einen Absatzrückgang um 14,9 %.

BMW legte indes zu. "Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Terroranschläge in den USA sind auf Basis der vorliegenden Erkenntnisse für die BMW Group beherrschbar", teilte der Konzern mit. BMW bekräftigte zudem erneut seine Jahresprognosen.

Bei dem Sportwagenhersteller Porsche hieß es, die ansonsten weltweit gute Nachfrage kompensiere den Rückgang auf dem US-Markt weitgehend. Unter dem Strich liege der Auftragseingang derzeit auf dem Rekordniveau des Vorjahres.

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