Zahlen unter Erwartungen der Analysten
Bayer wechselt die Pharma-Strategie

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer hat seinen Anspruch auf eine Mehrheit bei der angestrebten Partnerschaft im Pharmageschäft aufgegeben. Ein kompletter Verkauf der Pharmasparte sei jedoch nicht geplant, sagte Konzernchef Werner Wenning am Dienstag.

Reuters LEVERKUSEN. "Wir haben nicht die Absicht, Pharma komplett zu verkaufen", sagte Wenning nach der Vorlage der Quartalszahlen in Leverkusen. Eine zunächst angestrebte Partnerschaft, bei der Bayer die Mehrheit halte, sei allerdings nicht mehr realistisch. Der Konzern befinde sich bei der Partnersuche nun in sehr guten und konstruktiven Gesprächen. Bayer bekräftigte nach einem Anstieg des Betriebsgewinns im fortgeführten Geschäft vor Sonderposten im dritten Quartal zugleich, mit Hilfe bereits erzielter Verkaufserlöse im Gesamtjahr 2002 den Konzerngewinn steigern zu wollen. Konjunkturelle Impulse seien in Deutschland allerdings noch nicht zu erkennen.

Neue Wege bei der Partnersuche

Mit der Aufgabe des Mehrheitsanspruchs im Pharmageschäft weicht Wenning deutlich von seinem bisherigen Kurs ab. Bisher hatte er bei der Partnersuche für die in die Krise geratene Pharmasparte stets auf die Mehrheit gepocht. Bis wann ein Partner für Pharma gefunden sein soll, wollte Wenning nicht sagen. "Einen Termin 31.12. oder 15.1. möchte ich hier nicht setzen." Bei den Gesprächen gehe es nicht um das komplette Gesundheitsgeschäft, sondern nur um die Pharmasparte. "Wir diskutieren zur Zeit nicht über eine Gesamt-HealthCare-Lösung, sondern über eine Pharma-Lösung." Zu einem Verkauf der Pharmasparte sei Bayer allerdings nicht bereit. "Eine Cash-Komponente ist nicht das Thema", unterstrich Wenning.

Analysten bewerteten den von ihnen seit langem geforderten Strategie-Wechsel positiv. "Bayer hat endlich erkannt, dass sie nur dann attraktive Partner finden, wenn sie die Mehrheitsposition aufgeben", sagte ein Chemieanalyst. Alexander Groschke, Experte von der Landesbank Rheinland-Pfalz, kritisierte den Schritt aber als zu spät: "Durch das lange Zögern haben sie sich in eine ungünstige Lage gebracht." Der Rückruf des Cholesterinsenkers Lipobay 2001 hatte die Krise im Pharmageschäft mit ausgelöst und hohe Verluste verursacht. In Zusammenhang mit Lipobay seien gegen Bayer mittlerweile 5700 Klagen eingereicht worden, hieß es.

Die Bayer-Aktie legte bis zum Nachmittag um fast acht Prozent auf 21,15 Euro zu und war damit der größte Dax-Gewinner. Die Wahrscheinlichkeit sei nun gestiegen, dass Bayer in absehbarer Zeit eine Partnerschaft verkünden kann, begründete ein Analyst den Kursgewinn. Als mögliche Partner wurden in Industriekreisen GlaxoSmithKline, die Schweizer Roche und der US-Konzern Bristol-Myers Squibb Co genannt.

Keine konjunkturellen Impulse

Das konjunkturelle Umfeld bewertete Bayer weiterhin negativ. "Die Hoffnungen auf einen Konjunkturimpuls haben sich nicht erfüllt", sagte Wenning. Dennoch erwarte Bayer im nächsten Jahr aber Verbesserungen im operativen Geschäft. Im vierten Quartal werde das operative Ergebnis des fortlaufenden Geschäfts vor Sonderposten nach Aussage von Finanzvorstand Klaus Kühn jedoch nicht über dem Wert des dritten Quartals von 54 Millionen Euro liegen. In den ersten neun Monaten war die Kennziffer um über 40 Prozent auf 862 Millionen Euro zurückgegangen. Demnach kann das operative Ergebnis des fortlaufenden Geschäfts vor Sonderposten in diesem Jahr maximal bei 916 Millionen Euro liegen. Im Vorjahr war es bereits auf 1,855 (2000: 3,209) Milliarden Euro gesunken.

Im dritten Quartal lag Bayer mit seinen Ergebnis- und Umsatzzahlen unter den Vorhersagen von Analysten. Der Umsatz im fortlaufenden Geschäft stieg um acht Prozent auf 7,249 Milliarden Euro. Von Reuters befragte Analysten hatten im Mittel einen operativen Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft vor Sonderposten von 97 Millionen Euro erwartet bei einem Umsatz von 7,522 Milliarden Euro. Der Konzerngewinn kletterte auf Grund des Verkaufs von Haarmann&Reimer auf 656 (minus 183) Millionen Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%