Zahlensalat
Familienpolitik hilft nicht

Ob die Statistik über Geburten in Deutschland nun auf den Punkt genau stimmt oder nicht: Die Abweichungen sind minimal, und das Ergebnis ist in jedem Fall eindeutig.
  • 0

Als Eurostat eine Statistik zur Bevölkerungsentwicklung in den 27 EU-Staaten vorlegte, war bei Familienministerin Ursula von der Leyen die Aufregung groß. Als Zahlen für Deutschland im Jahr 2008 wurden genannt: 675 200 Geburten, 843 600 Todesfälle sowie eine Nettozuwanderung von 560. Die Bevölkerung sei hierzulande um 167 840 Menschen zurückgegangen.

Von der Leyen erklärte dagegen, dass im letzten Jahr "ziemlich sicher" 682 524 Kinder geboren wurden. Bezogen auf eine Gesamtbevölkerung von über 82 Millionen Deutschen entspricht die Geburtenrate laut Eurostat 8,2 Promille, laut Ministerin aber 8,3 Promille. Der Streit dreht sich also um einen Zehntel-Promillepunkt.

Tatsächlich sind die Daten aus Deutschland wie die aus den meisten anderen Ländern nicht endgültig, und daher lässt sich derzeit nicht klären, wer recht hat. Allerdings ist das auch irrelevant: Egal, ob die Geburtenrate bei 8,2 oder 8,3 Promille liegt, Deutschland ist damit EU-weites Schlusslicht. Spitzenreiter ist Irland mit 16,9 Promille, und der Durchschnitt liegt bei 10,9. Von der Leyen möchte aber im Wahlkampf unbedingt ihre Familienpolitik als Erfolg verkaufen, da passt ein Rückgang bei den Geburten - 2007 lag die Rate noch bei 8,3 Promille - so gar nicht ins Bild. Aufgrund vorläufiger Daten hatte die Ministerin vor einem Jahr Erfolge vermeldet, die sich nach Sichtung der endgültigen Zahlen in Luft auflösten.

Viel wichtiger ist, dass die Sterberate in Deutschland in den letzten Jahren durchgehend oberhalb von zehn Promille lag. Zwischen Geburten und Todesfällen klafft eine Lücke von etwa zwei Promille der Gesamtbevölkerung pro Jahr. Eurostat prognostiziert, dass 2060 England und Frankreich mehr Einwohner haben werden als Deutschland. Daran würden auch 8000 Babys mehr oder weniger nicht viel ändern. Wenn die Familienministerin wirklich dem Bevölkerungsrückgang entgegenwirken will, sollte sie sich vielleicht verstärkt dem Thema Zuwanderung widmen. Ein statistischer Sturm im Wasserglas trägt jedenfalls wenig bei.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%