Zahlensalat
Gefühlte Korruption

Der Korruptionsindex von Transparency International kommt als statistisch ausgefeilter Indikator daher. Dabei sind Zweifel an der genauen Bestimmung nationaler Korruptionsniveaus durchaus angebracht.
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Transparency International (TI) hat Deutschland die Leviten gelesen: nur Platz 14 auf dem Antikorruptionsranking. Das gehe nicht. Deutschland trage als politisches Schwergewicht eine besondere Verantwortung weltweit. Es habe Handlungsbedarf im Strafrecht und beim Schutz von Hinweisgebern. Wann schaffe das Parlament endlich durch Verschärfung des Tatbestands der Abgeordnetenbestechung die Voraussetzungen für die Ratifizierung der UN-Konvention gegen Korruption?

Der Korruptionsindex von TI kommt als statistisch ausgefeilter Indikator daher: Der deutsche Wert basiert auf sechs unabhängigen ehrenwerten Quellen wie der Weltbank und dem World Economic Forum. Die Perzentil-Methode und eine Beta-Transformation liefern einen Wert, der genau bei 8,0 liegt. Das sei natürlich nur eine Schätzung. Aber mit einem Vertrauen von 90 Prozent könne man davon ausgehen, dass der wahre Wert zwischen 7,7 und 8,3 liegt. An der Aussagekraft dieses Indexes wagt da niemand mehr zu zweifeln.

Dabei sind Zweifel durchaus angebracht. Gemessen werden sollen Verbreitung und Grad von Korruption im öffentlichen Sektor eines Landes. Eine Quelle muss, um in den Korruptionsindex einzufließen, das globale Ausmaß korrupter Vorgänge erfassen. Wie aber gehen Umfang und Häufigkeit korrupter Vorgänge in die Erfassung ein? Ab welcher Schwelle wird eine Zahlung als Korruption betrachtet? Wird absolute oder relative Korruption erfasst, ist die Korruptionsschwelle für alle Länder die gleiche oder variiert sie? Ein deutscher Bundesstatistiker muss alles, was mehr als 25 Euro wert ist, abliefern. Gilt das auch in der Karibik? Ist das vielleicht die Erklärung dafür, dass sich Deutschland und Barbados korruptionsstatistisch nicht signifikant unterscheiden? Oder liegt es daran, dass der deutsche Wert auf sechs Quellen beruht, der von Barbados aber nur auf vier?

Es liegt im Wesen der Korruption, dass sie schwer zu messen ist. Das „wahre“ Korruptionsausmaß wird nie jemand kennen. Die 8,0 für Deutschland beziffern eine gefühlte Korruption, die Korruption, die von internationalen Organisationen und Geschäftsführern wahrgenommen wird. Das ist ein erster Schritt. Ob aber das Korruptionsgefühl der angemessene Ansatz ist? Und ob die Befragten immer die Wahrheit sagen? Kennen sie sie überhaupt? Siemens lässt grüßen.

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