Zahlensalat
Nicht immer sitzt das Computer-Problem vor dem Bildschirm

Wenn die Maschine binäre Ziffern falsch abspeichert und Nullen und Einser vertauscht, kann ein großes Chaos entstehen. Eine neue Langzeit-Studie über die Google-Rechner belegt die Anfälligkeit der Chips für Fehler.
  • 0

Ohne Computer sind wir nur noch halbe Menschen. Selbst die gute alte Zeitung kommt nicht ohne Computer aus. In der Produktion sowieso nicht, aber auch die Leser greifen immer öfter lieber zum iPhone als zu großformatigen Papierseiten. Der heutige Relaunch des Handelsblatts in gedruckter Form und im Internet trägt diesem sich ändernden Verhalten Rechnung. Wie verlässlich aber sind Computer? Datenverluste sind meist auf Fehlbedienung zurückzuführen. Manchmal aber trägt tatsächlich der Computer die Schuld.

Die Informatikerin Bianca Schroeder von der University of Toronto hat zusammen mit Google-Mitarbeitern gerade eine großangelegte Studie über Fehler in Speicherbausteinen vorgestellt. Über zweieinhalb Jahre wurden die Google-Rechner im Einsatz überwacht. Es stellte sich unter anderem heraus, dass etwa ein Drittel aller Rechner und acht Prozent aller Speicherbausteine von mindestens einem Speicherfehler pro Jahr betroffen sind. Die Studie erregt Aufsehen, weil diese Raten etwa um den Faktor fünf höher liegen als bislang vermutet. Zudem sind die Fehler sehr ungleich verteilt: Es gibt also echte "Montagsrechner", die sich wesentlich öfter verhaspeln.

Die Studie legt nahe, dass Fertigungsfehler die häufigste Ursache sind. Ein Speicherfehler kann ein Programm zum Absturz bringen oder sogar den ganzen Rechner. Potenziell bösartiger sind aber falsche Rechenergebnisse, die unentdeckt bleiben. Große Server verfügen in der Regel über Korrekturprogramme, die versuchen, solche Fehler aufzuspüren. Bei vielen Arbeitsplatzrechnern und den allermeisten Privatcomputern wird auf die teure Technik aber verzichtet.

Ein Beispiel, was passiert, wenn ein Speicherbaustein nicht richtig tickt: Alle Daten werden als Abfolgen von Bits codiert. Der Buchstabe "u" hieße "01010101" im Ascii-Code. Bei einem Speicherfehler wird eine dieser Nullen zu einer Eins (oder umgekehrt). Durch "Kippen" der letzten Binärziffer entstünde beispielsweise "01010100", und das wäre dann ein "t".

Deutlicher als zuvor rüttelt die Studie an unserem Bild von der Unfehlbarkeit der Computer. Vielleicht aber wirken die Rechner dadurch auch etwas "menschlicher". Jedenfalls brauchen die Handelsblatt-Leser kaum Angst zu haben, dass ihnen die elektronische Ausgabe auf dem Computer ein "X" für ein "U" vormacht. Denn hierfür müssten gleich drei Bits auf einmal kippen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%