Zahlreiche Anleihen gelten steuerlich als Finanzinnovationen
Mit Telekom-Anleihen in die Steuerfalle

Die Investition in Anleihen gilt für viele Anleger als unspektakulär. Um so größer ist ihr Erstaunen, wenn sich später herausstellt, dass sie ihr Geld in eine „Finanzinnovation“ gesteckt haben.

cü FRANKFURT/M. Die Investition in Anleihen gilt für viele Anleger als unspektakulär. Um so größer ist ihr Erstaunen, wenn sich später herausstellt, dass sie ihr Geld in eine "Finanzinnovation" gesteckt haben. Diesen Namen haben Bankprofis Anleihetypen gegeben, deren Besteuerung sich nach § 20 Absatz 2 Nr. 4 des Einkommensteuergesetzes (EStG) richtet.

Für Anleger ist wichtig zu wissen, welche Anleihen als Finanzinnovation gelten, weil bei diesen nicht nur Steuern auf die Zinsen, sondern auch auf die Kursgewinne fällig werden. Zunächst wird pauschal die Zinsabschlagsteuer von 30 % erhoben. Sie fällt unabhängig davon an, ob der Investor die Anleihe zwischenzeitlich verkauft oder sie bis zum Ende der Laufzeit hält.

Die Zinsabschlagsteuer wird mit der persönlichen Einkommensteuer des Anlegers verrechnet. Liegt sein Einkommensteuersatz unter 30 %, bekommt er einen Teil der Steuer zurück, liegt der persönliche Satz über 30 %, muss der Anleger noch Steuern nachzahlen. Bei "normalen" Anleihen sind dagegen nur die reinen Zinserträge steuerpflichtig, wenn der Investor seinen Steuerfreibetrag inklusive Werbekostenpauschale von 1 601 Euro (im Jahr 2002) 3 100 DM (2001) ausgeschöpft hat. Kursgewinne sind dagegen bei Anleihen üblicherweise steuerfrei, wenn die Papiere mindestens ein Jahr im Depot gehalten werden.

Die Einstufung als Finanzinnovation hängt mit der Art der Verzinsung der Wertpapiere zusammen, erklärt Hartmut Preiß, Rentenanalyst bei der DZ Bank. "Grob gesagt werden alle Anleihen, bei denen sich die Zinsen im Zeitablauf ändern, als Finanzinnovation bewertet". Die Anleihen würden dann als Kursdifferenzprodukte eingestuft. Das bedeutet in der Regel, dass die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis besteuert wird.

Böse Überraschungen für Käufer von Telekomanleihen

Böse Überraschungen bei der Steuererklärung dürften insbesondere die Käufer von Telekomanleihen erleben. Denn die meisten der Papiere sind mit so genannten Step-up-Kupons ausgestattet. Damit wollten die teils hochverschuldeten Konzerne das Vertrauen der Anleger gewinnen. Wenn die Ratingagenturen Standard & Poor?s oder Moody?s die Einstufung der Kreditwürdigkeit der Telekomkonzerne senken, erhöhen sich die Zinsscheine der entsprechenden Anleihen automatisch um 0,25 bis 0,50 Prozentpunkte. "Viele Anleger erfahren dies jedoch zu spät", meint Martin Wilhelm, Leiter der Abteilung Global Financial Markets bei der West LB. Bei Anleihen läge gerade ein Reiz darin, Kursgewinne steuerfrei mitnehmen zu können. Deshalb hält Wilhelm Finanzinnovationen für Privatanleger generell nicht für geeignet. Preiß von der DZ Bank sieht jedoch auch einen Vorteil: Umgekehrt ließen sich auch Kursverluste steuerlich geltend machen.

Ob eine Anleihe als steuerpflichtige Finanzinnovationen gilt, erfahren Anleger offensichtlich nicht automatisch beim Kauf. Sie sollten jedoch bei ihrer Bank konkret danach fragen. Denn eigentlich ist es ganz einfach: "Anhand der WertpapierKennnummer kann der Bankberater erkennen, in welche Kategorie das Produkt fällt", erklärt Preiß.

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