Zahlreiche Indizien sprechen für steigenden Goldpreis
Gold: Spielball der Notenbanken

Einige Beobachter der Finanzmärkte sind überrascht: Die Kurse für Aktien und Anleihen sowie für den Euro und für Gold steigen in diesen Tagen beinahe im Gleichschritt. Angesichts dieser sonst eher seltenen Konstellation stellen verunsicherte Anleger bohrende Fragen.

FRANKFURT/M. Ist die fast gleichlaufende Aufwertung dieser Vermögensklassen als ein Zeichen für drohendes Unheil in der Weltwirtschaft und an den Finanzmärkten zu interpretieren?

Für eine solche Annahme gibt es gegenwärtig keine verlässlichen Anhaltspunkte. Denn die Ursachen für die gestiegenen Kurse von Aktien, Anleihen, Euro und Gold liegen auf unterschiedlichen Feldern: Nach dem Ende des Irak-Kriegs ist Hoffnung auf eine Erholung der Weltwirtschaft aufgekommen, so dass sich die Aktienbörsen eines breiten Kapitalstroms erfreuen können. Höhere Anleihenkurse sind das Resultat der anhaltenden Erwartung von Leitzinssenkungen.

Die Euro-Stärke wird im Devisenhandel auf schlechtere ökonomische Basisdaten der USA zurückgeführt. Zudem ist zu bedenken, dass die Europäische Union (EU) durch die Aufnahme zehn neuer Mitglieder zum wichtigsten Wirtschaftsraum der Welt zusammenwächst und die Devisenreserven der Notenbanken entsprechend zu Gunsten des Euro und zu Lasten des Dollar umgeschichtet werden. Und last but not least scheinen die USA ihr Interesse an einem starken Dollar - zumindest vorübergehend - aufgegeben zu haben.

Dass Gold nach dem Irak-Krieg nicht weiter fiel, dürfte nur jene überraschen, die in Gold vor allem eine Krisenanlage sehen. Wenn der Goldpreis in wenigen Wochen von 319 auf 345 Dollar je Feinunze steigt, so sollte das auch die Pessimisten überzeugen, die dem gelben Metall als Kapitalanlage sonst die kalte Schulter gezeigt haben. Dass der Goldglanz zuletzt wieder sichtbar aufpoliert wurde, ist für Analysten in den USA vor allem das Resultat der Dollarschwäche. Ein schwacher Dollar wirkt auf die Goldnachfrage traditionell positiv, da er das Edelmetall für Investoren im Nicht- Dollar-Raum günstiger erscheinen lässt. Für das gelbe Metall sprechen nach wie vor fundamentale Faktoren. So liegt die weltweite Primärproduktion - also die Förderung der Goldminen - weiter deutlich unter der globalen Nachfrage.

Dieses Defizit wird durch vorhandene Bestände gedeckt. Bekanntlich verfügen die Notenbanken über immense Goldreserven. Führende Zentralbanken Europas hatten im Jahr 1999 eine Vereinbarung getroffen, die die Menge der Goldverkäufe dieser Institutionen auf 400 Tonnen im Jahr beschränkte. Eine Verlängerung dieser Vereinbarung wird von Bundesbank-Präsident Ernst Welteke als offen angesehen. Bullen und Bären am Goldmarkt interpretieren dies als Indiz für die Richtigkeit ihrer jeweiligen Marktmeinung. Die Bären sehen die Gefahr unkontrollierter Notenbankabgaben, die Bullen einen Vertrauensbeweis der Notenbanken für Gold.

In den USA wird Gold jetzt offensichtlich als Mittel zur öffentlichen Stimmungssteuerung betrachtet. Analysten sprechen davon, dass die US-Notenbank die in der Wirtschaft bestehende Angst vor Deflation mit Hilfe des Goldmarktes bekämpfen will. Der Fed sei nicht mehr an einem schwachen Goldpreis gelegen, heißt es. Hierfür gibt es gute Gründe: Zum einen verfügt die US-Notenbank über den größten Goldbestand aller Zentralbanken. Zum anderen will die Fed eine andere Rolle nutzen, die Gold in der Vergangenheit erfolgreich gespielt hat. Jahrelang galt Gold als Inflationsfrühindikator. Ein steigender Goldpreis soll nach dem Willen der Fed jetzt die auf Deflationsfurcht beruhende Zurückhaltung der Verbraucher und Investoren auflösen und die Wirtschaft ankurbeln. Dass islamische Notenbanken eine durch Goldbestände abgesicherte gemeinsame Währung, den Gold- Dinar, schaffen wollen, verhilft Gold in anderen Teilen der Welt zu hohem Ansehen.

Impulse erhielt Gold auch von den Goldbranche selbst. Zum einen haben führende Minengesellschaften die Hausse am Goldmarkt angeheizt. In zehn Jahren sei eine Verknappung von Gold zu erwarten, wenn die Exploration und Erschließung neuer Vorkommen nicht deutlich forciert werde, hieß es. Zum anderen haben Top-Unternehmen der Branche wie Barrick, Anglo-Gold und Placer ihre Preissicherungsgeschäfte mit Derivaten reduziert oder sogar aufgegeben. Mit diesen Strategien hatten sie den Goldpreis nach Meinung von Kritikern zeitweise stark gedrückt.

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