Zahlreiche Neueinsteiger
Online-Reisemarkt befindet sich im Umbruch

Der Markt der Online-Reisebüros befindet sich nach Einschätzung der Branche im Umbruch. Eine stärkere Kostenorientierung und ein Konzentrationsprozess unter Beteiligung großer Konzerne der Luftfahrt- und Touristikbranche sowie des Handels könnten mittelfristig zu einer Marktbereinigung führen. "Wir sind jetzt in der zweiten Phase, wo das Internet sich beweisen muss. Wer weiterhin ohne Business-Pläne auskommen will und Verluste schreibt, der muss den Markt verlassen", sagte Anja Keckeisen von der Microsoft-Tochter Expedia Inc auf einem Forum zu Online-Reisebüros am Mittwoch in Wiesbaden.

Reuters WIESBADEN. Bislang wird nach Einschätzung von Marc Maslaton, Chef der Travel24.com AG, gerade einmal ein Prozent des Umsatzes im Flug- und Touristikmarktes online gemacht. Während Flugreisen sich seit längerer Zeit relativ gut per Internet verkaufen lassen, allerdings mit nur geringem Profit, ist in den vergangen Monaten nach den Worten Maslatons und Keckeisens der Umsatz mit Last-Minute-Reisen und Pauschalreisen erheblich angezogen. Allerdings habe sich der Markt grundlegend gewandelt, der noch in den vergangenen Jahren durch zahlreiche Neueinsteiger geprägt war.

Inzwischen versuchen die traditionellen Branchenführer, die bisher offline im Reisebüro Flüge und Urlaube verkauft haben, das Online-Geschäft selbst zu betreiben und zu dominieren. Expedia sieht sich nach dem Erfolg in den USA auch in Europa gut aufgestellt. Die vorige Woche verkündete Kooperation des Handelskonzerns Otto mit dem weltweit größten Internet-Reisebüro Travelocity.com gilt als ein Beispiel für die künftige Ausrichtung des Online-Vertriebs. "Bisher hat Travelocity nur online pur gearbeitet. Das ändert sich jetzt", sagte Gerd Maßheimer, Chef der Otto Freizeit und Touristik-Gruppe, der Nachrichtenagentur Reuters. Otto verfügt nicht nur über Reisebüros, sondern auch einen der weltweit größten Versandhandel. "Und unser Ziel ist ganz klar die Marktführerschaft im Online-Reiseverkauf in Europa", sagte Maßheimer.

Noch in diesem Jahr will auch der Internet-Provider T Online - mit dem Internet-Reisebüro T Travel-Online ins Datennetz gehen, an dem die beiden größten europäischen Touristikkonzerne Preussag und Thomas Cook beteiligt sind. Das von der Lufthansa und acht weiteren europäischen Fluggesellschaften geplante europaweite Online-Portal Opodo soll ebenfalls noch in 2001 starten und gilt als große Konkurrenz für die bisherigen Online-Anbieter. "Ich gehe davon aus, dass es im Bereich der Online-Reisebüros in absehbarer Zeit einen Bereinigungsprozess gerade bei kleinen Anbietern geben wird", sagte Maßheimer.

Zu konkreten wirtschaftlichen Zielvorgaben machte die Vorstandsvorsitzende der T Travel-Online AG, Christel Brechel, noch keine Aussagen. Doch die Zeit unbegrenzter Investitionen, mit denen viele junge Online-Reisebüros in den vergangenen Jahren sich überhaupt bekannt machen mussten, sei vorbei. "In Zukunft wird die Branche mehr auf Kostenreduzierung achten und wesentlich konservativer investieren als bisher und sich der Offline-Industrie anpassen", sagte Brechtel.

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