Zahlreiche Tote
Neue Welle der Gewalt in Nahost

Radikale Palästinenser haben am Dienstag bei Anschlägen in Israel erneut mindestens fünf Menschen getötet.

rtr JERUSALEM. Im nordisraelischen Afula sprengte sich ein Selbstmordattentäter an einer Bushaltestelle in die Luft und riss einen Fahrgast mit in den Tod. In Tel Aviv eröffnete ein Palästinenser das Feuer auf Restaurantgäste, tötete drei Menschen und verletzte 25 weitere bevor er erschossen wurde. Die israelische Regierung sprach von einer "Tag und Nacht währenden Terrorkampagne" gegen das Land und kündigte erneut harte Maßnahmen an, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten.

Bei dem Anschlag auf den Bus an der zentralen Bus- Haltestelle in Afula wurden zudem mindestens fünf Menschen verletzt, wie die Polizei weiter mitteilte. Durch die Wucht der Explosion barsten an nahegelegenen Gebäuden Fenster. Mehrere Menschen mussten wegen Schocks behandelt werden.

Der Anschlag in Tel Aviv ereignete sich in einer belebten Straße der israelischen Metropole. Der Attentäter griff die Gäste zweier Restaurants und einer Bar mit Schusswaffen, Handgranaten und einem Messer an. Er wurde schließlich erschossen. Ein Anrufer bekannte sich bei der Nachrichtenagentur Reuters im Namen der El-Aksa-Brigaden zu dem Anschlag.

Der Angriff sei "Rache für Massaker an Frauen und Kindern in Ramallah und in Dschenin." Bei Aktionen der israelischen Armee waren am Montag in den beiden Städten sieben unbewaffnete Zivilisten getötet worden. Die El-Aksa- Brigaden gehören zur Fatah-Organisation von Palästinenser- Präsident Jassir Arafat. Sie hatten sich bereits am Wochenende zu mehreren Anschlägen bekannt.

Südlich von Jerusalem wurde eine Israelin in ihrem Auto von einem palästinensischen Heckenschützen erschossen, ihr Mann wurde verletzt.

Scharon berät über Gegenmaßnahmen

Nach dem Anschlag in Tel Aviv sagte ein israelischer Regierungssprecher: "Die Terror-Kampagne gegen Israel hält buchstäblich Tag und Nacht an, und Israel wird alle Maßnahmen ergreifen, die notwendig sind, und wird vor nichts Halt machen, um für die Sicherheit seiner Bürger zu kämpfen."

Ministerpräsident Ariel Scharon wollte am Dienstag im Sicherheitskabinett über die Lage beraten.

Aus israelischen Sicherheitskreisen verlautete, um den Druck auf Arafat zu erhöhen, könnte Scharon wieder Panzer vor dessen Residenz in Ramallah auffahren lassen. Die israelische Armee hatte erst kürzlich den Hausarrest für Arafat aufgehoben, seine Bewegungsfreiheit aber auf Ramallah beschränkt.

Israelische Armee dringt in Autonomiegebiete ein

Israelische Truppen drangen am Dienstagmorgen nach Angaben aus palästinensischen Polizeikreisen in die Ortschaft Dura im Westjordanland ein. Sie seien mit Panzern und Planierraupen vorgerückt und hätten ein Haus zerstört, hieß es in den Kreisen. Bei den Auseinandersetzungen seien ein Palästinenser getötet und fünf verwundet worden. Dura liegt südlich von Hebron.

Israelische Soldaten stießen nach den Berichten auch in den von Palästinensern kontrollierten Teil Hebrons vor. Hierbei wurden fünf Palästinenser verletzt, wie Rettungsdienste mitteilten. Ein 13-jähriges Mädchen sei schwer verletzt worden, hieß es weiter.Nach palästinensischen Angaben griff ein israelischer Kampfhubschrauber die Hauptwache der Polizei im Flüchtlingslager Chan Junis mit Raketen an.

In dem arabischen Dorf Sur Baher am Rande Jerusalems wurden bei einer Explosion am Eingang einer Schule sieben Kinder und ein Lehrer verletzt. Im Rundfunk hieß es, offenbar stecke eine radikale jüdische Gruppe hinter dem Anschlag. Jerusalems Polizeichef Mickey Levy sagte, eine Sonderkommission werde den Vorfall untersuchen.

Bush und Mubarak erörtern Lage in Nahost

Die Lage im Nahen Osten stand am Dienstag auf der Tagesordnung eines Treffens zwischen US-Präsident George W. Bush und Ägyptens Präsident Husni Mubarak in Washington. Ägypten hofft, dass sich die USA wieder intensiver in die Vermittlung um einen Frieden im Nahen Osten einsetzen. Mubarak hat sich auch für ein Gipfeltreffen zwischen Scharon und Arafat ausgesprochen.

Menschenrechtsverletzungen auf beiden Seiten

In seinem Jahresbericht über Menschenrechtsverletzungen erhob das US-Außenministerium am Montag Vorwürfe gegen die israelischen Streitkräfte und der palästinensische Polizei. Während des ganzen Jahres 2001 hätten sie "zahlreiche, schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen" begangen. Der Bericht listet nahezu 2000 Fälle auf.

Es seien viele Unbeteiligte getötet worden. Die Bedingungen in den palästinensischen Gefängnissen wurden als überaus dürftig beschrieben. Bemängelt wurde auch, dass israelische Gerichte Palästinenser bereits ab einem Alter von zwölf Jahren wie einen Erwachsenen behandeln. Seit Beginn des Aufstands der Palästinenser vor 17 Monaten sind mindestens 945 Palästinenser und 311 Israelis gewaltsam ums Leben gekommen.

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