Zahlreiche zivile Opfer durch Luftangriffe
Taliban verstärken Abwehr gegen US-Angriffe

Auch nach zwei Wochen Luftkrieg und dem Beginn der Kommandoeinsätze auf afghanischem Boden haben die Taliban keine Bereitschaft erkennen lassen, den Moslem- Extremisten Osama bin Laden den USA auszuliefern. Die radikal-islamische Taliban-Regierung beschloss nach Angaben eines ihrer Minister am Sonntag, die Verteidigung gegen neue Kampfeinsätze von US-Bodentruppen auszuweiten.

Reuters KABUL/SCHANGHAI. Diese haben die USA am Samstag nach dem ersten Einsatz von Sondereinheiten bei Kandahar angekündigt. Zum Abschluss der APEC-Konferenz in Schanghai bezeichnete der russische Präsident Wladimir Putin den US-Einsatz als angemessen. US-Präsident George W. Bush würdigte die Unterstützung Russlands.

Das Taliban-Kabinett habe in einer Sondersitzung beschlossen, zusätzliche Raketenwerfer, Maschinengewehre und Luftabwehrkanonen in die Städte und Dörfer zu bringen, sagte Bildungsminister Mullah Amir Chan Muttaki der Nachrichtenagentur Reuters. Dadurch sollten Menschen in allen Bezirken, Dörfern und Provinzen gegen US-Kommandoeinsätze mobilisiert und ausgerüstet werden.

"Wir haben genügend Waffen, die wir an die Menschen verteilen können", sagte Muttaki. Die Regierung habe die islamische Welt dringend um Hilfe für die Zivilbevölkerung gebeten. Nach seinen Angaben wurde die Sondersitzung von Militärstabschef Mullah Mohammad Hassan geleitet, der auch Stellvertreter des geistlichen Oberhauptes und Anführers der Taliban, Mullah Mohammad Omar, ist.

Bush würdigt russische Unterstützung

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz würdigte Bush die starke Unterstützung, die er von Putin für die militärische Reaktion auf die Anschläge am 11. September in den USA erhalte. Putin nannte die Luftangriffe und Kommandounternehmen gegen die als Täter und Helfershelfer verdächtigten Moslem-Extremisten in Afghanistan maßvoll und angemessen. Die USA machen Bin Laden und seine Organisation El Kaida für die Anschläge verantwortlich, bei denen mehr als 5000 Menschen starben.

Putin wurde auf seiner Rückreise zu einem Kurzbesuch in Tadschikistan erwartet. Die frühere Sowjetrepublik grenzt an Afghanistan und hat den USA ihre Unterstützung zugesagt. In der Hauptstadt Duschanbe trafen der russische Verteidigungsminister Sergei Iwanow, und der Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB, Nikolai Patruschew, ein.

In ihrer Abschlusserklärung verurteilten die Gipfelteilnehmer der Asien-Pazifik-Wirtschaftskooperation (APEC) im chinesischen Schanghai die Anschläge auf das World Trade Center in New York und das US-Verteidigungsministerium bei Washington. Jegliche Art terroristischer Aktion solle verhindert werden. Die 21 APEC-Staaten sprachen sich für eine enge Zusammenarbeit bei der Festsetzung der Verantwortlichen von Anschlägen aus. Die Erklärung ging nicht auf die US-Einsätze gegen Afghanistan ein.

Mit neuen Angriffen hat die US-Luftwaffe am Sonntag die dritte Woche ihrer Militäraktion gegen die Taliban eingeleitet. Augenzeugen zufolge wurden in den Morgenstunden mehrere Ziele in Kabul angegriffen. Mindestens sieben Explosionen seien zu hören gewesen, sagten Zeugen. Das Taliban-Informationsministerium teilte mit, mindestens 18 Menschen seien bei den Angriffen getötet worden, 23 weitere seien verletzt worden.

In Kabul wurden allein in einer Familie acht Angehörige getötet. Darunter seien vier Kinder im Alter von vier bis acht Jahren gewesen, sagte ihr Onkel. Zehn der insgesamt 20 Familienmitglieder seien verletzt worden. Nach Taliban-Darstellung wurden bislang rund 900 Zivilisten Opfer der US-Militäraktion, die USA wiesen die Zahl als zu hoch zurück. Unabhängige Angaben liegen nicht vor.

Erste Kampfeinsätze von US-Bodeneinheiten

Am Samstag hatten die USA nach eigenen Angaben ihren ersten Kampfeinsatz auf afghanischem Boden geführt. Eine mehr als 100 Mann umfassende Sondereinheit sei im Süden im Einsatz gewesen, verlautete aus US-Verteidigungskreisen. "Die US-Soldaten konnten sich ohne nennenswerten Widerstand der Taliban bewegen und operieren", sagte US-Generalstabschef Richard Myers. Sie würden sich nun auf weitere Einsätze vorbereiten. Ziel eines Angriffs sei das Kommando- und Kontrollzentrum der Taliban in ihrer Hochburg Kandahar gewesen, in dem Komplex habe Omar gelebt. Der zweite Angriff habe einem Flugplatz ebenfalls im Süden gegolten.

Die Taliban teilten mit, 20 bis 25 der Soldaten des US-Sonderkommandos hätten den Einsatz nicht überlebt. Die Taliban-Kämpfer hätten den US-Einsatz bei Kandahar vereitelt und die US-Soldaten in die Flucht geschlagen.

Die "Washington Post" berichtete am Sonntag unter Berufung auf US-Regierungskreise, Bush habe den Geheimdienst CIA im September ermächtigt, Bin Laden und andere El Kaida-Mitglieder gezielt zu töten. Operationen zur Tötung seien eingeleitet.

Die UNO forderte ihre Mitarbeiter in Afghanistan dringend auf, zuallererst an ihre eigene Sicherheit zu denken. Seit Beginn der US-Angriffe wurden nach UNO-Angaben hätten bewaffnete Männer oder Taliban der Organisation mindestens 80 Fahrzeuge weggenommen. Auch einige Büros seien besetzt worden.

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