Zahlungsverzug
Metabox : Bareinlage von Investoren noch nicht gezahlt

Das finanziell angeschlagene Multimedia-Unternehmen Metabox hat nach Angaben des Insolvenzverwalters Michael Graaff die von einer Investorengruppe zugesagte Bareinlage von einer Million Euro noch nicht erhalten.

rtr HANNOVER. Das Geld sei aber von der Gruppe weiterhin zugesagt, sagte Graaff am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Die ursprüngliche Frist sei bereits am 3. August abgelaufen.

Vorwürfe der "Aktionärsgemeinschaft Metabox", die Öffentlichkeit nicht ausreichend über die aktuellen Entwicklungen bei Metabox zu informieren, wies Graaff als "kontraproduktiv" zurück. Für den Nachmittag kündigte er eine Erklärung an. Der Hersteller von Set-Top-Boxen für einen Internet-Zugang per Fernseher hatte Ende Mai die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt.

Die eine Million Euro Bareinlage stammen aus der Ende Juli beschlossenen Kapitalerhöhung durch Ausgabe von einer Million Aktien zu je einem Euro. Die Investorengruppe habe die Zahlungsschwierigkeiten mit technischen Gründen erklärt, sagte Graaff. Einzelheiten zur Zusammensetzung der Gruppe könne er nicht nennen. Es handele sich um Investoren unter anderem aus Berlin, München und Gießen. Der Insolvenzverwalter bestätigte Angaben der Aktionärsgemeinschaft, dass er am Freitag in einer Betriebsversammlung in Hildesheim den Zahlungsverzug bekannt gegeben habe.

Aktionärsgemeinschaft bittet Bundesaufsichtsamt um Prüfung

Die Aktionärsgemeinschaft des am Neuen Markt notierten Unternehmens forderte am Montag das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (Bawe) auf, die Vorgänge zu überprüfen. Ihrer Ansicht nach hätten Graaff und das Unternehmen mit einer Adhoc-Pflichtveröffentlichung die Öffentlichkeit und damit auch die Aktionäre längst über die Zahlungsschwierigkeiten informieren müssen. Das BaWe, das bereits mehrfach in Sachen Metabox tätig war, erklärte am Montag, von den neuen Vorwürfen sei noch nichts bekannt.

Der frühere Sprecher der Metabox-Aktionäre und seit Mitte Juni amtierende neue Finanzvorstand, Michael Heckeroth, wies darauf hin, dass sich der Insolvenzverwalter sämtliche Finanzinformationen vorbehalten habe. "Ich kann daher zu der Bareinlage und anderen Vorgängen keine Stellung nehmen."

Staatsanwaltschaft ermittelt

Graaff bestätigte Informationen der Aktionärsgemeinschaft, wonach auch mit anderen Interessenten über einen Einstieg bei Metabox verhandelt werde. "Es gibt Alternativen, die wir prüfen", sagte er. Namen nannte er nicht. Nach Angaben der Aktionärsgemeinschaft zählt die Investmentgesellschaft Ampa aus Israel dazu. Sie gelte als Auftraggeber für den ersten von Metabox im April 2000 gemeldeten Großauftrag über 500 000 Set-Top-Boxen und halte bereits ein größeres Aktienpaket.

Seit Februar ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover gegen Metabox-Chef Domeyer und zwei ehemalige Vorstandsmitglieder des Unternehmens wegen des Verdachts der Kursmanipulation, des Kapitalanlagebetruges und des Insiderhandels. Hintergrund sind Zweifel an einigen der vier von dem Unternehmen früher bekannt gegebenen Großaufträge oder Absichtserklärungen über die Lieferung von insgesamt 2,9 Millionen Set-Top-Boxen.

Metabox hatte Ende Mai die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt, danach indes angekündigt, seine Geschäfte "ganz normal" weiterzuführen.

Der Kurs der Metabox-Aktie fiel nach Bekanntwerden der Vorwürfe der Aktionärsgemeinschaft am Montag zunächst um mehr als 20 % auf 0,38 Euro, erholte sich dann wieder und näherte sich dem Schlusskurs von Freitag mit 0,52 Euro an.

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