Zapatistische Befreiungsarmee will Kongress informieren
Mexiko lässt Rebellen vor dem Parlament reden

Nach anfänglicher Ablehnung hat sich das Repräsentantenhaus knapp für eine Aussprache vor dem Parlament entschieden. Die Zapatistische Befreiungsarmee kämpft für mehr Rechte der indianischen Bevölkerung. Seit 1994 sind 6 Städte in Chiapas unter ihrer Gewalt.

ap MEXIKO-STADT. Der mexikanische Kongress hat sich nach anfänglicher Ablehnung doch dafür entschieden, die zapatistischen Rebellen vor dem Parlament reden zu lassen. Das Repräsentenantenhaus stimmte am Donnerstag mit 220 gegen 210 Stimmen dafür, die Vertreter der Zapatistischen Befreiungsarmee (EZLN) zu einer informellen Sitzung zuzulassen. Deren Anführer Subcomandante Marcos nahm am späten Abend den Vorschlag an und verschob die für den Freitag geplante Rückweise in den Staat Chiapas.

Ein Termin für die Parlamentssitzung wurde zunächst nicht genannt. "Es scheint, dass sich die Tore zum Frieden zu öffnen beginnen", sagte Marcos vor Journalisten. Die EZLN werde sich im Kongress dafür einsetzen, dass Rechte und Kultur der indianischen Bevölkerung offiziell anerkannt würden.

Zapatisten fordern mehr Rechte für indianische Landbevölkerung

Die Zapatisten waren zusammen mit hunderten Anhängern in einem zweiwöchigen Konvoi von Chiapas aus nach Mexiko-Stadt gezogen, um auf ihren Forderungen nach mehr Rechten für die indianische Landbevölkerung Nachdruck zu verleihen. In Mexiko-Stadt waren sie von etwa 100 000 Menschen empfangen worden, der Kongress hatte sich jedoch geweigert, sie zu empfangen.

Einer Einladung von Präsident Vicente Fox zu einem persönlichen Treffen erteilten die Rebellen eine Absage. Comandante Zebedeo sagte, es gebe zwar den Wunsch nach einem Treffen, zuvor müsse Fox aber die Bedingungen der EZLN erfüllen. Dazu gehören die Schließung dreier weiterer Militärstützpunkte in Chiapas und die Entlassung aller EZLN-Sympathisanten aus der Haft. "Seit vielen Jahren werden wir mit falschen Versprechungen ausgetrickst", sagte Zebedeo. "Daher vertrauen wir nicht Worten, sondern Taten." Fox selbst erklärte dagegen am Donnerstag in Los Angeles, er habe alle Bedingungen erfüllt. Sein Büro teilte mit, Fox wolle sich mit Marcos zusammen für die indianischen Gemeinschaften einsetzen.

Rebellen haben Land und Vieh beschlagnahmt

Unterdessen bahnte sich in Chiapas eine Verschärfung der Situation an. Viehzüchter und Großgrundbesitzer forderten auf einer Kundgebung in San Cristobal de las Casas, die Regierung solle die 24 EZLN-Führer nicht mehr nach Chiapas zurückkehren lassen. Zudem plädierten sie für die Rückgabe von Land und Vieh, dass die Rebellen während ihres Aufstands beschlagnahmt hatten. Am Donnerstagabend besetzten hunderte Indianer in der Stadt zwei Rundfunksender, um Solidaritätsbotschaften für die Zapatisten auszustrahlen.

Die EZLN hatte sich am Neujahrstag 1994 erhoben und sechs Städte in Chiapas unter ihre Kontrolle gebracht. Bei zwölftägigen Gefechten kamen mehr als 145 Menschen ums Leben. Friedensverhandlungen mit der Regierung endeten 1996 mit einer Vereinbarung, die der damalige Präsident Ernesto Zedillo aber nicht akzeptierte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%