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Zarte Blüten in exotischen Märkten

Kommt Sie, oder kommt Sie nicht - die wirtschaftliche Wende in den USA. Von dem Wiederanspringen der Konjunktur in den USA hängt auch das Schicksal der "Emerging Markets", der Märkte der sich noch entwickelnden Volkswirtschaften, maßgeblich ab.

In diesem Jahr haben sie den etablierten Finanzplätzen - gemessen am MSCI-World-Index - den Rang abgelaufen. Und "wenn sich die US-Wirtschaft im dritten oder vierten Quartal 2002 erholt, ist der Ausblick für die Emerging Markets sehr gut", erklärt Thomas Gerhardt von der DWS Investment GmbH. "Emerging Markets sind in der Regel sehr zyklische Märkte", sagt der Fondsmanager. Da die zyklische Komponente sich als erste erhole, sollten die Finanzmärkte der stark exportabhängigen Schwellenländer "überdurchschnittlich profitieren".

Auch Michael Konstantinov vom DIT Deutscher Investment-Trust Gesellschaft für Wertpapieranlagen sieht die Hauptrisiken für die Emerging Markets "vor allem in der Weltkonjunktur". Er geht davon aus, dass es etwa Mitte 2002 zu einem Konjunkturaufschwung kommen wird, der aber nicht so stark ausfallen werde wie Ende der 90er-Jahre: "Wirtschaftliche Ungleichgewichte müssen insbesondere noch in den USA abgebaut werden."

Etwas zurückhaltender gibt sich Cong Zheng von der Fondsgesellschaft Union Investment. Die USA hätten heute ein ähnliches Problem, wie es viele Emerging Markets noch vor einigen Jahren hatten - Überkapazitäten und Überschuldung. Zheng ist allerdings skeptisch, "ob der Anpassungsprozess schon in den nächsten Monaten abgeschlossen werden kann". Er will nicht ausschließen, dass dieser bis 2003 dauern könnte. Doch "solange die USA sich stabilisieren, werden die Emerging Markets outperformen", lautet sein Urteil.

Argentinen ist ein "internes Risiko"

Neben dem "externen Risiko USA" gibt es laut Zheng noch das "interne Risiko Argentinien". Die Argentinien-Krise hat in diesem Jahr zeitweise besonders die lateinamerikanischen Märkte (Brasilien) belastet. Für den Fondsmanager liegt die Lösung der finanziellen Probleme des Landes in einer Abwertung. Danach, so Zheng, könnte Argentinien "zum besten Markt" 2002 avancieren. Eine Einschätzung, die Gerhardt und Konstantinov nicht teilen. Konstantinov erwartet einen Kapitalschnitt von mindestens 50 Prozent. In Argentinien "schlummert noch ein gewisses Risiko", meint er, doch sei das zu einem großen Teil bereits in den aktuellen Kursen vorweggenommen. Gerhardt hingegen hält "die Risiken in Argentinien einfach für viel zu groß".

Positiv werten die Fondsmanager unisono, dass die Emerging Markets als risikobehaftete Märkte nicht mehr alle in einen Topf geworfen werden. "Der Lernprozess bei den Anlegern ist schon relativ weit fortgeschritten, es wird stärker differenziert", erläutert Gerhardt. Und Konstantinov hat beobachtet, dass trotz der Krise in Argentinien "die Risikobereitschaft der Investoren in den Emerging Markets in den letzten Wochen sogar gestiegen ist". Die Experten sind sich einig: Die Märkte sind wieder attraktiver geworden. Dies liegt auch an den Reformen, die viele Länder nach den Krisen der letzten Jahre (Asien, Russland) durchgeführt haben und nun für ein stabileres volkswirtschaftliches Umfeld sorgen.

Doch wie die Anleger differenzieren auch die Fondsmanager innerhalb der Regionen und Sektoren. Zu ihren Favoriten zählen einige der asiatischen Länder. Ungeachtet der Kursgewinne seit den Tiefständen Mitte September setzt Konstantinov weiter auf Taiwan und Korea, die überproportional von einem Aufschwung der Weltwirtschaft profitieren sollten. Sie sind "im Prinzip eine verlängerte Werkbank für verschiedenste Unternehmen aus den USA und auch aus Europa", sagt der DIT-Experte. Ihm - wie auch Gerhardt - gefallen besonders die Aktien der Gesellschaften Samsung Electronics und Taiwan Semiconductor.

Der DWS-Fondsmanager weist zudem darauf hin, dass "China im asiatischen Zusammenhang stark an Bedeutung gewinnt, während Japan an Bedeutung verliert". Seine Gesellschaft hat China daher mit einem Anteil von zehn Prozent gewichtet und achtet auch auf Aktien, die "indirekt" in China investiert sind. Zheng hat auf seiner Empfehlungsliste den Wert China Mobile. In Korea rät er zu dem Technologieunternehmen Sunplus Technology.

Auf der anderen Seite der Weltkugel kann Brasilien "ein sehr interessanter Markt sein", glaubt Konstantinov, sollte sich eine endgültige Lösung in Argentinien abzeichnen. Dem stimmt Gerhardt zu. Bei einer Erholung der Weltkonjunktur und damit anziehenden Rohölpreisen würde er sich dort Petrobras näher ansehen. Im Hinblick auf den Rohölpreis hat Konstantinov auch Russland im Blick. Ihm gefallen zudem die wirtschaftlichen Reformen, die von Putin "konsequent vorangetrieben werden". Diese würden zu einer "deutlichen Höherbewertung führen".

Gerhardt sieht daneben eine "positive" Folge der Anschläge des 11. Septembers: Das politische Näherrücken der USA und Russlands könnte zu einer Senkung der Risikoprämie führen. Daher könnte "Russland im nächsten Jahr ein sehr interessantes Thema sein". Konkret rät er hier zu den Ölwerten Yukos und Lukoil. Alexander Karpov von Union Investment hat ebenfalls die großen russischen Öl- und Gasaktien im Visier. Hier habe Russland im weltweiten Wettbewerb wegen der niedrigen Kosten klare Wettbewerbsvorteile.

Mittel- bis langfristig werden auch den EU-Beitrittskandidaten Ungarn, Polen und Tschechien Chancen eingeräumt. DIT und DWS legen einen Fokus auf die Bank Pekao. Konstantinov hebt hervor, dass die Bank Marktanteile gewinnt und mit Unicredito einen erfahrenen ausländischen Investor an der Seite hat. Der polnische Bankenmarkt werde zudem gerade erst richtig erschlossen.

Sollte die Weltkonjunktur - wie erwartet - im kommenden Jahr anspringen, könnten auch die Rohstoffwerte Südafrikas nach Ansicht der Fondsmanager Zheng und Konstantinov interessant werden. Dazu zählen Anglo American und Billiton.

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