ZDF-Intendant warnt Kabelnetzbetreiber Callahan und Liberty Media vor zu großem Enthusiasmus
Stolte gibt Liberty-Plänen keine große Chance

ZDF-Intendant Dieter Stolte gibt den Digitalfernsehplänen der neuen Kabelnetzbesitzer Liberty Media und Callahan keine große Chance. "Am Ende wird man feststellen, dass es bei 35 frei empfangbaren Fernsehsendern keinen Bedarf für weitere 150 TV-Programme gibt", sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt voraus. Entscheidend sei dabei nicht das Geld, das der Zuschauer für zusätzliche TV-Angebote bezahlen müsse, sondern die Zeit, die er dem Medium Fernsehen widme. Stolte glaubt nicht, dass die Sehdauer von täglich knapp zweieinhalb Stunden noch stark wachsen werde.

MAINZ. "Der Lernbedarf der Amerikaner ist außerordentlich hoch", sagt er. "Wir haben in Gesprächen festgestellt, dass Callahan schon vieles verstanden hat, was Liberty noch lernen muss."

Für Unruhe in der Fernsehbranche sorgt derzeit vor allem das aggressive Vorgehen des US-Unternehmers John Malone. Dessen Kabelfernsehkonzern Liberty Media will für 5,5 Mrd. Euro rund 60 % des TV-Kabelnetzes der Deutschen Telekom sowie weitere kleine Netze kaufen und bemüht sich nun auch noch um einen Einstieg in den Pay-TV-Sender der Kirch-Gruppe, Premiere World. "Ich glaube, dass Kirch und Malone zusammenfinden werden, denn der eine hat viel Geld und der andere braucht es", sagte Stolte.

Er erwartet, dass das Bundeskartellamt den Liberty-Einstieg in das deutsche Kabelfernsehen mit Auflagen genehmigen wird. Wichtig ist es ihm, dass die neuen Herren der Kabelnetze nicht bereits von den Gebührenzahlern finanzierte Programme zu neuen kostenpflichtigen Angeboten bündeln. "Wir werden dafür kämpfen, dass unser digitales Programm-Bouquet ZDF Vision in Gänze ohne irgendeine Kontrolle in die Kabelnetze eingespeist wird und werden es nicht zulassen, dass unsere Zuschauer zweimal bezahlen müssen", kündigt Stolte an. Zu ZDF Vision gehören neben Programmen wie 3Sat, Arte und Kinderkanal auch der Wirtschaftssender CNBC Europe und das Sportprogramm Eurosport.

Den Fortbestand des ZDF sieht Stolte durch die Umwälzungen am deutschen Fernsehmarkt auch langfristig nicht gefährdet: "Es spricht nichts dafür, dass wir auf der Verliererseite stehen." Er sieht jedoch auch im eigenen Hause Reformbedarf. "Der hohe Anteil an älteren Zuschauer ist ein Schwachpunkt, an dem wir verstärkt arbeiten müssen", gesteht der Chef der von Konkurrenten schon einmal als "Kukident-Sender" verspotteten Mainzer Anstalt. Die Modernität, die das Zweite bereits im Design und in der Werbung ausstrahle, müsse auf das Programm übertragen werden.

ZDF will um junge Zuschauer kämpfen

Derzeit würden Sendungen wie die Talkrunde "Berlin Mitte", das Politmagazin "Frontal", die Kultursendung "Aspekte" und das Frauenmagazin "Mona Lisa" überarbeitet. "Die Erfolge stellen sich dabei nicht so schnell ein, wie man es sich erhofft", sagt Stolte. Aber das ZDF stehe mit seinen Problemen nicht allein. "Wir müssen genau so um junge Zuschauer kämpfen wie die "FAZ" oder die "Hörzu" um junge Leser".

Den Kampf um junge Zuschauer wird ab Mitte März 2002 ein anderer Intendant führen. Dann räumt Stolte nach fast zwei Jahrzehnten an der Spitze des ZDF seinen Schreibtisch auf dem Mainzer Lerchenberg. "Das ZDF steht mit großer Stabilität da", resümiert der 67-Jährige, der über einen Etat von 3,5 Mrd. DM verfügt. Der Sender habe frühzeitig gespart und innerhalb von sechs Jahren ohne Entlassungen die Beschäftigtenzahl um 500 auf 3 500 reduziert. Ein weiterer Arbeitsplatzabbau sei jedoch nicht geplant.

Den scheidenden Intendanten ärgert das Gezerre um seine Nachfolge sichtlich. "Ich wünsche mir einen starken, kraftvollen Nachfolger", sagt er. Der nordrhein- westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) hatte gedroht, den ZDF-Staatsvertrag zu kündigen. Den Sozialdemokraten ist die als politisch konservativ geltende Sendeanstalt seit langem ein Dorn im Auge.

"Wir sind in der politischen Mitte positioniert", entgegnet Stolte und ergänzt: "Mit der Zielsetzung Clements, einen Manager auf den ZDF - Chefposten zu setzen, habe ich keine Probleme. Aber wir brauchen natürlich Manager, die Inhalte kennen. Mit einem Unternehmensberater von McKinsey wäre uns nicht geholfen." Er habe sich für eine hausinterne Lösung ausgesprochen, aber ein Kandidat könne natürlich auch von außen kommen. Die Hauptsache sei, er kenne das Mediengeschäft. Denn angesichts der rasanten Veränderung des Marktes werde er keine Zeit haben, sich lange einzuarbeiten.

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