ZDF-Moderator mit Sendungsbewusstsein
Gerhard Löwenthal gestorben

Gerhard Löwenthal, der mit seinem Fernseh-Magazin die Bundesrepublik entzweite, ist tot. Wie das ZDF am Sonntagabend mitteilte, starb der langjährige Moderator des "ZDF-Magazins" zwei Tage vor seinem 80. Geburtstag am vergangenen Freitag.

HB/dpa BERLIN. Löwenthal hatte von Anfang 1969 bis Ende 1987 mit seiner Politik-Sendung beim deutschen TV-Publikum für Gesprächsstoff gesorgt und oft die Emotionen geschürt. Der erklärte Antikommunist charakterisierte sich selbst als "radikalen Konservativen". Je nach Couleur der Zuschauer zog er tief empfundene Zustimmung oder glühenden Protest auf sich.

"Vorbei ist das Fernsehen, aber als Journalist hört man erst auf, wenn der liebe Gott das bestimmt", hatte Löwenthal einst in einem Interview gesagt. Journalismus verstand er dabei stets als Kampf: Zwanzig Jahre lang prangerte er Mittwochabends zur besten Sendezeit Menschenrechtsverletzungen hinter dem Eisernen Vorhang an und zog gegen die Ostpolitik des SPD-Kanzlers Willy Brandts zu Felde.

Für die deutsche Linke wurde er zur Reizfigur. Doch während in Westdeutschland die anfangs mit 25 Prozent sehr hohe Einschaltquote immer mehr sank, verfolgten 30 bis 50 Prozent der Fernsehzuschauer in der DDR sein Programm: Löwenthal als Kontrastprogramm zum "Schwarzen Kanal" von Karl-Eduard von Schnitzler.

Nach 585 Sendungen wurde Löwenthal in die "Zwangspensionierung" geschickt, wie er es selbst sah. Doch auch danach mochte der Journalist nicht still halten und hielt Vorträge zur Deutschlandpolitik. Blätter wie das "Deutschland-Magazin" und die "Junge Freiheit" druckten seine Beiträge. Besonders gern sprach er vor studentischen Verbindungen und begründete dies mit seinem "Drang, Lebenserfahrungen an Jüngere weiterzugeben".

Sein Weltbild änderte sich auch in den letzten Jahren nicht: "Ich höre immer, der Kommunismus sei tot. Aber mir hat noch niemand die Leiche gezeigt. Mich beschäftigt die Frage, inwieweit der Westen wieder dabei ist, auf die Russen reinzufallen." Gleichwohl hatte Löwenthal, Vater von zwei Söhnen und mehrfacher Großvater, in einem dpa-Gespräch eingeräumt, er werde "ruhiger und nachdenklicher".

Am 8. Dezember 1922 in Berlin als Sohn eines jüdischen Fabrikanten geboren, war er zeitweise zusammen mit seinem Vater im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Seine Großeltern starben in Theresienstadt. Später legte er sich als Medizin-Student an der Berliner Humboldt Universität - mit der SED an und wechselte in den Westteil der Stadt.

Fast die gesamte deutsche Nachkriegsgeschichte hat Löwenthal journalistisch begleitet. Zunächst Reporter und Redakteur beim RIAS wurde er mit 29 Jahren stellvertretender Programmdirektor - eine Position, die er später auch beim SFB innehatte. Nach einem fünfjährigen Zwischenspiel bei der OECD in Paris stieg er 1963 beim ZDF als Redaktionsleiter in Brüssel ein. Das politische Profil des Senders wurde von Löwenthal mit seinem Magazin stark mitgeprägt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%