ZDF und DSF buhlen um Sonntagssppiel
TV-Poker spaltet die Gemüter

Freude, Boykottdrohung, große Sorge - die bevorstehende Rückkehr der Fußball-Bundesliga in die Sportschau hat einen Tag nach Bekanntwerden des geplanten Deals die unterschiedlichsten Reaktionen ausgelöst. Der Pay-TV-Sender Premiere könnte den fast schon sicheren Vertragsabschluss mit ARD und ZDF sogar boykottieren.

HB/dpa FRANKFURT/MÜNCHEN. "Ich bin empört, mit welcher Arroganz Teile unserer Rechte in Frage gestellt werden", sagte Premiere-Geschäftsführer Georg Kofler am Mittwoch. Derweil spitzt sich das Duell zwischen ZDF und DSF um die beiden Sonntagspiele zu.

Die ARD möchte die Zusammenfassung von Premiere um 17.25 Uhr stoppen. Dagegen wehrt sich Kofler. "Nur gegen große finanzielle Kompensation" wäre sein Sender dazu bereit. Das würde aber die Refinanzierung der Agentur Infront unmöglich machen, die der Liga auch in der kommenden Saison 290 Mill. ? garantiert hat und von Premiere 150 Millionen erhält. Weil die ARD in seinen Augen "kein Free-TV-Sender, sondern ein Zwangs-Pay-TV-Sender" ist, scheint ein Kompromiss fast unmöglich. Anders als von Kofler befürchtet, ist die ARD aber nicht zusätzlich an Live-Spielen interessiert, wie ein Sprecher bestätigte.

Kofler bezeichnete es als "ordnungspolitischen Todsündenfall", wenn die ARD die Bundesliga-Erstrechte für das frei empfangbare Fernsehen erhalte. Er drohte zudem damit, die Option auf Verlängerung des Pay-TV-Vertrages mit Infront für die Spielzeiten 2004/2005 und 2005/2006 nicht wahrzunehmen. Das würde ebenfalls zu Finanzierungsproblemen bei Infront und den Proficlubs führen. Allerdings ist Premiere wie kein anderer Sender auf Bundesliga-Berichte angewiesen.

Entsetzt zeigte sich auch RTL, wo in den kommenden Jahren wohl kein Fußball zu sehen sein wird. "Es droht eine Monopolisierung des Fußballs in den öffentlich-rechtlichen Sendern, subventioniert vom Gebührenzahler", klagte RTL-Informationsdirektor Hans Mahr. "Konservativ gerechnet geben die in den kommenden vier Jahren für deutschen Fußball 800 Mill. aus", sagte Mahr. "Dazu kommen voraussichtlich 100 Millionen für die EM und 300 Millionen für die WM."

Während die ARD ungeachtet der Kritik mit Infront die letzten Details klärt, buhlen ZDF und DSF um die Erstverwertungsrechte der beiden Sonntagspiele. Weniger als zehn Mill. ? will das ZDF nach Angaben eines Sprechers zahlen. Um in der Sportreportage zwischen 17.30 und 19.00 Uhr Zusammenfassungen der 1. und 2. Liga zu zeigen, wünscht sich der Sender eine Vorverlegung der Anstoßzeiten.

"Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie die Anstoßzeiten am Sonntag sind noch nicht diskutiert. Das bricht man nicht übers Knie", sagte dazu Michael Pfad von der Deutschen Fußball-Liga (DFL). "Wenn Infront den Rahmen und damit die Anstoßzeiten abgesteckt hat, sind wir mit in der Bütt. Dann gibt es eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem DFB, weil der Grundlagenvertrag berührt und abgeändert werden müsste." Auch der DFB äußerte Verhandlungsbereitschaft: "Wenn durch die Vorverlegung der Sonntagspiele der Grundlagenvertrag mit der DFL berührt ist, werden wir darüber diskutieren."

Wenig begeistert ist das DSF über die Wünsche des ZDF. Zum einen will der Spartenkanal selbst die beiden Erstliga-Spiele. Zum anderen würde eine Vorverlegung der Partien und eine Zusammenfassung im ZDF mit den Zweitligaberichten des DSF kollidieren. "Gegen die 1. Liga hat die 2. Liga keine Chance", sagte ein DSF-Sprecher.

In der Bundesliga wird die Rückkehr des Erstliga-Fußballs in die Sportschau "sehr begrüßt", wie Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge erklärte. Die ARD wäre "auch wieder ein stabiler Partner". Die Sportschau "würde wieder belebt". Es gäbe "mehr Fußball und weniger Show". Der Vereins-Fußball würde wieder eine stabile Basis erhalten.

Ganz anders reagierte Manfred von Richthofen, der sich als Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB) als Anwalt des gesamten Sports versteht. Der Berliner Spitzenfunktionär äußert die "große Sorge", dass bei einer Übernahme der Bundesliga-Rechte durch ARD und ZDF "der übrige Sport zum großen Verlierer werden könnte". Ein solches Geschäft dürfe nur gemacht werden, "wenn ein deutlicher Prozentsatz der Mittel den anderen Sportarten erhalten bliebe". Schon jetzt konzentriere sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen weitgehend auf Fußball, Motorsport und Berufsboxen. Mit einer weiteren Konzentration auf den Fußball würde es sich immer mehr von seinem Auftrag zur Grundversorgung entfernen.

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