ZDF vor Umbruch
"Kein Programm mehr heilig"

Hinter den Kulissen feilen die deutschen Fernsehsender eifrig an neuen Programmstrukturen, um sich für den Kampf um Marktanteile und Werbeeinnahmen zu wappnen.

HB/dpa HAMBURG. Vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender haben einige Löcher zu stopfen. Bei den privaten Stationen stehen besonders Quiz- und Talkshows auf der Abschussliste.



  • Vor einem großen Umbruch steht das

    ZDF

    . Der Mainzer Sender, hinter RTL und der ARD meist nur die Nummer drei, plant unter der Leitung des neuen Intendanten Markus Schächter die einschneidendsten Veränderungen.



    Auf dem Prüfstand steht die quotenschwache tägliche Nachmittagsshow "Risiko", die tägliche auch recht flaue Programmschiene nach dem "heute journal" und die Wochenenden. Kein Programm sei mehr heilig, heißt es intern im Sender. Auch Klassiker wie "Mona Lisa" stünden zur Disposition. Im Oktober will Schächter seine Planungen dem Fernsehrat zur Abstimmung vorlegen.



  • Die

    ARD

    muss ihre Löcher im Vorabendprogramm stopfen. Zwar hat sich "Das Quiz" mit Jörg Pilawa als Quoten-Stütze etabliert. Doch zwischen den Soaps "Verbotene Liebe" und "Marienhof" sowie Pilawas Ratespiel klafft eine Lücke, die Serien wie "Verdammt verliebt" und "Absolut das Leben" nicht schließen konnten.



    Nicht umsonst hat die ARD mit der Firma First Entertainment eine eigene Produktionstochter gegründet, die unter anderem geeignete Formate für die werberelevante Phase zwischen 18.45 und 19.15 Uhr entwickeln soll.

    Auch in werbefreien Zeiten wie nachmittags ab 14 Uhr muss Ersatz für die quotenträge "Wunschbox" gefunden werden. Die Abstimmung zwischen Westdeutschem Rundfunk (WDR) und Südwestrundfunk (SWR) für eine Neuentwicklung lässt auf sich warten.



  • Andere Sender waren schneller mit ihren Entscheidungen.

    RTL

    schickt bereits am 2. September zwei neue Gerichtsshows ins Rennen, weil die Marktanteile am Nachmittag durch die starke SAT.1- Konkurrenz mit zwei Gerichtsshows abgebröckelt sind. Dann verschwinden die Wiederholungen der Polizeiserie "Die Wache" um 15 Uhr.



    Bärbel Schäfer, vorletzte Talkerin des Senders, die sich momentan auf Schmusekurs mit dem ZDF befindet, verabschiedet sich zum Herbst. Sie brachte im "Time Slot" um 14 Uhr zuletzt in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer zu wenig Marktanteile zustande.



  • Mehr Aufräumarbeit hat

    SAT.1

    zu bewältigen. Eine von Christian Clerici moderierte tägliche "Quizshow"-Ausgabe (18 Uhr) wird durch Marco Ströhleins Comedy "Was denkst denn Du?" ersetzt.



    Auch die zweite "Quizshow" um 19.40 Uhr wackelt. Die Showsendeplätze am Freitag- und am Sonntagabend müssen aufgemöbelt werden. Zu diesem Zweck hat der Berliner Privatsender - er machte mit 77 Millionen Euro den höchsten Verlust der großen Anbieter im vergangenen Jahr - bereits RTL-Unterhaltungschef Matthias Alberti aus Köln weggelockt.

    SAT.1 setzt außerdem auf neue Serien, vor allem im Krimi- und Familienbereich, und schickt daher im Winter mehrere Pilotfilme mit Option auf Ausbau zur Serie ins Rennen.



  • Bleibt noch der krisengeschüttelte Sender

    ProSieben

    , der in die dritte Liga der Senderlandschaft abzudriften droht. Bei ihm steht der ganze Nachmittag inklusive des letzten Talks ("Arabella Kiesbauer") auf dem Spiel und das Image als US-Film- und Seriensender. Hauptversorger Leo Kirch hat dem Sender schon längst nicht mehr die Materialfülle zukommen lassen wie einst - und der zur RTL Group gehörende Sender Vox, einer der wenigen mit Gewinn im ersten Halbjahr 2002, hat mit frischer US-Ware längst zu ProSieben aufgeschlossen.



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