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ZDF will Fußball billiger

In Mainz nimmt Markus Schächter, neuer Chef von Europas größtem TV-Sender, den Ball in Sachen Fußball-Weltmeisterschaft auf. "Wir zahlen in Deutschland 100 % zu viel für Sportrechte", bekennt der ZDF-Chef im vertrauten Kreis.

Das will er ändern. Der Fußball-Weltverband Fifa wird sich daher auf härtere Zeiten einstellen müssen. Schächter und sein leidgeprüfter ARD-Kollege Fritz Pleitgen haben Fifa-Präsident Joseph Blatter bei einem Treffen in Frankfurt bereits klar gemacht, wie die Welt nach einem Ende des Kirch-Monopols bei der WM-Vermarktung aussehen könnte. "Wir wollen mehr Spiele für weniger Geld", heißt Schächters Doktrin. Er will nicht nur einen guten Preis, sondern auch den großen Deal. Daher sollen neben der WM 2002 und 2006 auch die WM 2010 in ARD und ZDF laufen. Sie wird in Europa oder Südafrika ausgetragen - attraktiv fürs Fernsehen, denn Zeitunterschiede gibt es diesmal nicht. Schächter will zudem bei der Sportrechtevermarktung neue Wege gehen.

Internationalisierung heißt die Devise. Derzeit laufen Gespräch mit dem französischen Fernsehsender TF1. Das börsennotierte TV-Unternehmen - Inhaber von Eurosport - soll an der ARD/ZDF-Rechteagentur Sport A beteiligt werden.

Kuriose Zeiten: Die früher von der Fifa belächelten Öffentlich-Rechtlichen und ihr länderübergreifender Verband, die European Broadcasting Union (EBU), sind in der Medienkrise plötzlich wieder willkommene Partner für die Fußballverbände. Adieu Leo Kirch! In Zeiten, in denen die TV-Werbung am Boden liegt, gelten gebührenfinanzierte Sender als die verlässlichen Dukatenesel für Rechteinhaber. Auch steuerlich lohnt sich dieser Kunde für die FIFA. Denn das Geld fließt über die EBU und die hat ihren Sitz in der Schweiz. Wo sonst?

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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