Zehn Jahre digitaler Mobilfunk
Handy-Geburtstag ohne Jubelfeier

Der liebste Begleiter der Bundesbürger heißt Nokia, Ericsson oder Siemens. Das digitale Handy hat binnen zehn Jahren nach seinem Start im Juni 1992 mit seinem unaufhaltsamen Siegeszug das Alltagsleben und die Wirtschaft verändert.

dpa DÜSSELDORF. Zum Jubiläum knallen aber in der Telekommunikations-Branche keine Sektkorken: Zwar blicken Handy-Produzenten und Netz-Betreiber stolz auf über 56 Millionen Kunden in Deutschland. Doch der fast abgedeckte Markt, ein Rucksack voller Schulden und die wackeligen ersten Schritte des neuen Babys UMTS lassen die Netzbetreiber zittern.

"Die Zukunft steht und fällt mit den UMTS-Inhalten. Nüchtern betrachtet, werden von den sechs Anbietern nur vier überleben", sagt Markus Sander vom Münchner Bankhaus Sal. Oppenheim. Er prophezeit einen scharfen Wettbewerb um die besten Plätze in der drahtlosen Welt von morgen.

In der letzten Juniwoche 1992 hatten in Düsseldorf die Ingenieure von Mannesmann D2 (heute Vodafone) auf den Sendeknopf gedrückt und den Siegeszug des digitalen "Global System for Mobile Communication" (GSM) gestartet. Ein paar Tage später folgte in Bonn die Deutsche Telekom mit ihrem D1-Netz. Neben den Marktführern etablierten sich noch E-Plus und Viag (heute O2).

Wer damals als einer der ersten Geschäftskunden ein GSM-Handy kaufte, erntete Hohn und Spott für die ziegelsteingroßen "Knochen". Zu schwer, zu schwache Akkus und zu teuer, kritisierten die Experten. Der dann einsetzende Boom übertraf alle Prognosen. Bimmelten 1998 in der Straßenbahn, beim Friseur oder auf dem Schulhof erst 14 Mill. Handys, hatten zwei Jahre später schon 48 Mill. Deutsche den mobilen Wunderkasten in der Jackentasche. Statistisch gesehen haben inzwischen sieben von zehn Bundesbürgern ein Handy.

Besonders Teenager stürzten sich auf die kleinen und leistungsstarken Endgeräte. Lehrer raufen sich seitdem die Haare, wenn bei Klassenarbeiten per SMS-Textbotschaft blitzschnell geschummelt wird. Liebesschwüre kritzeln die Teenies im Handy- Zeitalter nicht mehr aufs Papier, sondern senden sie der Angebeteten direkt aufs Display. Schuldenberater warnen, dass Jugendliche heute im Schnitt jeden Monat 25 Euro für die Handy-Rechnung berappen.

Eine aktuelle Umfrage der Allensbach-Meinungsforscher ergab, dass Mobiltelefone nach Geldautomaten und Mikrowellen die wichtigsten technischen Errungenschaften im Alltag sind. Britische Forscher sind überzeugt, dass Designer-Handys die Zigarette als Symbol der Coolness ersetzen könnten.

"Das Konzept der Telefonzelle in der Hosentasche war der Schlüssel zum GSM-Erfolg", meint der Sprecher der Bonner Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, Harald Dörr. Auch UMTS könne allen Unkenrufen zum Trotz ein Renner werden: "Vom Großunternehmer bis zum Bäcker will keiner mehr auf die mobile Datenübertragung verzichten."

Damit der GSM-Boom auch die neue Mobilfunk-Generation beflügelt, sollten die UMTS-Anbieter aber nach Ansicht von Verbraucherschützern die Kunden nicht nur mit bunten Bildern, sondern auch mit Sonder- Tarifen ins Boot holen. "Die Preise müssen auf dem Teppich bleiben, sonst erleben wir Flops wie bei WAP und keiner wechselt zu UMTS", mahnt der Chef des Deutschen Verbands für Post und Telekommunikation, Manfred Herresthal.

Die Netzbetreiber stehen enorm unter Druck: Die Lizenzgewinner Vodafone, Telekom, E-Plus, O2 (Viag), Mobilcom und Quam haben vor zwei Jahren einen hohen Eintrittspreis in das angebliche Wunderland UMTS gezahlt. Bei der teuersten Auktion aller Zeiten legten sie insgesamt 50,8 Mrd. Euro auf den Tisch des Bundesfinanzministers.

Auch wenn der Massenstart von UMTS wohl später als einst gedacht erfolgen wird, bauen die Anbieter auf die dritte Mobilfunk-Generation in Deutschland. Wie heute ABS beim Auto, werde beim Handy "künftig UMTS serienmäßig sein", meint der Chef der Deutschen Telekom, Ron Sommer.

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