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Zehn Jahre „Kaiser“-Zeit beim FC Bayern

Franz Beckenbauer war sein Jubiläum am 14. November gar nicht bewusst - und ein Jahrzehnt als Präsident des FC Bayern München war ursprünglich auch gar nicht eingeplant.

dpa MÜNCHEN. Franz Beckenbauer war sein Jubiläum am 14. November gar nicht bewusst - und ein Jahrzehnt als Präsident des FC Bayern München war ursprünglich auch gar nicht eingeplant.

"Damals war es klar, dass es eine Übergangslösung ist", sagte der 59-Jährige. Doch aus der dritten "Kaiser"-Zeit des ehemaligen Bayern-Spielers und-Trainers wurde beim deutschen Fußball-Rekordmeister schließlich doch eine Dauerlösung. "Mit vielen Highlights und Erfolgen", wie Beckenbauer stolz bilanziert.

Es war 20.42 Uhr am 14. November 1994, als der "Kaiser" beim FC Bayern in Amt und Würden war. Mit der überwältigenden Mehrheit von 99,45 Prozent der Stimmen wählten die anwesenden 2 928 Mitglieder den damaligen Vizepräsidenten zum Nachfolger von Fritz Scherer. "Ich bin kein Gaukler", rief Beckenbauer, gekleidet in ein bräunliches Sakko mit einer bunt gepunkteten Krawatte, den jubelnden "Untertanen" zu.

Schon die Inthronisierung der "Lichtgestalt" sprengte Grenzen: Erstmals hatte der FC Bayern für eine Jahreshauptversammlung (JHV) die riesige Münchner Olympiahalle angemietet. 140 Journalisten waren akkreditiert, das Bayerische Fernsehen übertrug das Spektakel teilweise live. Damals zählte der FC Bayern 33 333 Mitglieder und konnte einen Umsatzrekord von 37,99 Mill. Euro vermelden. Zehn Jahre später erwartet der Club in Kürze sein 100 000. Mitglied und konnte bei der dritten Wiederwahl Beckenbauers vor einem Jahr eine Umsatz-Bestmarke von 162,7 Mill. Euro ausweisen. Auch wenn die Zeiten der Millionen-Gewinne vorbei sind, steht das vergangene Jahrzehnt eindeutig für Erfolg. "Der FC Bayern hat sich in dieser Zeit wirtschaftlich und sportlich in Europas Elite gespielt und stabilisiert", betonte Beckenbauer.

Weltpokal und Champions League (beides 2001) wurden gewonnen, fünf Meisterschaften und drei DFB-Pokalsiege gefeiert. Und als der Trainer der Meistersaison 1994 und ehemalige DFB-Teamchef kurz rückfällig wurde und 1996 für den entlassenen Otto Rehhagel als Interimstrainer einsprang, krönte er die einen Monat währende Amtszeit als Präsident und Coach mit dem Gewinn des Uefa-Pokals.

Gemeinsam mit dem heutigen Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge und Manager Uli Hoeneß etablierte Beckenbauer den FC Bayern als das Machtzentrum im deutschen Fußball. Als schwierigste Zeit sind ihm die frühen 90er Jahre in Erinnerung geblieben, als er zunächst als Vizepräsident zahlreiche Trainerentlassungen (Heynckes, Lerby, Ribbeck, Rehhagel) mit zu verantworten hatte. "Erst mit Ottmar Hitzfeld ist wieder Stabilität in die Mannschaft gekommen", sagte er.

Im Zuge der Umstrukturierung in eine AG wurden zwar Risse in dem Triumvirat offenbar, aber seit der "Kaiser" sich als Vereinspräsident und Aufsichtsratschef der AG aus dem Tagesgeschäft verabschiedet hat und er in erster Linie mit der Organisation der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 beschäftigt ist, sind die Reibungsverluste wieder geringer geworden. Die Umwandlung in die AG und den Bau des neuen Münchner Fußball-Stadions, der ohne seine erfolgreiche WM-Bewerbung Utopie geblieben wäre, sieht Beckenbauer als wichtigste Bausteine für die Zukunft des Clubs an. "Das haben wir geschafft. Damit ist die Basis für die nächsten Jahrzehnte geschaffen."

Gefürchtet waren und sind die "kaiserlichen Störfeuer", vor denen auch beim FC Bayern in den vergangenen zehn Jahren keiner sicher war und ist. Ob als "Bild"-Kolumnist, Fernsehexperte oder eben als Vereinspräsident, die Macht seiner Worte bekamen schon viele zu spüren - auch die Bayern-Profis: Unvergessen ist die legendäre Brandrede Beckenbauers nach der 0:3-Niederlage des Rekordmeisters im Frühjahr 2001 gegen Olympique Lyon, als er Effenberg und Co. beim Bankett als "Altherrenfußballer" verhöhnte, die sich einen anderen Beruf suchen sollten. Drei Monate später war der FC Bayern Champions-League-Sieger.

Wenn die Bayern-Profis in Bochum um Bundesliga-Punkte kämpfen, wird Beckenbauer das Spiel höchstens am Fernsehen verfolgen. Auswärts ist er schon länger nur noch ganz selten dabei, außerdem machen ihm drei gebrochene Rippen derzeit schwer zu schaffen. Vier Monate nach der WM läuft 2006 Beckenbauers vierte Amtszeit als Bayern-Präsident ab. Ob es noch eine fünfte gibt? Schaun 'mer mal.

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