Zehn Jahre nach der Wiedervereinigung sind Sachsen und Thüringen Standorte für viele innovative Unternehmen
Ostdeutsche Firmen holen an der Börse auf

Die Zahl der ostdeutschen Unternehmen, die an der Börse notiert sind, ist übersichtlich. Doch Experten halten sie erst für die Spitze des Eisbergs, ihre Zahl könnte sich in den kommenden beiden Jahren verdreifachen. Aktiv sind die jungen Ost-Firmen vor allem in der Biotechnologie und in der IT-Branche.

DÜSSELDORF. Deutschland ist zweigeteilt: nicht mehr in Ost und West, sondern in Nord und Süd. Genau wie Niedersachsen und Schleswig-Holstein ist auch Mecklenburg-Vorpommern börsentechnisch ein Niemandsland. Dagegen sind Sachsen und Thüringen mit den Standorten Leipzig und Jena ein Tummelplatz für junge Unternehmen aus der IT-Branche. Im Schatten von Schwergewichten wie Jenoptik oder Intershop sind hier zahlreiche junge Existenzen entstanden, die nun an den Neuen Markt streben. "Es ist bereits eine Menge getan worden. Jetzt muss man warten, dass die Pflanzen wachsen, die man begossen hat", sagt Martin Braun, verantwortlich für das Aktienemissionsgeschäft bei der Sachsen LB.

Gefördert werden die Unternehmen vor allem durch Subventionszahlungen und mit Venture-Capital von Privatleuten und Banken. Rund 30 Beteiligungen hält allein die Sachsen LB. In diesem Jahr rechnet Braun mit etwa zehn Neuemissionen aus Ostdeutschland, im kommenden Jahr hält er eine Verdoppelung für möglich.

Auch Michael Saß, Referent beim Ostdeutschen Bankenverband, sagt: "Erst die Spitze des Eisberges ist am Neuen Markt." Nach einer Untersuchung des Verbandes haben derzeit 26 Unternehmen, die an der Wachstumsbörse gehandelt werden, ihren Sitz in den neuen Bundesländern und Berlin. In den kommenden beiden Jahren soll sich diese Zahl laut Saß verdoppeln oder sogar verdreifachen.

Andreas John, Teamleiter mittelständische Aktienemissionen bei der DG Bank, ist dagegen zurückhaltender: "Die Anzahl ostdeutscher Unternehmen an der Börse wird wachsen, aber nicht explosionsartig." Das Potenzial sei zwar vorhanden, aber viele junge Unternehmen gäben sich vorerst mit einer Finanzierung durch Venture Capital zufrieden.

Die ersten Erfahrungen ostdeutscher Firmen mit der Börse waren nicht gerade positiv. Den Anfang machte die Firma Sachsenmilch, die aus dem VEB Kombinat Milchwirtschaft Dresden hervorgegangen ist. Die Erstnotierung erfolgte am 7. Januar 1992, der Ausgabekurs betrug 80 DM. Der Aktienkurs ging jedoch schnell auf Talfahrt, das Unternehmen steckte in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Im Sommer 1993 musste es dann Antrag auf Gesamtvollstreckung stellen. Übrig geblieben ist ein Haufen klagender Kleinaktionäre.

Erst 1998 folgte mit Jenoptik, Intershop und Lintec die nächste große Emissionsreihe aus Ostdeutschland. "Es gab einen time-lag in den neuen Ländern", sagt Saß vom Bankenverband. Die Forschungslandschaft sei nach 1990 komplett umgewälzt worden, dadurch verzögerte sich die Gründung neuer Unternehmen im Umfeld der Universitäten.

Auch die großen, volkseigenen Betriebe wurden - von der Sachsenmilch abgesehen - nach der Wende nicht an die Börse gebracht, sondern an westliche Investoren verkauft. "Das war die richtige Entscheidung, denn es gab damals im Osten weder Management noch Marktkenntnisse", sagt Franz-Josef Leven, Volkswirt beim Deutschen Aktieninstitut. Inzwischen stellt Leven eine immer größere Angleichung bei den Wirtschaftsverhältnissen und im Finanzierungsverhalten fest. "Das Know How ist stark gestiegen. Es gibt eine Menge versierter Unternehmen in Ostdeutschland", bekräftigt John von der DG Bank.

Auch die Universitäten haben den Wandel längst geschafft: "Die Hochschulen im Osten sind heute sehr gut ausgestattet", urteilt Saß, Referent beim Ostdeutschen Bankverband. Inzwischen seien sie sogar Anziehungspunkt für viele junge Professoren und Studenten aus dem Westen. "Die Zufriedenheitsquote ist hoch, und die Studenten sind gut ausgebildet." Ein Sprungbrett in die Selbstständigkeit.



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