Zehn Länder streben in Richtung EU
Zwischen Kommerz und Korruption

Polen ist wichtiger als China, Tschechien nimmt es locker mit Russland auf - in der europäischen Export-Statistik stehen mehrere EU-Kandidatenländer auf den vorderen Plätzen. Der stetig wachsende Warenaustausch mit jenen zehn Staaten, die im Jahr 2004 Mitglied der Europäischen Union werden sollen, belegt die wirtschaftliche Annäherung. "Eine solche Handelsverflechtung wäre ohne die Beitrittsperspektive kaum vorstellbar", betont EU- Erweiterungskommissar Günter Verheugen.

HB/dpa BRÜSSEL. Gern weist der deutsche Kommissar auch auf die Gewinner dieser Entwicklung hin: "Bereits seit 1990 verzeichnen wir in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und den Beitrittsländern regelmäßig Handelsbilanzüberschüsse", sagte Verheugen beim jüngsten Jahresempfang der Industrie- und Handelskammer in Frankfurt. "Nach neuen Untersuchungen sichern diese Überschüsse allein in Deutschland heute schon rund 100 000 Arbeitsplätze." Und die Nachfrage nach deutschen Investitions- und Konsumgütern werde aktuellen Studien zufolge in den Beitrittsländern weiter steigen.

Beispiel Polen: Im größten Kandidatenland mit seinen mehr als 38 Millionen Einwohnern haben deutsche Firmen wie Volkswagen, Opel und Bosch in Fabriken investiert. Ein Grund dafür waren die niedrigen Lohnkosten jenseits der Oder, ein anderer die Erschließung neuer Märkte. Der Rewe-Konzern betreibt die größte Ladenkette im Land. Waren im Wert von 18,3 Milliarden Euro führten die Polen in den ersten acht Monaten dieses Jahres in die EU aus. Doch ihre Importe aus den 15 EU-Staaten lagen mit 24,4 Milliarden Euro im gleichen Zeitraum noch deutlich höher.

Polen gehört aber auch zu jenen Kandidatenländern, in denen die Korruption immer noch ein erhebliches Problem darstellt. Ähnliches haben die EU-Kommission und das Europa-Parlament in ihren jüngsten Beitrittsberichten auch für Lettland, Litauen, Malta, die Slowakei, Tschechien und Ungarn festgestellt. Das erschwere die Geschäfte, räumte auch der Ostausschuss der deutschen Wirtschaft Mitte November ein. Unlautere Geschäftspraktiken nähmen aber mit zunehmender Rechtssicherheit ab - auch deshalb dringt die EU auf Verbesserungen im Justizsystem der Kandidatenländer.

Bestechlichkeit der Beamten ist nur eines der Probleme, das vor dem Beitritt noch zu lösen bleibt. So sieht die dänische EU-Präsidentschaft gar die Aufnahme von Malta gefährdet, wenn die Mittelmeerinsel nicht rasch ihr Subventionssystem für die lokale Wirtschaft an die EU-Regeln anpasst. Die Mahnung aus höchsten Regierungskreisen in Kopenhagen zeigt: Selbst ein vergleichsweise reiches Kandidatenland könnten im Rennen zum Beitritt noch auf der Zielgeraden über wirtschaftliche Probleme stolpern.

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