Zehn-Monats-Hoch von 106,65 Yen in Fernost
Euro rutscht bei dünnen Umsätzen unter 0,93 $

Nach Einschätzung von Analysten wird der Euro bis zum Jahresende bei weiter umsatzschwachem Handel in einer engen Spanne um die Marke von 0,93 $ pendeln.

rtr FRANKFURT. Der Euro ist bis zum frühen Donnerstagnachmittag bei geringen Umsätzen unter die Marke von 0,93 $ gerutscht. Gegen 13.50 Uhr notierte er mit 0,9280/84 $ etwa einen Viertel US-Cent unter seinem New Yorker Vortagesschlusskurs. Bis zum Jahresende wird die Gemeinschaftswährung nach Einschätzung von Analysten bei weiter umsatzschwachem Handel in einer engen Spanne um die Marke von 0,93 $ pendeln. Weiterhin stark angeschlagen ist der Yen, der unter der anhaltenden Unsicherheit über die Erholung der japanischen Wirtschaft leidet. Der Euro kletterte in Fernost auf ein neues Zehn-Monats-Hoch von 106,65 Yen, schwächte sich dann aber wieder etwas auf 106,36/41 Yen ab. Auch der $ notierte stabil mit 114,58/63 Yen nach einem neuen 16-Monats-Hoch von 114,71 Yen.

Im Referenzkurs öffentlicher Banken wurde der Euro am Donnerstag mit 0,9283 $ nach 0,9311 $ am Vortag festgelegt. Ein $ kostete damit umgerechnet 2,1069 DM.

Gewinnmitnahmen verhindern größere Kursgewinne

Gewinnmitnahmen werden in den kommenden Tagen Händlern zufolge größere Kursgewinne der Gemeinschaftswährung verhindern, so dass sie bei 0,9350 $ an ihre Grenzen stoße. In der kommenden Woche könne der Euro die Hürde jedoch überwinden und auf 0,94 $ steigen, erwartete ein Händler. Dann sei allerdings wieder mit einer Korrektur zurück auf 0,92 $ zu rechnen. In dieser Woche sehen die Analysten geringe Kursrückgänge bis auf Werte um 0,9250 $.

Der Euro wird nach Analystenangaben vor allem von weiter abnehmenden Sorgen um die Inflationsgefahren in der Euro-Zone getragen. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, hatte der Börsen-Zeitung (Donnerstagsausgabe) gesagt, dass die Bedrohungen für die Preisstabilität in der Euro-Zone abnähmen. Auch zur Entwicklung der Gemeinschaftswährung äußerte er sich zuversichtlich: "Ich bin sicher, die Kurskorrektur wird kommen."

Yen weiter unter Druck

Der Yen stand am Donnerstag am dritten Tag in Folge unter Druck. Neben den zuletzt schwachen Konjunkturdaten und Kursverlusten am Aktienmarkt in Tokio führten Händler Äußerungen des stellvertretenden japanischen Finanzministers für internationale Angelegenheiten, Haruhiko Kuroda, an. Dieser hatte die jüngste Schwäche der Währung als "nicht falsche Bewegung" angesichts der Wachstumsdifferenz zwischen Japan und den USA bezeichnet. Der Euro habe gegenüber dem Yen weiteres Erholungspotenzial.

"Die japanische Wirtschaft scheint in einer Rezession zu kollabieren, und die Regierung redet die Währung herunter. Der Yen ist deshalb eine klare Abwärtswette", sagte Giorgio Radaelli, Analyst von Bank One in London. Nach Einschätzung von Händlern hat die japanische Regierung Interesse an einem schwächeren Yen, um die Exportwirtschaft des Landes anzukurbeln. Als erwünschte Kursspanne wurden am Markt in Tokio Spannen von 115 bis 120 Yen pro $ und 110 bis 120 Yen pro Euro genannt.

Rückläufige Verbraucherausgaben

In Japan hatte eine Reihe Konjunkturdaten in den vergangenen Tagen die Ansicht an den Finanzmärkten unterstrichen, dass die wirtschaftliche Erholung des Landes schon wieder vorüber sei. Rückläufige Verbraucherausgaben und Einzelhandelsumsätze hatten erneut dokumentiert, dass der private Konsum in Japan nicht auf die Beine kommt. Ein unerwartet starker Rückgang der Industrieproduktion im November um 0,8 % hatte darauf hingedeutet, dass auch der bisherige Konjunkturmotor Industrie ins Stottern kommt. Führende Analysten haben ihre Erwartungen für die in diesem Jahr eingesetzte wirtschaftliche Erholung bereits nach unten revidiert und halten eine erneute Rezession für möglich.

Japanische Anleger lösten inzwischen ihre Hedge-Position gegen einen starken Yen auf. Händlern zufolge sind außerdem Carry-Trades zu beobachten - Investoren verschuldeten sich zu den fast Null betragenden Zinsen in Yen und legten das Geld zu höheren Zinsen, besonders in der Euro-Zone an. "Das wird den Yen im Januar weiter schwächen", erwartet Radaelli.

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