Zehn Prozent der Anteile an der neuen HSH Nordbank AG können noch bis Ende April den Eigentümer wechseln: Landesbanken gemeinsam am Start

Zehn Prozent der Anteile an der neuen HSH Nordbank AG können noch bis Ende April den Eigentümer wechseln
Landesbanken gemeinsam am Start

Rückwirkend zum 1. Januar 2003 fusionieren die Landesbank Schleswig-Holstein und die Hamburgische Landesbank zur HSH Nordbank AG. Die Wahlniederlage der SPD in Hamburg brachte den Durchbruch für ein Institut, das bei Schiffsfinanzierungen Weltmarktführer wird. Eine weitere Bank könnte noch einsteigen.

HAMBURG. Dietrich Rümker ist ein vorausschauender Mensch. Der Anfang 2003 pensionierte Vorstandschef der Landesbank Schleswig-Holstein stellte 1997, kurz nach der Übernahme einer Minderheitsbeteiligung an der Hamburgischen Landesbank, diese Prognose: In fünf Jahren seien die LB Kiel und die HLB fusioniert, oder die LB Kiel habe ihren Anteil an der HLB mit Gewinn verkauft. Rümker sollte Recht behalten.

Rückwirkend zum 1. Januar entsteht aus der Fusion der LB Kiel und der HLB die neue HSH Nordbank AG. Die Notwendigkeit der Fusion erkannte der 1937 in Hamburg geborene Jurist Rümker früh. Auf die Gefahr, die den Landesbanken mit dem Wegfall von Anstaltslast und Gewährträgerhaftung droht, wies Rümker schon Anfang 1997 hin. Zu diesem Zeitpunkt war der 1994 von der WestLB nach Kiel gewechselte Rümker gerade 200 Tage im Amt als Vorstandsvorsitzender der LB Kiel.

Die in Schleswig-Holstein operierende LB Kiel hatte nur zwei Expansionsmöglichkeiten, analysierte Rümker: Nach Norden und nach Süden. Im Norden übernahm die LB Kiel das Kopenhagener Büro des Großaktionärs WestLB. Im Süden griff sie 1997 zu, als der SPD-regierte Hamburger Senat sich von 49,5 % an der Hamburgischen Landesbank trennen wollte. Mit 1,3 Mrd. DM war der Preis für eine Minderheitsbeteiligung zwar happig, aber die LB Kiel sicherte sich ein Vorkaufsrecht auf die restlichen 50,5 %. So stimmten in den Aufsichsgremien der schleswig-holsteinische Finanzminster Claus Möller ebenso dem Deal zu, wie der damalige Präsident des Sparkassenverbandes, Jürgen Miethke.

Schwieriger war die WestLB, die knapp 40 % an der LB Kiel hielt. WestLB-Chef Friedel Neuber fürchtete, die Kieler könnten zu autonom werden. Er musste überzeugt werden. Aber ohne den Zufall wäre die Fusion noch heute durch die Politik blockiert. Denn die Chemie zwischen den beiden SPD-geführten Regierungen in Kiel und Hamburg stimmte einfach nicht. Der Zufall war das Ergebnis der Hamburger Wahl im September 2001. Der SPD-Senat wurde in die Wüste geschickt.

Der neue Erste Bürgermeister Ole von Beust (CDU) harmoniert prächtig mit Heide Simonis und auch Finanzsenator Wolfgang Peiner (CDU), als ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Gothaer Versicherung, ein gestandener Finanzmanager, kommt mit dem Kollegen Möller in Kiel klar. Peiner zieht bei der Landesbank nüchtern Bilanz: "Bei der Landesbank gab es nach dem Verkauf von 49,5 % nur noch die Option, auch den Rest an Kiel abzugeben. Wir haben eine Fusion beider Institute vorgezogen."

Mit einem Doppelsitz in Kiel und Hamburg und der akribisch geregelten Aufteilung der Kompetenzen zwischen den beiden Städten wurde den Bedürfnissen der beiden Bundesländer Rechnung getragen. An der Spitze der neuen Bank wird Alexander Stuhlmann stehen, bislang Vorstandsvorsitzender in Hamburg, den stellvertretenen Vorstandsvorsitz erhält Hans Berger, derzeit Chef in Kiel. "Mit der Fusion entsteht eine ertragstarke Bank mit einer Bilanzsumme von 200 Mrd. Euro und 4000 Beschäftigten", resümiert Peiner. In drei Jahren will er ohne betriebsbedingte Kündigungen jährlich 150 Mill. Euro Kosten sparen.

Die HSH Nordbank wird sich neben der von der Politik vorgegebenen Verankerung bei den mittelständischen Kunden der Region vorrangig auf die Geschäftsfelder Schiffs- und Transportfinanzierung, Immobilienfinanzierungen, Leasingrefinanzierung und Credit Investments konzentrieren. In der Schiffsfinanzierung ist sie weltweit die Nummer Eins. "Hier kennen wir die Märkte und die relevanten Adressen besser, als die meisten unserer Wettbewerber," sagt Stuhlmann.

Vor der Fusion hat Anteilseigener Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) seine 10 % an der LB Kiel für 212 Mill. Euro an Hamburg, Schleswig-Holstein und den Sparkassenverband SGV teuer verkauft. Damit gehört die HSH-Nordbank zu 35,38 % dem Land Hamburg, zu 26,86 % der WestLB, zu 19,55 % Schleswig-Holstein und zu 18,21 % dem SGV. Die beiden Länder und der SGV haben sich verpflichtet, die Mehrheit mindestens zehn Jahre zu halten. "Unter Ratingaspekten ist dies Charming", sagt Rümker.

Bis zum 30. April dürfen die drei Erwerber das LBBW-Paket ohne Auflagen weiterveräußern. Ein neuer Partner dürfte mindestens die vollen 10 % für eine Mitsprache im Aufsichtsrat anstreben. Als Dauerinteressenten gelten die Swedbank - mit der weiter gesprochen wird - sowie längerfristig, die NordLB.

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