Zehn-Stadien-Lösung ökonomisch eindeutig vorzuziehen
WM 2006: Volkswirtschaftlicher Verlust in Milliardenhöhe möglich

In einer bisher unveröffentlichen Studie mahnen Wirtschaftswissenschaftler ökonomische Kriterien bei der Bewerbersauswahl für die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland an.

Hannover, Nürnberg, Mönchengladbach, Leipzig und München reichen heute als letzte Städte ihre Bewerbungen beim Organisationskomitee (OK) der Fußball-WM 2006 ein. Fifa und das OK müssen nun die insgesamt 16 Städte bis wahrscheinlich April 2002 auf die endgültigen zehn bis zwölf Spielorte reduzieren. Doch welche und wie viele? Schon 1997 hatten Forscher der Universität Paderborn für den DFB untersucht, welche wirtschaftlichen Auswirkungen eine WM 2006 auf Deutschland hätte. Nun, nachdem von anfangs 24 noch 16 Bewerber übrig sind, kann die aktualisierte Modellrechnung neue Erkenntnisse liefern.

Neben den politisch "gesetzten" Berlin (473 Millionen Mark Investitionskosten), Leipzig (177 Millionen), Dortmund, Gelsenkirchen, Hamburg, München (ca. 400 Millionen geplant) gilt es vier bis sechs weitere Standorte zu benennen.

Eine Variante wäre, Städte mit einem möglichst geringen Investitionsrisiko auszuwählen: also auf eine hohe Stadionkapazität, eine große Fußballnachfrage und gut ausgebaute lokale Infrastruktur bei relativ geringen zusätzlichen Investitionen zu achten. Nach unseren Überlegungen wären dies bei zehn Spielorten Bremen (55 Millionen), Kaiserslautern (94,5 Millionen), Köln (215 Millionen) und Stuttgart (102 Millionen). Diese Auswahl würde selbst bei unterstellten ungünstigsten Rahmenbedingungen erst acht Jahre nach der WM einen nur niedrigen gesamtwirtschaftlichen Verlust verursachen. Dieser läge 2015 bei rund 190 Millionen Mark. Zusätzlich ermöglicht diese Auswahl ein Mindestmaß an regionaler Verteilung. Viele Stadien auf engem Raum erschweren es den Stadionmanagern, auch in Zukunft zusätzliche Erlöse durch außersportliche Veranstaltungen zu erzielen.

Zehn-Stadien-Lösung eindeutig besser

Eine zweite Möglichkeit wäre, Spielstätten zu bevorzugen, die die größten Zukunftspotenziale für den Fußball und die Stadtentwicklung bieten. Dann sollten Standorte mit ambitionierten Stadionneubauten sowie kleinere und peripher gelegene Städte unterstützt werden - als strukturpolitisches Instrument. In unseren Berechnungen könnten dies Düsseldorf (360 Millionen), Frankfurt (246 Millionen), Mönchengladbach (155 Millionen) und wegen des neuen Stadions wiederum Köln sein. Unter dem politischen Gesichtspunkt sollten dann auch mehr als zehn Städte berücksichtigt werde, so dass etwa Nürnberg (123 Millionen) und Kaiserslautern dabei sein könnten. Die Ergebnisse verdeutlichen aber das mit einer solchen Auswahl verbundene Risiko: Bei pessimistischen Erwartungen droht ein volkswirtschaftlicher Verlust schon vier Jahre nach der WM, der bis 2015 auf rund eine Milliarde Mark anwüchse. Zwölf Stadien bedeuten weniger Spiele pro Stadion bei steigenden Gesamtinvestitionen.

Fazit: Unter mittleren bis günstigen Rahmenbedingungen steht kein Ungemach ins Haus. Die WM könnte einen gesamtwirtschaftlichen Beitrag von bis zu sechs Millarden Mark liefern. Wenn uns jedoch eine Rezession drückt, der Euro nicht in Fahrt kommt, die Fußballnachfrage leidet etc., dann könnte sowohl eine entwicklungspolitisch orientierte Auswahl der Spielorte sowie die größere Anzahl von zwölf Stadien das Ergebnis insgesamt und speziell für schwache Regionen gefährden.

Somit sind gut vorbereitete Städte und die Zehn-Stadien-Lösung ökonomisch eindeutig vorzuziehen.

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Bernd Rahmann ist Professor für Finanzwissenschaft an der Universität Paderborn, Markus Kurscheidt Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Sportmanagement der Ruhr Bochum. -Universität

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