Zehntausende Anhänger des Ex-Präsidenten auf der Straße
Estrada wird wegen Massenprotesten in anderes Gefängnis gebracht

Angesichts der Massenproteste für die Freilassung des philippinischen Ex-Präsidenten Joseph Estrada soll der prominente Häftling in ein anderes Gefängnis gebracht werden.

afp MANILA. Ein Gericht in der Hauptstadt Manila gab am Freitag dem Antrag der Polizei auf Verlegung Estradas statt. "Es wird Krieg geben, wenn die Demonstranten versuchen, (Estradas Gefängnis) Camp Crame zu stürmen", warnte Polizeichef Leandro Mendoza. In der Nacht hatten sich nach Polizeiangaben 60 000 Anhänger Estradas im Zentrum Manilas versammelt und seine Freilassung gefordert. Der Ex-Präsident war Mitte Januar nach Massenprotesten gestürzt und am Mittwoch wegen Korruptionsverdachts verhaftet worden. Zentralbankchef Rafael Buenaventura sprach angesichts der Proteste von "politischer Instabilität". Die Börsenkurse gaben leicht nach, der Peso fiel.

Das Gericht in Manila gab keinen Zeitpunkt für die Verlegung Estradas bekannt. Polizeichef Mendoza sagte, Estrada werde in eine extra für ihn gebaute Haftanstalt rund 70 Kilometer südlich von Manila gebracht. Das staatliche Fernsehen berichtete, der 64-Jährige werde bereits am Samstag in ein abgelegenes Trainingslager der Polizei südlich der Hauptstadt verlegt.

Die Anhänger Estradas versammelten sich wie bereits in der Nacht zum Donnerstag rund um die Marienstatue auf der Straße Epifanio de los Santos. Sie schwenkten Plakate mit Aufschriften wie "Lasst Estrada frei" oder "die Macht den Armen". Hunderte von Polizisten und Soldaten waren abkommandiert, schritten aber nicht ein. Das Gefängnis, in dem Estrada sitzt, ist nur rund zwei Kilometer entfernt.

Die Marienstatue auf der Epifanio de los Santos ist ein symbolträchtiger Ort: Dort hatten sich im Januar Hunderttausende versammelt und mit ihren Protesten den Rücktritt Estradas erzwungen. Auch die Massendemonstrationen gegen den ehemaligen Diktator Ferdinand Marcos fanden 1986 dort statt. Der Zulauf zu den Kundgebungen für Estrada hat die philippinische Regierung unter Präsidentin Gloria Arroyo überrascht. Ein Vertreter des Verteidigungsministeriums betonte aber, es gebe keinen Grund zur Beunruhigung, da die Armee "hundertprozentig" hinter der Regierung stehe. Estrada hatte vor seinem Sturz die Unterstützung der Armee verloren.

Dem Ex-Präsidenten, einem ehemaligen Schauspieler, wird "wirtschaftliche Plünderung" in Höhe von umgerechnet 174 Mill. DM (89 Mill. Euro) zur Last gelegt. Im Falle eines Schuldspruchs droht ihm die Todesstrafe. Estrada beklagte sich am Freitag erneut über die Haftbedingungen. "Er sitzt in einem Kerker", sagte sein Anwalt.

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