Zehntausende Arbeitsplätze auf dem Spiel
Lebensmittelbranche befürchtet weitere Einschnitte

Der Lebensmittelhandel und die Lebensmittelindustrie in Deutschland erwarten in diesem Jahr weitere Umsatzrückgänge in Handel und Lebensmittelindustrie. Zehntausende Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel, warnten die Branchenverbände am Mittwoch bei einer erstmals gemeinsam veranstalteten Unternehmertagung in Köln.

Reuters KÖLN. Der Vizepräsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Erivan W. Haub, und der stellvertretende Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Peter Traumann, riefen zu zügigen, durchgreifenden Reformen in Deutschland auf. Scharf kritisierten sie unter anderem Gesetzesvorhaben von Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne), deren Vorschläge sie als wettbewerbspolitische Eingriffe in den Markt bezeichneten.

Die Branchenkonjunktur werde 2003 ohne Impulse bleiben, erklärten HDE und BVE. In der Ernährungsindustrie sei mit einem erneuten Umsatzrückgang um rund ein Prozent zu rechnen, sagte Traumann. 2002 hatte sich der Umsatz um ein Prozent auf 125 Milliarden Euro verringert. HDE-Vizepräsident Haub sagte: "2002 war das schwärzeste Rezessionsjahr für den deutschen Einzelhandel." Inflationsbereinigt sei die Nachfrage um 4,2 Prozent zurückgegangen. 2003 sei mit einem erneuten Minus von Minus 2,5 Prozent zu rechnen. Mindestens 20 000 weitere Arbeitsplätze gingen dadurch verloren.

Das von Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) in Gang gebrachte Zwangspfand auf Dosen bezeichneten die Verbände als unzumutbaren staatlichen Eingriff. Sie forderten eine umgehende Freistellung von kartellrechtlichen Auflagen bei der umstrittenen Vergabe der so genannten Pfandclearing-Stelle an das Duale System Deutschland (DSD). Andernfalls würden in der Lebensmittelbranche ab Herbst mehr als 100 000 Arbeitsplätze verloren gehen und zahlreiche Unternehmen in den Konkurs getrieben, sagte Haub, der früher (korrekt) Chef der Tengelmann-Gruppe war.

Haub rief zu weit gehenden Lockerungen beim Arbeitsrecht auf. Es müsse möglich sein, mit den Beschäftigten individuelle Arbeitszeitmodelle auszuhandeln. "Wir werden am Konflikt mit den Gewerkschaften nicht vorbeikommen", sagte er unter dem Applaus von mehreren hundert Branchenvertretern.

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