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Zehntausende feiern Indiorebellen in Mexiko

Die Rebellen wollen jetzt so lange in Mexiko-Stadt bleiben, bis der Kongress das Indio-Gesetz verabschiedet hat.

dpa MEXIKO-STADT. Mehr als 100 000 Mexikaner haben die Indiorebellen der Zapatistischen Nationalen Befreiungsarmee (EZLN) bei ihrem Einzug in die Hauptstadt Mexiko-Stadt gefeiert. Mit einer Großkundgebung auf dem Zocalo, dem zentralen Platz der Metropole, endete am Sonntag (Ortszeit) ein zweiwöchiger Protestmarsch gegen die Diskriminierung der indianischen Ureinwohner, der "Subcomandante Marcos" und 23 weitere Kommandanten durch elf mexikanische Bundesstaaten geführt hatte. Als Hauptredner verlangte «Marcos» eine umgehende Verabschiedung eines Gesetzes über Autonomierechte für die zehn Millionen mexikanischen Indios. Dem mexikanischen Präsidenten Vicente Fox, der den Entwurf gleich nach Amtsantritt am 1. Dezember dem Kongress zugleitet hatte, warf "Marcos" vor, den Indios nicht zuhören zu wollen. "Mexiko, erlaube nicht, dass noch einmal die Sonne aufgeht, ohne dass in dieser Flagge ein Platz für uns, die wir die Farbe der Erde tragen, ist", schloss "Marcos", der selbst kein Indio ist, seine Rede in seiner bekannt poetischen Art. Die Guerillakomandantin "Esther" sagte, die Indianerinnen würden "als Frauen, als Ureinwohner und als Arme" dreifach diskiminiert. "Wir wollen keinen kleinen Laden, keinen VW-Käfer und auch keinen Fernseher, wir wollen, dass man unsere Rechte als Indios und Frauen anerkennt", sagte "Esther".

Indui-Gesetz soll verabschiedet werden

Die Rebellen wollen jetzt so lange in Mexiko-Stadt bleiben, bis der Kongress das Indio-Gesetz verabschiedet hat. Mit ihm sollen die 62 indianischen Ethnien Mexikos formell als Völker anerkannt werden. Das frühere Ziel ihrer Integration wird aufgegeben. Ihre Sitten und Gebräuche sollen bei Rechtsprechung und Wahl ihrer Autoritäten anerkannt und ihre Sprachen dem Spanischen gleichgestellt werden. Das Gesetz beruht auf einem 1996 zwischen der früheren Regierung und der EZLN unterzeichneten Abkommen, das aber nie umgesetzt wurde.

Die Zapatisten hatten sich am 1. Januar 1994 gegen Armut und Unrecht im südöstlichen Bundesstaat Chiapas erhoben. Trotz ihrer militärischen Schwäche erlangten sie politisches Gewicht, weil ihre Forderungen allgemein als legitim anerkannt wurden. Fox, der im vorigen Jahr als erster Oppositionspolitiker eine Präsidentenwahl gewonnen hatte, hatte sich seit seinem Amtsantritt bemüht, die seit 1996 unterbrochenen Friedensgespräche wieder in Gang zu bringen.

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