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Zehntausende Israelis demonstrieren gegen Abzug aus Gazastreifen

Tel Aviv/Gaza (dpa) - Der Widerstand gegen die Pläne des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon zur Aufgabe jüdischer Siedlungen und Armeeposten im Gazastreifen wächst. Laut Polizei demonstrierten etwa 130 000 Israelis mit einer rund 90 Kilometer langen Menschenkette dagegen.

Tel Aviv/Gaza (dpa) - Der Widerstand gegen die Pläne des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon zur Aufgabe jüdischer Siedlungen und Armeeposten im Gazastreifen wächst. Laut Polizei demonstrierten etwa 130 000 Israelis mit einer rund 90 Kilometer langen Menschenkette dagegen.

Die Protestierer reihten sich entlang einer Strecke von der Gaza-Siedlung Gusch Katif bis zur Klagemauer in Jerusalem auf. Israelischen Polizeiangaben zufolge blieb der Protest gegen die Pläne von Scharons aber leicht hinter den Erwartungen der Organisatoren zurück, die mindestens 150 000 Demonstranten erwartet hatten.

Nach einem neuen Wochenende der Gewalt im Gazastreifen wollte das palästinensische Parlament unterdessen in direkten Gesprächen mit Präsident Jassir Arafat eine Lösung der innerpalästinensischen Krise erzielen. Ein 14 Abgeordnete zählendes Komitee sollte Arafat am Montag auffordern, bestehende Beschlüsse des Parlaments für Reformen rasch umzusetzen.

Die Proteste gegen Korruption der Palästinenserführung waren am Samstag erneut eskaliert, als vermummte Mitglieder der radikalen Al- Aksa-Brigaden eine Polizeiwache südlich von Gaza stürmten und in Brand setzten. In Chan Junis besetzten etwa 250 El-Aksa-Mitglieder die dortige Verwaltung. Es handelte sich nach Behördenangaben um ehemalige Mitglieder der Sicherheitskräfte, deren Gehälter Arafat seit drei Tagen einbehalten hatte.

Am Sonntag erschossen Mitglieder einer israelischen Spezialeinheit sechs Palästinenser. Die Soldaten drangen als Palästinenser getarnt in die Stadt Tulkarem im Westjordanland ein und eröffneten das Feuer auf eine Gruppe von Extremisten. Sie sollen den Al-Aksa-Brigaden angehört haben. Wenige Stunden vorher hatte ein israelischer Kampfhubschrauber ein Haus in Gaza mit Raketen angegriffen. Dabei sei niemand verletzt worden, hieß es. Die israelische Arme teilte mit, das Haus sei von Mitgliedern der radikalislamischen Hamas-Bewegung zur Herstellung von Waffen benutzt worden. Ein 16-Jähriger Palästinenser sei am späten Sonntagabend bei einem Schusswechsel zwischen israelischen Soldaten und bewaffneten Palästinensern in Bet Chanun im nördlichen Gazastreifen getötet worden. Nach palästinensischen Angaben wurde der 16-Jähriger tödlich getroffen, als er zu Hause am Fenster stand.

Bei einer israelischen Razzia im Westjordanland nördlich von Ramallah wurden am späten Sonntagabend neun Palästinenser verletzt. Dies berichtete der israelische Rundfunk unter Berufung auf palästinensische Angaben.

Die Organisatoren der Menschenkette kritisierten, Scharon wolle Fakten schaffen, noch bevor das Parlament entscheiden müsse. Unter den Demonstranten waren auch Parlamentsabgeordnete. In einem Flugblatt wurde zu einem gewaltlosen Widerstand gegen das umstrittene Vorhaben Scharons aufgerufen. Dieser hatte angekündigt, den Gazastreifen bis Ende kommenden Jahres zu räumen.

Der israelische Geheimdienst Schin Bet und die Polizei warnten unterdessen vor einem Anschlag jüdischer Extremisten auf den Tempelberg in der Jerusalemer Altstadt. Ziel eines solchen Anschlags sei es, Chaos in der Region zu erzeugen, um die von der israelischen Regierung gebilligte Räumung des Gazastreifens zu verhindern. Für Muslime in aller Welt gilt der Tempelberg als drittheiligste Stätte. Auch der Minister für Innere Sicherheit, Zachi Hanegbi, hatte am Samstag in einem Fernsehinterview vor einem Anschlag rechtsextremer Juden auf den Tempelberg gewarnt.

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