Zehntausende protestieren in der Kabylei für mehr Rechte
50 Tote bei Unruhen in Algerien

Die seit Tagen anhaltenden gewaltsamen Proteste in der algerischen Berber-Region Kabylei sind weiter eskaliert.

ap ALGIER. Bei den Auseinandersetzungen zwischen meist jugendlichen Demonstranten und der Polizei wurden Augenzeugen zufolge allein am Wochenende rund 30 Menschen getötet. Damit stieg die Zahl der Opfer in der Bergregion, in der vor allem die Minderheit der Berber lebt, laut Medienberichten auf etwa 50. Die Demonstranten protestieren gegen die Regierung und fordern mehr Rechte für die Minderheit.

Am Sonntag war die Umgebung der Städte Tizi Ouzou, rund 100 Kilometer östlich der Hauptstadt Algier, und Bejaia Brennpunkt der Kämpfe. Die Orte waren völlig lahmgelegt, Geschäfte und Behörden blieben geschlossen. Auch am Samstag gingen in Tizi Ouzou, der Hauptstadt des Berbergebiets, zehntausende Demonstranten auf die Straße. Die Unruhen waren zu Wochenbeginn ausgebrochen, nachdem ein Schüler unter ungeklärten Umständen in Polizeigewahrsam ums Leben gekommen war. Nach Polizeiangaben starb er, nachdem sich eine Kugel aus der Waffe eines Beamten versehentlich gelöst hatte. Laut Regierung haben die Kämpfe bislang mehr als 300 Verletzte gefordert.

Der Aufstand in der Kabylei steht nicht in Zusammenhang mit den Kämpfen islamischer Extremisten. Die Berber, die sich als Urbevölkerung im Norden Afrikas verstehen, haben wiederholt gegen die Islamisierung der Politik ihres Landes protestiert. Die Unruhen ereigneten sich zum gleichen Zeitpunkt, da die Berber des 21. Jahrestags ihres so genannten Frühlingsaufstands von 1980 gedenken. Damals hatten sie für die offizielle Anerkennung ihrer Sprache Tamazight gekämpft.

Zwtl: 40 Soldaten bei Gefecht mit Rebellen getötet



Bei einem Gefecht zwischen islamischen Extremisten und Regierungstruppen wurden unterdessen mindestens 40 Soldaten getötet. Wie die Zeitung "Le Matin" am Samstag berichtete, war die etwa 500 Kilometer südöstlich von Algier gelegene Ortschaft Chrea am Donnerstag Schauplatz des Kampfes. Sieben Rebellen seien ebenfalls getötet worden. Die Zeitung "Le Quotidien d'Oran" berichtete, die Soldaten seien von Kämpfern der Extremistenorganisation Salafit überfallen worden.

Der Aufstand islamistischer Rebellen begann 1992, als die von den Streitkräften gestützte Regierung Wahlen absagte, die die islamische Heilsfront vermutlich gewonnen hätte. Seitdem wurden mehr als 100 000 Menschen getötet. Eine Friedensinitiative von Präsident Abdelaziz Bouteflika blieb bislang ohne Ergebnis.



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