Zehntes Verlustjahr in Folge - Bankenminister will bis Frühjahr 2005 aufräumen
Faule Kredite sind immer noch das Hauptproblem

Nach einem verlustreichen Geschäftsjahr könnte sich der Spalt zwischen starken und schwachen japanischen Banken weiter öffnen. Die neuen Prognosen werden mit Spannung erwartet.

HB DÜSSELDORF. Japans Banken steht ein entscheidendes Jahr bevor. Wenn die großen Häuser am 26. Mai ihre Zahlen vorlegen, werden diese wieder einmal tiefrot sein. Insgesamt fast 4 Bill. Yen (31,3 Mrd. Euro) werden die fünf größten Bankengruppen als Nettoverlust ausweisen. Mehr als die Hälfte, 2,38 Bill. Yen, allein die Mizuho Finanzgruppe, mit der Citibank aus den USA nach Bilanzsumme weltweit eine der größten Banken. Nur über Kapitalerhöhungen von insgesamt knapp 2 Bill. Yen konnten die vier größten Bankengruppen über der für das internationale Geschäft nötigen Eigenkapitalquote von 8% bleiben. Neben Mizuho sind dies Sumitomo Mitsui, Mitsubishi Tokyo und UFJ. Die fünfgrößte Bankengruppe Resona liegt bereits unter den 8 %. Ihre Ka-pitalquote wird auf 6 % geschätzt. In einem Ranking der "Banken, bei denen sie beruhigt sein können" platzierte das Wirtschaftsmagazin Toyo Keizai die beiden Institute, die zu Resona zusammengelegt werden, auf die schlechtesten Tabellenplätze. Asahi und Daiwa Bank landeten unter 126 untersuchten Banken auf Platz 120 und 126, vor allem wegen ihrer schlechten Eigenkapitallage.

Auch Mizuho musste sich mit Platz 122 zufrieden geben, wohingegen Sumitomo Mitsui und Mitsubishi Tokyo im Mittelfeld auf Platz 71 und 79 lagen, allerdings weit hinter gesunden Regionalbanken wie der Kyoto Bank, der Chiba Bank oder der Shizuoka Bank. In diesem Geschäftsjahr, meinen Analysten, würden sich die schwachen und die starken Institute weiter voneinander entfernen. Kommt es zur Verstaatlichung einer der Banken? Schaffen die Institute diesmal die Wende? Ihre Ausblicke Ende Mai werden mit Spannung erwartet.

Ursprünglich wollten UFJ und Sumitomo Mitsui schon im abgelaufenen Geschäftsjahr wieder schwarze Zahlen schreiben. Mizuho und Resona hatten eine gehörige Abnahme der Verluste prognostiziert. Doch wieder einmal kam vieles anders als gedacht. Zum einen fiel der Nikkei-Index innerhalb des Fiskaljahres um fast ein Drittel. Angesichts der großen Bestände an Aktien von Unternehmen, die Japans Banken auf Grund traditioneller Verflechtungen halten, führt dies zu Wertberichtigungen im großen Stil. Zugleich drückt die von der Regierung geforderte Entflechtung und der daraus resultierende Verkauf von Unternehmensbeteiligungen wiederum auf die Kurse. Ein Teufelskreis.

Immer wieder neue Problemkredite

Fast doppelt so hoch jedoch sind die Belastungen aus dem Abbau fauler Kredite. Zum führt die Wirtschaftslage dazu, dass immer wieder neue Problemkredite auftreten. Seit Herbst jedoch machte der neue Bankenminister Heizo Takenaka, zuvor bereits Wirtschaftspolitikminister, Druck auf die Institute, die faulen Kredite schneller abzubauen, unter anderem über eine strengere Reservenberechnung. Bis März 2005 will Takenaka endgültig aufgeräumt, den Anteil der faulen Kredite halbiert haben. Die Folge: Die Institute mussten ihre Reserven drastisch anheben, die vorherigen Prognosen wurden Makulatur.

Die einen bezeichnen Takenakas Vorgehen als unvorsichtig in Zeiten von Deflation und auf Konfrontation statt Kooperation mit den Banken angelegt. Die anderen erhoffen sich durch die schmerzliche Rosskur, dass die Probleme, die Japans Banken und darüber die gesamte Wirtschaft seit weit mehr als einem Jahrzehnt lähmen, endlich ein Ende finden. Dieses Jahr wird das zehnte in Folge sein, in dem Aktienverluste und faule Kredite die operativen Gewinne der Institute mehr als auffressen. Die Schieflage ist noch immer eine Folge der Spekulationsblase in den achtziger Jahren. Zeitgleich schossen damals Aktienkurse und Immobilienpreise in die Höhe. Mit den Immobilien sicherten die Ban-ken die Kredite ab. Von 1980 bis zum Höhepunkt der Spekulationsphase Ende 1989 verdoppelte sich die ohnehin für die Unternehmensfinanzierung wichtige Kreditvergabe in Japan, darunter litt die Qualität. Im Dezember 1989 platzte die Spekulationsblase. Seither leidet das Land des Lächelns unter einer fortwährenden Deflation der Anlagewerte.

Künstlich am Leben erhalten

Der Nikkei fiel von 38 900 Yen auf heute rund 8 200 Punkte. Regierung und Banken unterschätzten die Probleme in der ersten Hälfte der neunziger Jahre völlig. Die Banken verliehen, zum Teil auf Druck des Staates, munter weiter Geld an die Firmen, mit denen traditionell auch gegenseitige Kapitalverflechtungen bestanden. Bis 1996 stieg die Kreditsumme noch. Erst danach setzten Insolvenzen und Stellenstreichungen ein. So spät, dass das Problem verschärft worden war, denn ineffiziente Branchen und Unternehmen waren durch Bankkredite ebenso wie durch Konjunkturpakete der Regierung künstlich am Leben erhalten worden. Und sie herauszufiltern fiel bei historisch niedrigen Zinssätzen schwer. Säumig wurden die Schuldner bis zum bitterbösen Ende selten.

Die großen Bankengruppen wurden als Reaktion auf den Wettbewerb aus dem Ausland, der in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre einsetzte, fusioniert. Zum Teil hat dies die Aufräumarbeiten verlangsamt. Jetzt streichen die Megabanken Stellen, schließen Filialen, rationalisieren Abläufe, um effizienter zu werden. Zugleich versuchen sie, im Retailgeschäft zu expandieren, im Kreditgeschäft an Kleinunternehmen, in der indirekten Finanzierung und vom China-Boom japanischer Unternehmen mit Filialen im Reich der Mitte zu profitieren. Kritiker jedoch finden die Geschäftsmodelle für die Zukunft oft noch nicht überzeugend, sehen noch Defizite im Kreditcontrolling sowie zu niedrige Margen im Kreditgeschäft. Zudem werden noch immer überschuldeten Großunternehmen wie dem Handelshaus Daiei Schulden erlassen und neue Kredite bewilligt.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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