Zeichen für Konjunkturwende
Chemiebranche sieht erste Frühlings-Signale

Nach einem Konjunktureinbruch und der Ankündigung umfangreicher Stellenstreichungen im vergangenen Jahr sieht die Chemiebranche allmählich wieder Anzeichen für eine Verbesserung ihrer Geschäftslage.

Reuters FRANKFURT. In den Berichten der großen Chemiekonzerne zum Verlauf in den ersten drei Monaten fanden sich zuletzt zum Teil deutlich optimistischere Töne als noch wenige Wochen zuvor aus der Branche zu vernehmen waren. Auch Analysten bewerten die Aussichten für die Unternehmen mittlerweile wieder etwas positiver, obwohl sie weiterhin eher vorsichtig bleiben.

Dabei gilt die Chemieindustrie, deren Produktpalette von Kunststoffen für den täglichen Gebrauch bis zu hochwertigen Flugzeugteilen reicht, als frühzyklische Branche. Konjunkturelle Veränderungen schlagen sich bei ihr also stets sehr rasch in den Auftragsbüchern nieder. Zwar berichteten die Unternehmen zumeist von einem noch verhaltenen Start in beiden Anfangsmonaten 2002. Der März war aber für viele Chemiefirmen besser als erwartet ausgefallen.

"Wir spüren den Frühling in unseren Auftragsbüchern"

Bei Europas größter Chemiegruppe BASF, die mit ihren Quartalszahlen zum Teil deutlich über den durchschnittlichen Schätzungen der Analysten lag, hieß es vor wenigen Tagen, das Geschäft habe sich im März wieder deutlich belebt. "Wir spüren den Frühling in unseren Auftragsbüchern", sagte Konzerchef Jürgen Strube. Die Kapazitätsauslastung bei wichtigen Anlagen habe wieder zugenommen. Beim kleineren Konkurrenten Celanese, dessen Zahlen zuvor die Börse ebenfalls positiv überrascht hatten, hieß es, in einigen Segmenten habe sich das Geschäft im Auftaktquartal deutlich verbessert.

Auch aus dem Ausland sind die Stimmen mittlerweile nicht mehr so gedämpft wie noch zu Jahresbeginn. Der zweitgrößte Chemiekonzern der USA, Dow Chemical, hatte unlängst eine merkliche Verbesserung der Geschäfte im laufenden zweiten Quartal in Aussicht gestellt. Dow-Finanzchef J. Pedro Reinhard wies darauf hin, die Abnehmer füllten ihre Lagerbestände ausgehend von sehr niedrigen Niveaus langsam wieder auf. Auch ziehe die Nachfrage wieder etwas an. Die größte niederländische Chemiegruppe Akzo Nobel sieht beim seit vergangenem Jahr rückläufigen Chemikalienumsatz die Talsohle erreicht.

Signale gelten insbesondere für deutsche Chemiefirmen

"Es sind erste Anzeichen einer Trendwende in der Chemieindustrie festzustellen", sagte Chemieanalyst Klaus Kis von der Münchener Privatbank Merck Finck & Co. Dabei seien bei der Nachfrage nach Basischemikalien Anzeichen einer Bodenbildung zu sehen, was insbesondere für die deutschen Chemiefirmen zutreffe. Bei BASF etwa hatte sich das Segment Chemikalien im ersten Quartal als sehr robust erwiesen mit einem Anstieg des Betriebsergebnisses vor Sondereinflüssen um 1,8 Prozent. Eine leichte Besserung sieht Kis hier auch bei den niederländischen Chemiegruppen Akzo Nobel und DSM. Akzo etwa verzeichnete in seinem ersten Quartal einen leichten Anstieg des Betriebsergebnisses im Chemikalienbereich.

Nachhaltigkeit noch ungewiss

Ob die konjunkturelle Erholung nachhaltig ist, lässt sich nach Einschätzung von Chemieanalysten noch nicht sagen. "Man kann einfach noch nicht sagen, wohin die Richtung nun genau geht", merkt Chemieanalystin Antje Laschewski von der LBBW an. Zwar hätten die Unternehmen von einem Auffüllen der Lager bei den Kunden berichtet. Dabei sei aber zu beachten, dass diese zuvor komplett leergeräumt gewesen seien. Ob es sich hierbei lediglich um einen "Lagereffekt" handele oder dies bereits der Beginn einer durchgreifenden Erholung sei, könne noch nicht klar ausgemacht werden. Ebenso äußerte sich Merck-Finck-Analyst Kis.

Auch für die Unternehmen der Branche ist dies noch nicht ausgemacht. BASF-Chef Strube etwa hob trotz aller Zuversicht hervor, es sei noch nicht klar zu erkennen, ob es nun zu einem kontinuierlichem Aufschwung komme. Als ein positives Zeichen wertete LBBW-Analystin Laschewski aber die jüngsten Preisanhebungen bei einigen Basischemikalien. BASF beispielsweise hatte zuletzt unter anderem die Preise für Ameisensäure, für Caprolactam und für Propionsäure zum 1. April nach oben gesetzt. Im Abschwungjahr 2001 hatten die Unternehmen noch geklagt, dass es kaum möglich gewesen sei, höhere Rohstoffkosten über die Preise an die Abnehmer weiterzugeben.

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