Archiv
Zeit für Strategien

Von milliardenschweren Einsparungen durch das Web will Bo Andersson denkbar wenig wissen. Dem Einkaufs-Chef des Auto-Riesen General Motors (GM) ist es viel wichtiger, dass Routineaufgaben mit dem Internet einfacher erledigt werden können.

DÜSSELDORF. Dadurch bleibe mehr Zeit für strategisch wichtigen Fragen. Wie viele Dollar sich dadurch sparen ließen, steht für den ranghöchsten Europäer in der GM-Zentrale in Detroit erst an zweiter Stelle.

Die Ansicht des schwedischen Managers ist weit verbreitet in Unternehmen. Wenn die elektronische Beschaffung richtig eingesetzt wird, fand unlängst die Unternehmensberatung Accenture in einer Studie heraus, könnten sich die Einkaufsabteilungen auf ihre Kernaufgaben konzentrieren. "Die Einkäufer werden von Standardabläufen entlastet", glaubt auch Ferdinand Dudenhöffer, Professor an der Fachhochschule Gelsenkirchen. Voraussetzung: Die Vernetzung mit den Lieferanten funktioniert. Die Grundsteine werden derzeit gelegt: Schon heute könne er jederzeit online die Qualität der angelieferten Teile der Zulieferer überprüfen, freut sich Andersson.

Das ist freilich nur der erste Schritt ins elektronische Zeitalter für die Autoindustrie. Das Ziel ist eine komplette Online-Kette vom Kunden, der ein Auto bestellt, bis zum untersten Lieferanten. "Damit kommt man zum Zehn-Tage-Auto", erklärt Dudenhöffer. Im Klartext: Ein Autofahrer bestellt ein neues Fahrzeug, und mit dem Auftrag wird der Hersteller von Sitzen über die gewünschte Ausstattung informiert. Spätestens zwei Wochen nach der Bestellung kann der Käufer sein Wunsch-Auto dann in seiner Garage parken. In fünf bis zehn Jahren könne die Industrie so weit sein, umreisst Dudenhöffer den noch nötigen Zeitaufwand für die Entwicklungen.

Derzeit ist die elektronische Kette noch lange nicht durchgängig. Kunden können zwar Autos schon teilweise online bestellen. Den direkten Draht zum Unterlieferanten gibt es aber noch nicht. Im Gegenteil: Autobauer wie BMW kaufen lediglich Standardteile wie Büroklammern und Werkzeug online ein. Alles, was ins Auto eingebaut wird, bestellen die Bayern noch nicht über das Netz.

BMW arbeitet derzeit ebenso wie beispielsweise Volkswagen erst an Systemen für den E-Einkauf. Die großen US- Autobauer GM, Ford, Daimler-Chrysler sowie der französische Hersteller Renault haben dagegen den Marktplatz Covisint gegründet. Die amerikanische Firma soll die Voraussetzungen für den Online-Einkauf schaffen, auch wenn alle beteiligten Autobauer weiterhin an eigenen elektronischen Beschaffungsverfahren basteln.

Bislang haben die Autofirmen über Covisint vor allem Auktionen veranstaltet. Um 17% seien Teile wie Batterien billiger gewesen als im herkömmlichen Einkauf, teilte Daimler-Chrysler mit. Darüber hinaus ging die Arbeit, die nötigen Informationen an die Zulieferer zu verschicken, in einem statt der sonst üblichen 14 Tage über die Bühne.

Als nächstes will GM-Manager Andersson Kataloge ins Netz stellen, aus denen sich die auf der ganzen Welt verteilten GM-Werke selbstständig benötigte Teile aussuchen und dann bestellen können. Damit würden die Einkäufer in der Zentrale entlastet. Die hätten dann mehr Zeit, um sich mit den Lieferanten an einen Tisch zu setzen und zu beraten, wie günstiger und besser produziert werden könne.

Eine Zusammenarbeit in diesem Stil gewinnt nach Ansicht von Dudenhöffer zunehmend an Bedeutung, da die großen Autohersteller weitere Teile ihrer Produktion auslagern. Und die wirklich wichtigen Dinge, sind sich alle einig, lassen sich auch künftig besser unter vier Augen klären.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%