Zeit wird knapp für Fahrholz
Dresdner nutzt erstmalig die "Kreditwerkstatt"

Die Dresdner Bank hat angesichts wachsender Zweifel an der Kapitalkraft des deutschen Finanzsektors mit dem systematischen Abbau von Kreditrisiken in Milliardenhöhe begonnen. In Kreisen der Bank hieß es, 17 Mrd. Euro ausfallgefährdete oder strategisch unwichtige Kredite seien auf die dafür gebildete "Institutionelle Umstrukturierungseinheit" (IRU) überführt worden.

Reuters FRANKFURT. "Von den 17 Mrd. sind rund 40 Prozent Not leidende Kredite, für die es nur zum Teil eine Risikovorsorge gibt", hieß es aus Kreisen, während sich die Bank selbst nicht äußern wollte. "Der Erfolg der IRU ist ein entscheidender Faktor für den Turnaround, den Vorstandschef Bernd Fahrholz dem Eigentümer Allianz für 2003 versprochen hat", hieß es weiter. Nach Darstellung der Allianz hat die Dresdner Bank allein im dritten Quartal 2002 mit 972 Mill. Euro Verlust zum Konzernergebnis beigetragen, der zu guten Teilen aus Wertberichtigungen für Not leidende Kredite resultierte.

Auch Kanzler Schröder an IRU interessiert

Fahrholz gilt als Erfinder der IRU-Idee, auf die inzwischen auch Bundeskanzler Gerhard Schröder aufmerksam geworden ist. Beim Spitzengespräch mit Top-Bankern am 16. Februar im Berliner Wirtschaftsministerium soll der um die Finanzkraft des deutschen Kreditgewerbes besorgte Regierungschef nach Angaben aus Teilnehmerkreisen nachgefragt haben, ob die IRU nicht als Auffangbank für die gewaltigen Bestände der deutschen Finanzinstitute an schlechten Krediten dienen könnte.

Als eigenständiger Geschäftsbereich unter der Leitung des von Allianz-Vorstand Paul Achleitner rekrutierten Schweden Jan Kvarnström soll die IRU bis zu 30 Mrd. Euro Kredite übernehmen, deren Schuldner zahlungsunfähig sind oder die nicht mehr als strategisches Engagement mit ausreichender Rentabilität angesehen werden. Je nach Einzelfall werden die Kredite entweder saniert und mit höherer Gewinnmarge an die Bank zurück gegeben oder aufgelöst, um das gebundene Kapital in lukrativeren Geschäften einsetzen zu können.

Rasche Abschreibungen, Joint Ventures, die Verbriefung von Krediten oder Zwangsliquidationen gehören zum Instrumentarium von "Kvarnströms Kreditwerkstatt", so die IRU im Dresdner-Jargon. "Weltweit kann das bis zu 10 000 Kunden betreffen", hieß es in den Kreisen der Bank. Darunter seien viele mittelständische Firmen wie auch von früheren Dresdner-Vorständen eingegangene Engagements auf dem amerikanischen Kontinent. Doch die Pläne der IRU-Chefs machen an den Grenzen der 2001 für 24 Mrd. Euro übernommenen Dresdner Bank nicht halt: "Darüber hinaus soll die IRU "Centre of Competence" für die Betreuung Not leidender und nicht strategischer Engagements der Allianz-Gruppe werden", heißt es in internen Unterlagen über das Institut.

Zeit wird knapp für Fahrholz

Ob Fahrholz diesen Tag als Mitglied des Allianz-Vorstands erleben wird, ist unsicher. "Weil die Kapitalmärkte derzeit so schwierig sind, braucht die Dresdner Bank Zeit, ihre Probleme zu lösen. Schafft sie das nicht, stehen alle Optionen offen", hatte der scheidende Allianz-Vorstandschef Henning Schulte-Noelle vor zwei Wochen erklärt.

Schulte-Noelles Nachfolger Michael Diekmann hat noch nicht gesagt, wie viel Zeit er Fahrholz und der Dresdner Bank geben will. Die Geduld der Finanzmärkte ist weitgehend erschöpft. Vom 52-Wochen-Hoch bei 287 Euro im März 2002 ist die Allianz-Aktie auf 71 Euro abgestürzt. Hartnäckig halten sich Gerüchte, der Konzern werde bald zu einer Kapitalerhöhung gezwungen sein. Unter Druck steht Fahrholz aus eigenem Antrieb. "Unser oberstes Ziel ist es, bereits im nächsten Jahr profitabel zu arbeiten und einen operativen Gewinn zu erzielen", hatte er am 26. September 2002 erklärt und mit dem Abbau von 11.000 Arbeitsplätzen begonnen. Heute heißt es in Kreisen der Bank: "Fahrholz kann 2003 den Turnaround bei den Kosten und der Risikovorsorge schaffen. Einen operativen Gewinn werden die Märkte wohl nicht zulassen."

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